Mehrere Steinbrüche im Burgenland wurden wegen asbesthaltiger Gesteine geprüft oder gesperrt. Gleichzeitig wurde bekannt, dass Material aus einem dieser Standorte in eine steirische Gemeinde geliefert wurde.

Das Thema wirkt größer, als es bisher öffentlich diskutiert wird.

Hier die belegbaren Fakten. Und die offenen Fragen.

1️⃣ Der konkrete Fall Neudau

Laut ORF Steiermark erklärte der Bürgermeister von Neudau:

• Das Streumaterial kam von einem steirischen Unternehmen aus dem Bezirk Weiz

• Bei einem Lieferengpass wurden zwei Lkw Ladungen von einem Partnerunternehmen geliefert

• Dieses Material stammte aus einem der inzwischen gesperrten Steinbrüche in Badersdorf

Diese

https://steiermark.orf.at/stories/3341778/

Ein Firmenname wurde öffentlich nicht genannt.

2️⃣ Diese Steinbrüche wurden im Burgenland genannt oder gesperrt

Laut Greenpeace und Medienberichten betrifft die Problematik mehrere Standorte:

• Badersdorf

• Rumpersdorf

• Bernstein

• Glashütten bei Schlaining

• Pilgersdorf

Diese

https://greenpeace.at/news/asbest-ostoesterreich/

Es handelt sich also nicht um einen Einzelfall.

3️⃣ Klöcher Bau – belegbare Verbindungen

Im Firmenbuch ist ersichtlich:

• Die Steinbruch Badersdorf GmbH steht zu 100 Prozent im Eigentum der Klöcher Baugesellschaft m.b.H.

Firmenbuch

https://www.evi.gv.at/f/646304y

Auf der Website von Klöcher Bau wird außerdem geführt:

• Standort Rumpersdorf – Steinbruch

• Bodenaushubdeponie Rumpersdorf

https://www.kloecher-bau.at/bodenaushubdeponie/

Rumpersdorf wurde ebenfalls im Zusammenhang mit der Asbest Thematik genannt.

4️⃣ Christandl Gruppe und steirische Steinbrüche

Laut Fachpublikation wurden 2007 folgende Unternehmen von der Josef Christandl GmbH übernommen:

• MARKO GmbH und Co KG

• Karl Friesenbichler GmbH

• Wiedrich GmbH

Diese

https://opac.geologie.ac.at/ais312/dokumente/res-montanarum-Band-62.pdf

Das Österreichische Montan Handbuch 2024 listet im Umfeld unter anderem:

• Kalksteinbruch Naintsch

• Quarzitsteinbruch Völlegg

• Quarzitsteinbruch Rottalberg

• Steinbruch Koglerau

Diese

https://www.bmf.gv.at/dam/jcr:4abaabea-0c4b-4600-9415-939756f0a79a/MHB%202024.pdf

Gebrüder Christandl nennt zusätzlich:

• Werk St. Jakob im Walde

• Erdaushubdeponie

https://www.gebrueder-christandl.at/

Für diese steirischen Standorte gibt es aktuell keinen öffentlich bekannten Sperrstatus.

5️⃣ Die Branche stand bereits unter Beobachtung

Unabhängig von der Asbest Problematik gab es kartellrechtliche Verfahren im Bau und Baustoffbereich.

Beispiel Granit Gruppe inklusive Klöcher Bau

https://www.bwb.gv.at/kartelle\_marktmachtmissbrauch/entscheidungen/detail/baukartell-kartellgericht-verhaengt-auf-antrag-der-bwb-geldbusse-in-hoehe-von-eur-98-mio-gegen-die-granit-gruppe-1

Beispiel Bauunternehmung Marko

https://www.bwb.gv.at/news/news-2025/detail/baukartell-update-bwb-beantragt-die-verhaengung-einer-angemessenen-geldbusse-gegen-bauunternehmung-marko

Diese Verfahren betreffen Marktverhalten, nicht automatisch Asbest.

Sie zeigen aber, dass die Branche bereits regulatorisch im Fokus stand.

6️⃣ Das Thema ist nicht neu

Laut Greenpeace gab es:

• 1999 Hinweise in behördlichen Unterlagen

• 2006 eine geologische Studie

• 2008 einen Rückruf von asbesthaltigem Streusplitt

Diese

https://greenpeace.at/news/asbest-ostoesterreich/

Die Existenz asbestführender Gesteine war also seit Jahrzehnten bekannt.

7️⃣ Und jetzt die entscheidenden Fragen

Wenn

• Material aus gesperrten Steinbrüchen in eine steirische Gemeinde gelangt

• große Unternehmensverbünde mehrere Steinbrüche betreiben

• frühere Warnungen existieren

• und Lieferketten öffentlich nicht transparent sind

dann stellen sich sachliche Fragen:

• Welche steirischen Gemeinden haben Material aus betroffenen Standorten erhalten

• Welche Straßen, Parkplätze oder Infrastrukturprojekte sind betroffen

• Gibt es eine landesweite Offenlegung der Lieferketten

• Wurden nach 2008 systematische Prüfmechanismen eingeführt

• Warum ist das Thema im steirischen Landtag bislang kein dominantes Thema

Es geht nicht um Vorverurteilung.

Es geht um:

• Transparenz

• Nachvollziehbarkeit

• Vorsorge

• öffentliche Information

Wenn belastetes Material im öffentlichen Raum verbaut wurde, besteht ein berechtigtes öffentliches Interesse daran zu wissen, wo es liegt und woher es stammt.

Eine sachliche Debatte über Offenlegung von Lieferketten, Einsicht in Beschaffungsunterlagen und politische Verantwortung scheint daher notwendig.

Gerade weil das Thema bisher kein dominantes politisches Thema in der Steiermark ist.

Asbest im Straßenbau – Wie transparent sind die Lieferketten in der Steiermark wirklich?
byu/vivus_at inAustria



Von vivus_at

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3 Kommentare

  1. Former-Chicken-9753 on

    Aus burgenländischer Sicht: bei uns ist es gefühlt ein größeres Thema. 

    In Oberwart hatten wir z.B. Messungen, die trotz Einsatz des belasteten Streuguts angeblich nichts in der Luft gefunden haben.

    Theoretisch ist das Asbest so lange es in den Steinen drin ist zu langfaserig, um Menschen zu schaden. Praktisch traut sich das niemand zu Testen, daher wird es eingesammelt. 

    Ich verstehe nicht, warum die Thematik nicht ein für alle Mal auf Bundesebene geholt wird. Ein Steirer ist bekanntlich nix wie ein geländegängiger Burgenländer 😉 Es wird also eine kleinteilige Regelung nicht greifen. 

    Wenn das Material zumindest suspekt ist, holen wir uns ein paar Profis dazu aus Leoben, legen nach bestem Wissen und Gewissen eine einheitliche Regelung für ganz Ö fest und gut.

    Meines Wissens gibt es ja auch im Murtal natürliche Asbestvorkommen, es gibt also sicher behördliche Regelungen. 

    Alles andere führt mMn nur dazu, dass es verschiedene Regeln für das selbe in Neudauberg (B) und Neudau (Stmk) gibt. Keiner kennt sich aus, keiner kontrolliert und das gilt schon, wenn die Firma gar nicht versucht, jemandem etwas unterzuschieben.

  2. Mich wundert immer wieder was in der Steiermark alles durchgeht, ohne dass es zum Thema wird.
    Kann dein Posting nur voll und ganz gut heißen.

    Wie genau kommt überhaupt das Asbest in den Schotter?

  3. Majestic-Leader-672 on

    Ich verstehe es auch nicht. Zumal das sicher nicht nur ein burgenländisches Problem ist. Da wird ganz Ostösterreich elnschließlich Wien betroffen sein. Dort habe ich gestern erst wieder Serpentinit als Streusplit gesehen. 

    Was die Luftmessungen auf 1.80cm sollen verstehe ich auch absolut nicht. Wenn dann müsste man es auf der Höhe von Kleinkindern messen. Aber da du den Straßenstaub eh mit der Kleidung und den Schuhen reinbringst … jetzt abwarten bis es trocken wird und die Fasern weniger gebunden sind ist auch nicht einleuchtend. 
    Man müsste das Zeug so gut es geht beseitigen. Aber es passier überhaupt nichts. Von irgendwelchen Nachverfolgungen wohin geliefert wurde und der Sondermüll im ganzen Land verteilt wurde hat man auch noch nichts gehört.

    Dass das Land an diesem Expertenrat dran beteiligt ist machts auch nicht besser. 
    Imo bin auch der Meinung dass da ganz klare Kompetenzen überschritten werden und das ein Thema für den Bund sein müsste.

    Allein für die Tatsache dass da jahrelang serpentinit mit asbestvorkommen abgebaut wurde … Sowas ist auch nur in unserem korrupten bananenstaat möglich. Auf der Seite steht noch das sie regelmäßig Testungen durchführen … ja klar. Die werden dann wohl Gewinnoptimierung alle 30 Jahre gemacht.

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