In der Klasse des Sohns eines bekannten sind 22 von 24 Kindern aufs Gymnasium. Das passt halt einfach nicht.
LivingCheese292 on
Macht Sinn. Das in der vierten Klasse zu beurteilen wer in welche Schule kommt fand ich immer zu früh. Kinder sind noch dabei sich zu entwickeln, und ein haufen Helikoptereltern treiben Kinder dazu aufs Gymnasium zu gehen obwohl es zu viel für welche ist.
death_rim on
Gymnasien einfach abschaffen, alle bleiben zusammen bis zum ersten möglichen Schulabschluss bzw. bis die Schulpflicht erfüllt wurde.
DerFelix on
NRW-Perspektive hier. Ich habe in den letzten Jahren einige 5. Klassen in Mathe unterrichtet und muss sagen mindestens 30% können zu Beginn nicht schriftlich multiplizieren oder dividieren. Viele andere offensichtliche Lücken gibt es ebenfalls, aber das ist immer so die, die am auffälligsten ist. Der Rest kann es auch nicht unbedingt gut, aber diese 30% haben halt wirklich garkeine Ahnung. Deswegen habe ich oft das Gefühl den Job der Grundschullehrer auch noch machen zu müssen.
Unter meinen Kollegen herrscht die folgende Einschätzung, die ich immer mehr anfange zu übernehmen. Die Gymnasien sind die neuen Gesamtschulen geworden. Die Gesamtschule ist quasi die Realschule und diese die Hauptschule, und Hauptschulen werden abgeschafft. Man kann nicht einfach unten absägen und behaupten die Fälle existieren dann nicht mehr, das hat Auswirkungen aufs ganze System. Effektiv werden die Gymnasien abgeschafft. Aber das scheint ja auch so gewollt.
Förderschulen werden ja auch abgeschafft, die betroffenen Schüler dann einfach in den Regelunterricht in deutlich größere Klassen gesteckt *ohne* Sonderpädagogische Unterstützung und das nennt man dann in Deutschland Inklusion. Hat jetzt nichts mit dem obigen Thema zu tun ist aber auch eine politisch gewollte Verschlechterung für alle Beteiligten.
Barto84 on
Das liegt daran, dass integrierte Schulsysteme objektiv besser funktionieren (Beispiel: alle skandinavischen Länder) – die Traditionalisten und die Eliten, die ihre Vorteile nur aus anhaltend ungleich verteilten Ressourcen ( Bourdieu 1986; Bourdieu & Passeron 1977; Boudon 1974) ziehen, finden das Gymnasium halt total super…
Lehrkräfte wissen das scheinbar und schaffen von unten eine allgemeine Schulform 🙂
Das, plus: IGLU und TIMSS zeigen ganz wunderbar, dass die größten Herausforderungen der letzten zehn Jahre (Flüchtlingskrise 2015 + COVID -Schulschließungen) massive Probleme verdeutlicht (bekannt waren die schon seit Anfang der 2000er) und verstärkt haben.
Also im Prinzip eine Nicht-Meldung… Absolut nix neues…
Die einzige Meldung dürfte sein, dass alle Bemühungen der letzten 20 Jahre entweder nur Symbolpolitik waren (G9 -> G8 -> G9 🤣), ihr Effekt noch nicht eingetreten ist, oder es keine Möglichkeit gibt, die Effekte zu erfassen. Option 3 (Erfassen) sei nur der Vollständigkeit halber genannt, der IQB-Bildungstrend macht das eigentlich sehr gut. Blieben nur Option 1&2.
_GeekRabbit on
Anekdotisch war das schon bei mir damals(tm) reine Willkür. Ich hab eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen, mein bester Freund, trotz besserer Noten und besserem Verhalten im Unterricht, nicht und das einfach nur weil die Lehrerin ihn nicht leiden konnte.
Er hat dann den harten Weg eingeschlagen über Realschule, Wechsel auf Wirtschaftsgymnasium bis hin zum Master Studium und Embedded Entwickler für Mikrocontroller während ich nach der 10. das Gymnasium verlassen hab und „nur“ ne Ausbildung zum FiSi gemacht hab.
Von den unzähligen Klassenkameraden, die nach einem Elterngespräch, plötzlich doch eine Empfehlung fürs Gymansium erhalten haben will ich gar nicht erst anfangen.
miba on
die ansprüche darauf gymnasium im lebenslauf stehen zu haben sind eben immer mehr geworden, „nur“ realschulabschluss hat heute das ansehen wie früher ein hauptschulabschluss
Useful-Cockroach-148 on
NRW Gesamtschule hier. Kein Kind aus den letzten Jahrgängen 5 beherrscht die Groß- und Kleinschreibung. Nichtmal bei Satzanfängen. Es wirkt so, als hätten sie in der Grundschule kaum etwas gelernt, ja. Das sind aber sicherlich nicht die LuL an der Grundschule Schuld.
NepomukDerHalbdrache on
Seitdem ich selber ein Kind habe, war ich vollkommen verwundert wie sehr man als Eltern überall erst einmal für einen kompletten Vollidioten gehalten wird, wenn Kinderärzte, Erzieher o.ä. mit einem reden und umgehen.
Dann wurde mir klar, dass das bei denen aufgrund ihrer Erfahrungen mit Eltern einfach der Standardmodus ist und sie sich erst einmal wieder besinnen müssen, dass da kein Vollhirni vor Ihnen steht.
Viele Leute, die heute Kinder bekommen sind selber nicht lebensfähig und können die einfachsten Dinge nicht. Und in solchen Umfeldern wachsen die Kinder dann auf und bringen diese Mängel mit in die Schule.
Ich glaube unsere Schulbildung ist gar nicht schlechter geworden, aber die Voraussetzungen haben sich massiv geändert. Auch früher erfolgte ein großer Teil der Bildung nicht über die Schule, sondern durchs Elternhaus und Umfeld. Und da sind die Voraussetzungen in der Breite deutlich schlechter geworden. Die Schule kann diese Defizite nicht ausgleichen, das System ist überfordert.
Putrid-Football9780 on
Professoren kritisieren die Gymnasien: Übergehende Studenten immer schlechter — willkürliches Abitur
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10 Kommentare
In der Klasse des Sohns eines bekannten sind 22 von 24 Kindern aufs Gymnasium. Das passt halt einfach nicht.
Macht Sinn. Das in der vierten Klasse zu beurteilen wer in welche Schule kommt fand ich immer zu früh. Kinder sind noch dabei sich zu entwickeln, und ein haufen Helikoptereltern treiben Kinder dazu aufs Gymnasium zu gehen obwohl es zu viel für welche ist.
Gymnasien einfach abschaffen, alle bleiben zusammen bis zum ersten möglichen Schulabschluss bzw. bis die Schulpflicht erfüllt wurde.
NRW-Perspektive hier. Ich habe in den letzten Jahren einige 5. Klassen in Mathe unterrichtet und muss sagen mindestens 30% können zu Beginn nicht schriftlich multiplizieren oder dividieren. Viele andere offensichtliche Lücken gibt es ebenfalls, aber das ist immer so die, die am auffälligsten ist. Der Rest kann es auch nicht unbedingt gut, aber diese 30% haben halt wirklich garkeine Ahnung. Deswegen habe ich oft das Gefühl den Job der Grundschullehrer auch noch machen zu müssen.
Unter meinen Kollegen herrscht die folgende Einschätzung, die ich immer mehr anfange zu übernehmen. Die Gymnasien sind die neuen Gesamtschulen geworden. Die Gesamtschule ist quasi die Realschule und diese die Hauptschule, und Hauptschulen werden abgeschafft. Man kann nicht einfach unten absägen und behaupten die Fälle existieren dann nicht mehr, das hat Auswirkungen aufs ganze System. Effektiv werden die Gymnasien abgeschafft. Aber das scheint ja auch so gewollt.
Förderschulen werden ja auch abgeschafft, die betroffenen Schüler dann einfach in den Regelunterricht in deutlich größere Klassen gesteckt *ohne* Sonderpädagogische Unterstützung und das nennt man dann in Deutschland Inklusion. Hat jetzt nichts mit dem obigen Thema zu tun ist aber auch eine politisch gewollte Verschlechterung für alle Beteiligten.
Das liegt daran, dass integrierte Schulsysteme objektiv besser funktionieren (Beispiel: alle skandinavischen Länder) – die Traditionalisten und die Eliten, die ihre Vorteile nur aus anhaltend ungleich verteilten Ressourcen ( Bourdieu 1986; Bourdieu & Passeron 1977; Boudon 1974) ziehen, finden das Gymnasium halt total super…
Lehrkräfte wissen das scheinbar und schaffen von unten eine allgemeine Schulform 🙂
Das, plus: IGLU und TIMSS zeigen ganz wunderbar, dass die größten Herausforderungen der letzten zehn Jahre (Flüchtlingskrise 2015 + COVID -Schulschließungen) massive Probleme verdeutlicht (bekannt waren die schon seit Anfang der 2000er) und verstärkt haben.
Also im Prinzip eine Nicht-Meldung… Absolut nix neues…
Die einzige Meldung dürfte sein, dass alle Bemühungen der letzten 20 Jahre entweder nur Symbolpolitik waren (G9 -> G8 -> G9 🤣), ihr Effekt noch nicht eingetreten ist, oder es keine Möglichkeit gibt, die Effekte zu erfassen. Option 3 (Erfassen) sei nur der Vollständigkeit halber genannt, der IQB-Bildungstrend macht das eigentlich sehr gut. Blieben nur Option 1&2.
Anekdotisch war das schon bei mir damals(tm) reine Willkür. Ich hab eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen, mein bester Freund, trotz besserer Noten und besserem Verhalten im Unterricht, nicht und das einfach nur weil die Lehrerin ihn nicht leiden konnte.
Er hat dann den harten Weg eingeschlagen über Realschule, Wechsel auf Wirtschaftsgymnasium bis hin zum Master Studium und Embedded Entwickler für Mikrocontroller während ich nach der 10. das Gymnasium verlassen hab und „nur“ ne Ausbildung zum FiSi gemacht hab.
Von den unzähligen Klassenkameraden, die nach einem Elterngespräch, plötzlich doch eine Empfehlung fürs Gymansium erhalten haben will ich gar nicht erst anfangen.
die ansprüche darauf gymnasium im lebenslauf stehen zu haben sind eben immer mehr geworden, „nur“ realschulabschluss hat heute das ansehen wie früher ein hauptschulabschluss
NRW Gesamtschule hier. Kein Kind aus den letzten Jahrgängen 5 beherrscht die Groß- und Kleinschreibung. Nichtmal bei Satzanfängen. Es wirkt so, als hätten sie in der Grundschule kaum etwas gelernt, ja. Das sind aber sicherlich nicht die LuL an der Grundschule Schuld.
Seitdem ich selber ein Kind habe, war ich vollkommen verwundert wie sehr man als Eltern überall erst einmal für einen kompletten Vollidioten gehalten wird, wenn Kinderärzte, Erzieher o.ä. mit einem reden und umgehen.
Dann wurde mir klar, dass das bei denen aufgrund ihrer Erfahrungen mit Eltern einfach der Standardmodus ist und sie sich erst einmal wieder besinnen müssen, dass da kein Vollhirni vor Ihnen steht.
Viele Leute, die heute Kinder bekommen sind selber nicht lebensfähig und können die einfachsten Dinge nicht. Und in solchen Umfeldern wachsen die Kinder dann auf und bringen diese Mängel mit in die Schule.
Ich glaube unsere Schulbildung ist gar nicht schlechter geworden, aber die Voraussetzungen haben sich massiv geändert. Auch früher erfolgte ein großer Teil der Bildung nicht über die Schule, sondern durchs Elternhaus und Umfeld. Und da sind die Voraussetzungen in der Breite deutlich schlechter geworden. Die Schule kann diese Defizite nicht ausgleichen, das System ist überfordert.
Professoren kritisieren die Gymnasien: Übergehende Studenten immer schlechter — willkürliches Abitur