Immer toll, wenn man dann das Gegenargument hört: „Ja, was die da machen, ist ja keine richtige Arbeit“.
Als jemand, der 11 Jahre in einem heilpädagogischem Zentrum gearbeitet hat, kann ich sagen: „Ja, das IST Arbeit. Genauso wie jede andere Arbeit.“
Mobile-Monk-104 on
„Der wahre Maßstab einer Gesellschaft ist, wie sie ihre schwächsten Mitglieder behandelt.“ – Mahatma Gandhi
carilessy on
Ich sehe das ein bisserl differenzierter.
War selbst 4 Jahre in einer WfbM beschäftigt (~ 2010) ~ Was klar ist, der Lohn ist wirklich sehr gering. Andererseits war man nicht dem Druck des 1. Arbeitsmarktes ausgesetzt, konnte Auszeiten nehmen, das übergeordnete Personal war sowohl Sozial kompetent, hatte kostenfreie Kost in der Kantine *(was immens Kosten eingespart hat, glaube der billigste Monat waren 74 Euro Ausgaben [inkl. Internetzugang], da ich nur fürs Wochenende Lebensmittel kaufte)*, und gab‘ den Bonus des Sozialisierens.
Ich wäre auch dafür, wenn man den Lohn erhöhen würde. Aber ich befürchte ganz auf Mindestlohnniveau wären WfbM nicht mehr haltbar, da die Kosten zu hoch wären. Wir hatten schon damals Flautezeiten, wo eben einfach „nichts zu tun“ war, aber wir waren auch eine Abteilung welche auf Elektrik spezialisiert war, die Wäscherei, Recycling, Holzwerkstatt und Verpackung waren davon weniger betroffen. Man muss ja verstehen, dass es mit einem klassischem Betrieb weniger vergleichbar ist, da die Arbeitnehmer wesentlich mehr Kompetenzen abverlangen und Arbeitenden weniger belastbar sind bzw. mehr Ressourcen abverlangen/länger brauchen können.
Ich befürchte eine zu starke Anpassung des Lohns nach oben könnte Nachteile nach sich ziehen, bzw. ihnen Schaden, da die WfbM weniger/gar nicht konkurrenzfähig wären und somit weniger überhaupt Zugang zu sinnstiftenden/strukturgebenden Systemen haben. WfbMs sind oftmals ein elementarer Schritt zu einem selbstständigem Leben, glaube nicht dass es gut ist, wenn es verschwindet.
platypodus on
Wichtiges Thema, „aber“ hat er dazu nicht auch schonmal eine Folge gemacht?
fastsloth on
Passend zum Thema: Das legendäre Schlingensief Interview mit Achim
mich wundert immer wie man diese forderung nach mindestlohn in werkstätten mit der generellen staatlichen unterstützung für behinderte menschen zusammenbringen will.
wenn wir drei behinderte menschen haben, einer der vollzeit arbeitet, einer der gar nicht arbeiten kann und einer der gar nicht arbeiten will, wie sollen die drei finanziell am ende da stehen?
a) der vollzeit arbeitende hat 2000€ mehr
b) alle haben genauso viel, der arbeitende bekommt halt weniger unterstützung vom staat (bzw das selbe, denn der lohn in der werkstatt käme ja auch vom staat)(diesen zustand haben wir aktuell. die arbeit in der werkstatt ändert nichts an den finanziellen umständen)
c) würde man dann den, der arbeiten könnte, aber nicht will, dafür irgendwie finanziell abstrafen?
ich sehe nicht wie diese forderung auch nur im geringsten fair sein kann. denn diese werkstätten sind am ende des tages beschäftigungstherapie. warum sollte man durch die teilnahme finanziell besser gestellt werden als jemand der nicht teilnehmen kann oder will?
dontwastebacon on
Full time hob entspricht nicht ganz den Tatsachen. Ja die Menschen sind 35h/ Woche in der WfbMmussen und können auch nicht die ganze Zeit arbeiten. Bitte bei der Diskussion nicht vergessen, dass sich um Menschen handelt die laut Gutachten unter 3h/Tag wirtschaftlich verwertbare Arbeitszeit leisten können, ohne dass sich die Gesundheit dadurch verschlechtert.
Ja, der Werkstatt Lohn ist zu gering. Schaut aber bitte auch mal das Budget für Arbeit an.
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7 Kommentare
Immer toll, wenn man dann das Gegenargument hört: „Ja, was die da machen, ist ja keine richtige Arbeit“.
Als jemand, der 11 Jahre in einem heilpädagogischem Zentrum gearbeitet hat, kann ich sagen: „Ja, das IST Arbeit. Genauso wie jede andere Arbeit.“
„Der wahre Maßstab einer Gesellschaft ist, wie sie ihre schwächsten Mitglieder behandelt.“ – Mahatma Gandhi
Ich sehe das ein bisserl differenzierter.
War selbst 4 Jahre in einer WfbM beschäftigt (~ 2010) ~ Was klar ist, der Lohn ist wirklich sehr gering. Andererseits war man nicht dem Druck des 1. Arbeitsmarktes ausgesetzt, konnte Auszeiten nehmen, das übergeordnete Personal war sowohl Sozial kompetent, hatte kostenfreie Kost in der Kantine *(was immens Kosten eingespart hat, glaube der billigste Monat waren 74 Euro Ausgaben [inkl. Internetzugang], da ich nur fürs Wochenende Lebensmittel kaufte)*, und gab‘ den Bonus des Sozialisierens.
Ich wäre auch dafür, wenn man den Lohn erhöhen würde. Aber ich befürchte ganz auf Mindestlohnniveau wären WfbM nicht mehr haltbar, da die Kosten zu hoch wären. Wir hatten schon damals Flautezeiten, wo eben einfach „nichts zu tun“ war, aber wir waren auch eine Abteilung welche auf Elektrik spezialisiert war, die Wäscherei, Recycling, Holzwerkstatt und Verpackung waren davon weniger betroffen. Man muss ja verstehen, dass es mit einem klassischem Betrieb weniger vergleichbar ist, da die Arbeitnehmer wesentlich mehr Kompetenzen abverlangen und Arbeitenden weniger belastbar sind bzw. mehr Ressourcen abverlangen/länger brauchen können.
Ich befürchte eine zu starke Anpassung des Lohns nach oben könnte Nachteile nach sich ziehen, bzw. ihnen Schaden, da die WfbM weniger/gar nicht konkurrenzfähig wären und somit weniger überhaupt Zugang zu sinnstiftenden/strukturgebenden Systemen haben. WfbMs sind oftmals ein elementarer Schritt zu einem selbstständigem Leben, glaube nicht dass es gut ist, wenn es verschwindet.
Wichtiges Thema, „aber“ hat er dazu nicht auch schonmal eine Folge gemacht?
Passend zum Thema: Das legendäre Schlingensief Interview mit Achim
https://youtu.be/W30gqTKkSpk?is=MjKnEWnOqGawWc7S
mich wundert immer wie man diese forderung nach mindestlohn in werkstätten mit der generellen staatlichen unterstützung für behinderte menschen zusammenbringen will.
wenn wir drei behinderte menschen haben, einer der vollzeit arbeitet, einer der gar nicht arbeiten kann und einer der gar nicht arbeiten will, wie sollen die drei finanziell am ende da stehen?
a) der vollzeit arbeitende hat 2000€ mehr
b) alle haben genauso viel, der arbeitende bekommt halt weniger unterstützung vom staat (bzw das selbe, denn der lohn in der werkstatt käme ja auch vom staat)(diesen zustand haben wir aktuell. die arbeit in der werkstatt ändert nichts an den finanziellen umständen)
c) würde man dann den, der arbeiten könnte, aber nicht will, dafür irgendwie finanziell abstrafen?
ich sehe nicht wie diese forderung auch nur im geringsten fair sein kann. denn diese werkstätten sind am ende des tages beschäftigungstherapie. warum sollte man durch die teilnahme finanziell besser gestellt werden als jemand der nicht teilnehmen kann oder will?
Full time hob entspricht nicht ganz den Tatsachen. Ja die Menschen sind 35h/ Woche in der WfbMmussen und können auch nicht die ganze Zeit arbeiten. Bitte bei der Diskussion nicht vergessen, dass sich um Menschen handelt die laut Gutachten unter 3h/Tag wirtschaftlich verwertbare Arbeitszeit leisten können, ohne dass sich die Gesundheit dadurch verschlechtert.
Ja, der Werkstatt Lohn ist zu gering. Schaut aber bitte auch mal das Budget für Arbeit an.