Seit dem Platzen der Regierungsverhandlungen lese ich hier vermehrt, dass die NEOS recht hätten und es jetzt an der Zeit wäre, endlich zu sparen. Doch viele Durchschnittsösterreicher sind sich offenbar nicht bewusst, welche Folgen dies haben könnte. Ein Blick nach Griechenland zeigt die Risiken: Dort schrumpfte das BIP infolge der Austeritätspolitik innerhalb von acht Jahren um 25% (Diese)! Gespart wurde dabei kaum, weil die Wirtschaftsleistung sank und dadurch die Schuldenlast relativ sogar schwerer zu bedienen war.

    In einer Wirtschaft muss nämlich immer jemand Schulden machen, damit sie wachsen kann. Wenn Unternehmen keine Kredite aufnehmen, muss der Staat einspringen (siehe Japan). Tun dies weder Staat noch Unternehmen, bleibt nur das Ausland – wie etwa Deutschlands Exportüberschuss in den letzten Jahrzehnten zeigt. In einer Rezession jedoch zu sparen, bedeutet oft, die Wirtschaft abzuwürgen.

    Kommen wir jetzt zu den Forderungen der NEOs (laut SPÖ): Sie wollten bei Pensionen und Beamtengehältern sparen, d.h. Gehaltseinbußen für Lehrer und Polizisten sowie das Einfrieren von Pensionen und eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters. Zusätzlich forderten sie eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, was noch mehr Kapital aus dem Wirtschaftskreislauf ziehen würde. Genau diese Art des Sparens – das Entziehen von Geld aus dem Kreislauf – kann wirtschaftliche Abschwünge weiter verschärfen!

    Natürlich heißt das nicht, dass wir noch mehr Schulden machen sollten, aber dort zu sparen, wo Geld im Wirtschaftskreislauf arbeiten würde ohne Engpässe zu verursachenist schlichtweg – entschuldigt mein Österreichisch – fetzndeppat.

    Wer mehr über die Funktionsweise von Schulden und deren Einfluss auf die Wirtschaft lernen will, dem empfehle ich Wolfgang Stützel, Volkswirtschaftliche Saldenmechanik.

    Wieso die Sparpolitik der NEOs gefährlich ist
    byu/tempuralover1 inAustria



    Von tempuralover1

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    6 Kommentare

    1. Es is ewig schad um die Reformagenden der NEOS.

      Die erste Partei die den Föderalismus angehen wollte und den ganzen Filz in Staatsnahen Betrieben.
      Transparenzregeln…
      ORF Stiftungsrat…
      Inseratenkorruption…

      Wir haben mehr verloren als wir durch irgendwelche Pups Sparformeln gewonnen haben.

    2. Top-Wasabi-9917 on

      Ich würde es sehr begrüßen wenn im Rahmen einer Regeländerung für Kommentare zu Wirtschaftspolitischen Themen in diesem Sub der Nachweis von mindestens je 4 ECTS in Makröokonomie und Ökonometrie eingeführt würde.

    3. Staatliche Schulden haben wir genug. Prinzipiell sind sie nicht schlecht, ja. Aber nur solange die Wirtschaft diese erarbeiten kann. (Ed: KTM z.b. grüßt)

      Wir haben diese Grenze überschritten. Per BIP, von der EU festgelegt. Diese Grenze ist ebenfalls genauso nicht schlecht. Wenn wir nichts mehr wert sind, ist der Euro weniger wert. Siehe Griechenland, wie angegeben.

      Fazit; iwo müssen wir viel sparen. Bitte um Vorschläge.

    4. Griechenland ist wohl kein gutes Beispiel, die haben nämlich schon seit Jahren einen Budgetüberschuss und seit einiger Zeit floriert dort die Wirtschaft. Das würde also für Reformen sprechen. Eines muss uns allen schon bewusst sein. In Griechenland wurden radikale Reformen und ein harter Sparkurs durchgezogen. Wenn wir rechtzeitig unser Budget konsolidieren kann man harte Einschnitten vermeiden oder wir warten zu bis es gar nicht mehr geht -> große Koalition

    5. Profusely248 on

      Warum höre ich von den Neos immer nur Ideen wie man von den kleinen Bürgern den letzten Rest rausquetschen kann, aber nichts zum Thema Vermögenssteuer?

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