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>Ein Tiroler Jugendbetreuer hatte über eine getarnte Kamera Mädchen in der Umkleidekabine betrachtet. Jetzt wurde einer damals 16-Jährigen rechtskräftig Schmerzensgeld zugesprochen.

Innsbruck – Gerade erst am Montag wurde am Landesgericht Feldkirch ein einstiger Funktionär des Altacher Fußballvereins unter anderem wegen unbefugter Aufnahmen verurteilt. Der Mann hatte junge Spielerinnen beim Umkleiden oder Duschen heimlich mit dem Handy gefilmt. Noch viel perfider war 2022 bei einem Tiroler Eishockeyverein ein Betreuer der Jugendmannschaft vorgegangen. Obwohl er für diese Räumlichkeiten eigentlich gar nicht zuständig war, hatte der Betreuer eine versteckte Kamera (Spy Camera) in einer ausschließlich für Mädchen gedachten Umkleidekabine installiert.

Die Kamera war nicht aufgefallen, da sie das Aussehen eines unauffälligen Ladeadapters für die Steckdose hatte. Irgendwann schöpfte eine damals 16-Jährige aber Verdacht und sie entdeckte tatsächlich eine Kamera.

So kam alles ins Rollen. Der Betreuer wurde strafrechtlich belangt, das Urteil muss jedoch aus formalen Gründen wieder aufgehoben werden. Denn die junge Frau hatte nur die Ermächtigung zur Verfolgung unbekannter Täter gegeben. Als dann ein Verdächtiger gefunden war, wurde es unterlassen, das Ermächtigungsdelikt auf diesen zu übertragen. Die 16-Jährige und ihre Mutter ließen sich aber trotzdem nicht entmutigen und beschritten daraufhin mit Rechtsanwalt Markus Abwerzger den Zivilrechtsweg.

Übergriff folgte Anpassungsstörung

Die ohnehin höchst unerfreuliche und entwürdigende Causa war nicht nur ein Tiefpunkt für Tirols Sportvereine. Für das Mädchen hatte sich der Übergriff nämlich höchst nachteilig entwickelt. Schlafstörungen war innere Unruhe gefolgt. Das Mädchen zeigte sich immer ängstlicher und zurückhaltender. Im sportlichen Training äußerte sich dies mit einem klaren Leistungsabfall. Psychia­trische Hilfe war dringend geboten. Anwalt Abwerzger reichte dazu für die Folgen des wohl sexuell motivierten Ausspionierens eine Klage auf Schmerzensgeld am zuständigen Bezirksgericht ein.

Im dortigen Verfahren hatte ein Gerichtspsychiater der nunmehrigen jungen Frau eine Anpassungsstörung mit Krankheitswert attestiert. Ein Zustand, der das Opfer über Jahre und auch durch das Gerichtsverfahren verfolgte. So äußerte der Psychiater, dass allein das Verfahren bei der heute 19-Jährigen „zu einer neuerlichen Konfrontation mit den Geschehnissen und damit einhergehend zu einer neuerlichen Belastung geführt“ hatte. So mussten den Einvernahmen weitere psychotherapeutische Behandlungen folgen.

Betreuer leugnete im Verfahren vergebens

Im Verfahren vor Richter Gerhard Mitteregger leugnete der Betreuer übrigens weiter das heimliche Filmen. Und dies, obwohl er auf Bildern der Kamera zu sehen und eindeutig zu erkennen war. Für den erfahrenen Richter war außerdem die Erklärung des Mannes „nicht nachvollziehbar“, der angab, den Adapter gefunden und dann in die Steckdose gegeben zu haben.

Warum sollte der Beklagte in einer Kabine, für die er gar nicht zuständig war, ausgerechnet neben dem Waschbecken und somit auf gefährliche Weise einen angeblich gefundenen Ladeadapter anstecken? Auch waren auf dem Laptop des Mannes Dateien geöffnet worden, welche die gleiche Dateibezeichnung wie jene der Kamera getragen hatten. Letztlich hatte der Beklagte die seinerzeitige Verurteilung nicht selbst angefochten. Richter Mitteregger kam nach langem Beweisverfahren zum Schluss, dass „das vom Beklagten gesetzte Verhalten kausal für die aufgetretene, krankheitswertige Anpassungsstörung“ war.

Schmerzensgeld nach „langem juristischem Kampf“

2000 Euro Schmerzensgeld, insgesamt jedoch 3209 Euro wurden zugesprochen. 800 Euro waren im Zuge des einstigen Strafverfahrens schon überwiesen worden. Noch wichtiger jedoch: Der Schädiger muss auch künftig für alle weiteren negativen Folgen, die aus dem entwürdigenden Ausspionieren resultieren, haften.

Rechtsanwalt Abwerzger zur TT: „Späte Gerechtigkeit für meine Mandantin. Es war ein langer juristischer Kampf. Die Hartnäckigkeit und Ausdauer meiner Mandantin konnte den Gegner dann doch noch – zumindest zivilrechtlich – überführen. Ich hoffe, dass es meine Mandantin mit professioneller Hilfe schafft, das Erlebte zu verarbeiten. Sie ist eine starke und beeindruckende Persönlichkeit!“

https://www.reddit.com/gallery/1rf6ka0

Von Ferina27

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6 Kommentare

  1. Amazing_Raspberry_91 on

    Bestes Symbolbild. Dachte jetzt es gibt, parallel zum Altach Fall, noch so einen grausligen

  2. ThereIsNoIfLoop42 on

    So einen Fall gabs bei uns in Vorarlberg auch vor Kurzem: https://vorarlberg.orf.at/stories/3329554/

    Ist leider nicht viel mit dem Typen passiert.

    Vorschlag von meiner Seite: Diesen Perversling mit den Vätern von den betroffenen Mädchen für ein paar Stunden in einen Raum sperren und schauen was dabei rauskommt.

  3. >Noch viel perfider war 2022 bei einem Tiroler Eishockeyverein ein Betreuer der Jugendmannschaft vorgegangen. **Obwohl er für diese Räumlichkeiten eigentlich gar nicht zuständig war**, hatte der Betreuer eine versteckte Kamera (Spy Camera) in einer ausschließlich für Mädchen gedachten Umkleidekabine installiert.

    Heißt das wenn er zuständig gewesen wäre, dann wär’s weniger perfide?

  4. Was ist das für ein dummes Strafrecht, bei dem die Geschädigte irgendwelche Ermächtigungen übertragen muss, damit der Täter vor Gericht gestellt werden darf? Sowas muss von Amtswegen verfolgt werden und fertig.

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