
Wie kann man die Person denn bitte verurteilen? Offensichtlich ist diese Person weder im geistigen noch im körperlichen Zustand einem Gerichtsverfahren gegen sich beizuwohnen?
https://www.srf.ch/news/schweiz/mord-in-der-lugano-bar-bezirksgericht-verurteilt-53-jaehrigen-ungarn-zu-haftstrafe
Von Any-Patient5051
5 Kommentare
Ist trzd ein Mörder, wieso nicht verurteilen?
Da scheint sich der Krebs für einmal die richtige Person gesucht zu haben.
I would agree you shouldn’t convict him, but I also think he’s a danger to society and himself in his current state, so even without conviction he should probably be in a mental hospital if he ever leaves the treatment hospital, so honestly the result is kind of the same.
Ja, Schizophrenie ist eine Dreckskrankheit. Meine Mutter bezichtigte mich während einer Psychose einmal, eine durch schwarze Magie kontrollierte Kopie zu sein und ging mit einem Brieföffner auf mich los. Das Frustrierende ist, dass viele Betroffene in einer Psychose fest davon überzeugt sind, dass die Medikamente schlecht für sie sind. Selbst wenn es ihnen durch die Medikation besser geht,setzen sie diese oft eigenständig ab. Entweder glauben sie bereits gesund zu sein, oder Freunde und Bekannte merken, dass die Medikamente die Persönlichkeit leicht verändern und kommunizieren das an den Patienten woraufhin ebenjener die medis absetzt um wieder „normal“ zu sein.
Interessant wäre die Frage, ob es ethisch vertretbar ist, ihn zur Medikamenteneinnahme zu zwingen und ihn somit überhaupt erst mit der Tat zu konfrontieren.
>Wie kann man die Person denn bitte verurteilen? Offensichtlich ist diese Person weder im geistigen noch im körperlichen Zustand einem Gerichtsverfahren gegen sich beizuwohnen?
Also ich fand den ganzen Prozess in der Form auch sehr fragwürdig. Wie ein Gericht sich – bei so einem offensichtlich „gestörten“ Verhalten des Angeschuldigten (das wohl eben auch nicht gespielt ist) – trotzdem auf ein einzelnes Gutachten verlässt (obwohl der Verteidiger eine Zweit-Begutachtung gefordert hat), halte ich zudem auch für äusserst fragwürdig. Und wie der Erst-Gutachter nach 3 Stunden Gesprächen (die wohl nicht sehr ergiebig waren) dann ein (vmtl. sehr teures) 114 Seiten Gutachten schreiben kann, auf den sich das Gericht dann m.E. „blind“ verlässt, hat für mich auch etwas fragwürdiges an sich.
In [diesem (weiteren) SRF-Artikel](https://www.srf.ch/news/schweiz/bezirksgericht-zuerich-bluttat-in-lugano-bar-zwischen-verwahrung-und-schuldunfaehigkeit) steht übrigens bezüglich Verhandlungsfähigkeit:
>Die Richter klärten vor der eigentlichen Verhandlung auch ab, ob der Mann überhaupt verhandlungsfähig ist, und entschieden sich dafür, den Prozess durchzuführen. Laut psychiatrischem Gutachten leidet der Beschuldigte an Wahnvorstellungen und Persönlichkeitsstörungen. Aber: Der Angeklagte stritt diese psychischen Störungen vor Gericht ab. Seine Patientenakten seien durch seinen kriminellen Bruder gefälscht worden.
Dass das Gericht es während der Verhandlung nicht für nötig erachtete, sich die Frage der Verhandlungsfähigkeit halt (statt nur initial am Anfang des Prozesses) nochmals zu stellen, erscheint für mich auch befremdlich.
Wen es interessiert, in diesem [Liveticker](https://www.blick.ch/schweiz/zuerich/messerstecher-milan-i-toetete-in-der-lugano-bar-so-war-der-prozess-id22139154.html) vom Prozess (leider hat nur der BLICK detailliert berichtet, sonst würde ich nicht auf dieses IMHO Boulevard-Medium verlinken) hats auch noch ein paar weitere interessante Details.
Auf jeden Fall ziehe ich den Hut vor dem – nun – dritten Pflicht-Verteidiger (der ja wie die ersten beiden scheinbar einige Probleme mit seinem Pflicht-Mandanten hat(te)), der den Fall jetzt ans Obergericht weiterziehen wird.
Im Übrigen auch noch folgendes: Wenn der Angeschuldigte so wie berichtet wird sich in palliativer, medizinischer Betreuung befindet, ist es m.E. möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, dass er ein Obergerichts-Urteil evtl. gar nicht mehr erleben wird. Und die rechtliche Konsequenz davon wäre dann, dass er als nie *rechtskräftig* wegen der Tat verurteilt gelten würde – und alle Kosten (inkl. die ganzen Kosten des m.E. – aufgrund des wohl absehbaren Ablebens – völlig „unnötigen“ Prozesses).