
Original Rezept
Diz heizzent huenre von Kryechen. Man sol huenre braten vnd ein fleisch eines swines, weich gesoten. vnd gehacket vnder ein ander. vnd nim einen vierdunc rosen dor zvo vnd nim yngeber vnd pfeffer vnd win oder ezzig vnd zucker oder honic vnd siede daz zvo sammene vnd gibs hin vnd versaltzez niht.
Übersetzung
Dies heißt Hühner vom Griechen. Man soll Hühner braten (und ausbeinen) und das weichgekochte und gehackte Fleisch eines Schweines. Dies wird miteinander gehackt und man gibt ein Viertel Pfund Rosen dazu. Und auch Ingwer und Pfeffer, Wein oder Essig, Zucker oder Honig und siede alles zusammen. Serviere es und versalze es nicht.
Nachkochen
Dieses Rezept ist steht weit vorne (Rezept Nummer Vier) im Buch von Guter Speise (das älteste (um 1350) in deutscher Sprache verfasste "Kochbuch"). Ich habe nicht heraus finden können, warum dieses Gericht "griechisch" heißt. Ich nehme an dies bedeutet so etwas wie "nach Griechischer/Byzantiner Art". Wenn jemand eine andere Theorie hat, ich bin sehr interessiert!
Das große Fragezeichen in diesem Rezept waren die "Rosen". Und diese werden in einer großen Menge (vierdunc, Viertel Pfund, ca. 125g) verlangt. Allerdings ist dies die einzige Mengenangabe im Rezept und da Hühner in der Mehrzahl genannt sind, wurde wahrscheinlich eine große Menge auf einmal hergestellt. Daher war die Menge "Rosen" in Relation vielleicht gar nicht so viel. Aber die Frage bleibt, was genau damit eigentlich gemeint war. Es könnten Rosenblütenblätter gemeint sein, aber dann wäre dies wohl wirklich ein ansehnlicher Haufen. Oder waren vielleicht Hagebutten oder andere Rosenfrüchte gemeint? Dazukommt, dass "Rosen" im ganzen Buch von Guter Speise nur in diesem Rezept hier genannt werden. Also eine seltene Zutat und daher schwer einzuordnen.
Ich wollte aber den Hagebutten nachgehen und habe deshalb einen Teil der "Griechischen Hühner" mit Hagebuttentee zubereitet. Und das hat sehr gut funktioniert. Dadurch war dieses Gericht im Ganzen runder und interessanter geworden.
Dieses Gericht ist durch den Zucker/Honig und Wein/Essig eine Art süß-saure Fleischsoße. Der sauer-fruchtige Hagebuttentee hat das Ganze abgerundet und das gewisse Etwas gegeben und passte auch perfekt zu der Würze vom Pfeffer und Ingwer. Dieses Gericht ist ein sehr Mittelalterliches. Es passt gut zu rustikalem Brot.
Durch die Grundzutaten "gebratene Hühner" und "gekochtes Schweinefleisch" ist es auch gut zur Resteverwertung geeignet.
Von EwigeSuppe
7 Kommentare
Zutaten
200 g Hühnerfleisch gebraten, Siehe unten
100 g Schweinefleisch weich gekocht. Siehe unten
40 g Ingwer fein gerieben
1 Teelöffel Pfeffer gemahlen
200 ml Wein trocken, am besten Rosè
2 Teebeutel Hagebuttentee
80 g Honig
2 Esslöffel Essig
1 Prise Salz
Das Hühner- und Schweinefleisch mit dem Messer oder der Küchenmaschine nicht zu fein hacken.
Das Fleisch mit dem Ingwer, Pfeffer, Honig, Wein und Hagebuttentee aufkochen und ohne Deckel köcheln lassen. Die Teebeutel nach etwa 5 Minuten entfernen. Die Flüssigkeit sollte nach etwa 20 Minuten größtenteils reduziert sein (das ist wichtig, um den meisten Alkohol zu entfernen). Länger köcheln ist kein Problem.
Mit dem Essig und dem Salz abschmecken. Heiß servieren.
Notizen
Das Schweinefleisch sollte nach Originalrezept weichgekocht sein. Deshalb kann man hier gut Reste verwerten. Oder man kocht das Fleisch in leicht gesalzenem Wasser oder Brühe vorher weich. Als Hähnchen kann man z.B. Brathähnchen weiter verwenden oder Fleisch kurz in der Pfanne anbraten. Hier ist eine lange Garzeit nicht wichtig.
Uns ist in alten maeren wunders vil geseit,
von helden lobeaeren, von *huenre von Kryechen*… 😄 Cool!
Habe in meinem Kopf irgendwie gleich Rosen als „Rosinen“ gelesen … möglich?
Wo finde ich die übersetzen Rezepte? Und schreibst du die Rezepte selbst um oder gibt es dazu konkretere Anleitungen?
Finde deine Beiträge aus diesem Buch super interessant
Der Post ist irgendwie komisch 😀
Warum ist es bei dir „Rezept Nummer 4 weit vorne“?
Bei mir Seite 159 ohne weitere Nennung.
Ob das vierdunc ein Viertel ist, ist naheliegend – aber was genau damit jetzt gemacht werden soll ist fraglich 😀
Die Übersetzung im Buch sagt zumindest dass die Rosen zum garnieren sind, was auch irgendwie falsch klingt.
Einfach mal beides probieren? Am besten verschieden Rosensorten testen, die schmecken ja recht unterschiedlich. Kann mir schon vorstellen dass das unter Umständen schmeckt – die Menge man den Geschmack 🙂
Ich bin mir ziemlich sicher das das Griechisch / Byzantinisch ist. So ein ähnliches Rezept kommt auch in dem Buch Roman Cookery (ISBN 1897959605) vor., basiert auf dem Original von dem Kochbuch des Epænetus, welcher vorallem von Apicius in seinen Werken stets zitiert wird, bzw. auf den sich auch immer im Werk [Deipnosophistae](https://www.gutenberg.org/files/65023/65023-h/65023-h.htm) (200 v. Chr.) berufen wird.
Übersetzt:
Ein Myma aus **Fleisch aller Art, gemischt, auch aus Geflügel,** wird zubereitet, indem man das **weiche Fleisch fein zerkleinert**, pürierte Innereien, Därme und Blut hinzufügt und mit **Essig**, **Salz**, Asafoetida, Kreuzkümmel, frischem oder getrocknetem Thymian, Bohnenkraut, frischem oder getrocknetem Koriander, **Hagebutten,** gerösteten, geschälten Zwiebeln oder Mohnsamen und Rosinen oder **Honig** und Granatapfelkernen würzt.
Habe gerade Hühnerreste I Kühlschrank, das teste ich doch gleich mal. 😄