
Wer regelmäßig Wirtschaftspolitik liest, weiß: 80-90% der Themen drehen sich üblicherweise übers Einkommen. Ein paar hundert Euro mehr oder weniger, das ist das Um und Auf. Gottseidank haben das viele Leute schon überwunden und beginnen zu erkennen, dass Vermögen einzig und allein entscheidend ist. Wenn man ab 5k brutto/Monat 50% Abgaben (berechnet von Lohnkosten) zahlt, ist klar, dass Erbschaften bzw "familiäre Unterstützung" ganz extrem viel ausmachen. Sieht man auch an den immer wieder kehrenden Themen zu Erbschaftssteuer/etc.
Selten bzw nie lese ich dagegen Berichte bzw Diskussionen, die sich mit einem Sub-Aspekt des Ganzen beschäftigt, nämlich der intergenerationellen Vermögensungleichverteilung. In den USA wird das zuletzt immer mal wieder untersucht und entsprechend auch aufbereitet. Die traurige Erkenntnis: über 30% des Vermögens ist in den Händen von Leuten von 70 Jahren oder älter.
https://www.apolloacademy.com/31-percent-of-wealth-owned-by-people-over-70/
Kerndaten: (sein "Verteilen durch" muss "Alter" gewählt werden)
https://www.federalreserve.gov/releases/z1/dataviz/dfa/distribute/chart/
Debatten dazu in Österreich? Fehlanzeige. Hier schlägt einem sofort ein Tsunami an Empörung entgegen, dass man doch bitte die Jungen nicht gegen die Alten ausspielen soll. Ich denk mir dann immer, dass die Jungen in Wahrheit noch viel zu entspannt, viel zu gutmütig sind. Weil dank fehlender Vermögens- bzw Erbschaftssteuer wird die Statistik bei uns nicht anders sein.
Kernproblem ist weniger eine Stellschraube/etc. sondern ein systemisch, fundamental, völlig aus dem Ruder geratenes Grundverständnis. Schauen wir uns doch um: Wer bekommt überall Vergünstigungen, Rabatte? Richtig. Senioren. Bei der ÖBB und Wiener Linien gibts das Seniorenticket. Bei Museen gibts Seniorenermäßigungen. Usw. usf. Macht das das Kraut fett? Nein. Natürlich nicht. Aber es beruht auf dem heute verfehlten Gedanken, dass Alte Leute tendentiell weniger Geld haben, als Junge und man ihnen daher helfen muss. All das sind Mosaiksteine, die das Gesamtbild vervollständigen: Nämlich dass überall, jeden Tag, Geld von Jung zu Alt umverteilt wird. Ich sehs selbst auch bei meinem Vater: Abbezahltes Haus, mehrere Baugrundstücke (selber geerbt), 4k Nettopension als ehemaliger Lehrer. Nicht 2mal im Jahr; nein: 4mal im Jahr gibts Sonderzahlungen.
Jetzt kommen sicher gleich die ersten Poster und schreiben: "Ja, aber es gibt doch auch sehr viele arme Pensionisten!". Richtig. Jetzt nähern wir uns der Pointe meines ganzen Posts. Weil: Diese Altersarmut ist zu 100% ein Problem der reichen Alten. Es gibt keinen wie immer gearteten Grund, warum die junge arbeitende Bevölkerung die Altersarmut ausgleichen muss, während unvorstellbarer Reichtum gleichzeitig über Jahrzehnte in die Hände einer superreichen Gerontokratie gewandert ist. Warum sollen Millenials und GenZ das intergenerationelle Ponzi ausbaden müssen, während die Profiteure immer noch unangetastet bleiben?
Es braucht keine Seniorenerprivilegien, sondern im Gegenteil, weitestgehende Ermäßigungen für (zB) Leute unter 30 – Menschen, die sich noch nichts aufbauen konnten und vor einem ruinierten Immobilienmarkt stehen, jeden zweiten Euro vom Gehalt abliefern können. Die derzeitige Lage ist natürlich auch für die Wirtschaft maximal schlecht, weil was bringts der Wirtschaft, wenn 70ig-Jährige Unsummen in Immobilienfonds herumliegen haben, Geld, das sie selber nicht brauchen und das dem Wirtschaftskreislauf parasitär quasi dauerhaft entzogen wird?
Am Anfang, bevor wir aber überhaupt anfangen könne, über konkrete Maßnahmen nachzudenken, müssen die Leute endlich einmal das wahre Ausmaß der Problematik kennen, verstehen, reflektieren. Müssen lernen, dass eines *der* zentralen Kernprobleme in Österreich die intergenerationelle Vermögensungleichverteilung ist. So, wie es derzeit ist, ists leider maximal sinnlos.
Intergenerationelle Vermögensungleichverteilung – das ignorierte Problem
byu/Odra_dek inAustria
Von Odra_dek
11 Kommentare
Leider sind Pensionisten die größte Wählergruppe und die letzte, halbwegs verlässliche Stammwählergruppe von 2 der 3 Regierungsparteien.
Als Junger der sich was aufbauen will kannst du Österreich eigentlich nur drn Rücken kehren.
Oder, anstatt über die Sinnhaftigkeit von Seniorentickets zu diskutieren… zwei Sachen einführen: Erbschaftssteuer und Vermögenssteuer. Dann trifft es nämlich die Richtigen und nicht die Senior*innen, die eh kein Geld haben.
Es gehört eine gottlos gestaffelte Erbschaftsteuer nach dem asiatischen Model (Japan/Südkorea) eingeführt.
Mateschitz hat 0€ gezahlt wo er sein Erbe angetreten hat und die Samsung Familie 11MRD in Südkorea.
Bei dem gleichen Model hätte er 20MRD gezahlt welche 99,99999% unserer Bevölkerung nicht spüren und ich mein mit 17Mrd lässt es sich auch gut weiter leben.
https://preview.redd.it/05hx19wratjg1.png?width=647&format=png&auto=webp&s=22ba4c3b5e151ab98a927a7cdb30ebe18beaee69
ABER WeNN JEMAND EIn 1.5 miO eigeNheiM hAT isT eR NOcH nichT reiCH UND KaNn sich keIne 3000€ veRmöGeNsStEUeR lEisTeN
Pensionisten bzw. Senioren machen den Großteil der Wählerschaft aus. Es ist nur logisch, dass Politik für diese gemacht wird.
Aber grundsätzlich hab ich sowieso das Gefühl, dass Österreich eines der Länder ist, was am wenigsten junge Menschen unterstützt. Mag auch an unserer eher „Landkultur“ liegen, in der es üblich war, dass junge Menschen die Älteren unterstützen. Aber das es heutzutage halt einfach anders geworden ist, darüber will man gefühlt nix wissen.
Die Alten treffen die Entscheidungen für die Jungen. Sieht man auch an den Umfragen bezüglich Wehrpflicht…
Ich war drauf und dran einen Wutkommentar zu verfassen, indem ich erkläre wie mein Vater sich den Arsch aufgerissen hat, damit meine Mutter die jetzt Witwe ist und sich ihr lebetag um uns Kinder gekümmert hat nicht unter Altersarmut leiden muss.
Wer da was dagegen hat, ist der Auffassung, dass Hausfrau und Mutter kein anspruchsvoller Job ist und sollte sich schämen und dann 100 Mal bei seiner Mutter entschuldigen gehen.
ABER ich stelle euch eine andere Frage, wir hatten in den letzen Jahren Rekordsteuereinnahmen, der Staat hat uns in den letzten 20 Jahren so stark besteuert wie es nichtmal in Königlichen Monarchien der Fall war. Dennoch haben wir ein Budgetdefizit. Eure Lösung auf das Problem ist es, den Alten alles wegzunehmen und dem Staat zu geben der dann was damit macht?
Genau, es den Politikern in die Tasche stecken und Übergroße Unternehmen aus der Pleite rauszukaufen.
Willkommen in der rechtsextremen Zentralplanung.
Du erklärst es sei ein Problem. Kickl und Stocker sehen das nicht so. Die jüngeren sollen künstlich arm gehalten werden, damit sie möglichst gezwungen sind das zu arbeiten, was die Konservativen sich so vorstellen. Wäre ja eine Katastrophe wenn die Leute, statt den nächstbesten Gastrojob anzunehmen, vielleicht noch gründen oder studieren.
> Nämlich dass überall, jeden Tag, Geld von Jung zu Alt umverteilt wird
najo. Gratis Bildungseinrichtungen, Familienbeihilfen, Kinderbonus, Ermäßigungen für Kinder und Jugendliche etc. p.p. Eingrenzen würde ich das auf junge allein lebende oder kinderlose Menschen. Das sind die eigentlichen Nettozahler.
Aber grundsätzlich stimm ich dir zu. Wir haben ein Haushaltseinkommen irgendwo bei den oberen 5-10%. Ohne geerbtes Vermögen springst damit aber nicht auf die nächste soziale Stufe des, sagen wir, oberen Mittelstandes. Es geht uns eh gut, aber längerer Jobverlust (mittlerweile selbst für gut Gebildete nichtmehr so unwahrscheinlich) und aus ists mit dem kurzzeitigen Wohlstand.
Einkommen ist für die Stellung in der Gesellschaft bis zu einem gewissen Grad total irrelevant. Wennst eine ET Wohnung/Haus erbst, wost mit deinen Kinder drin wohnen kannst, hast gleich mal 1-2k mehr Netto im Monat mehr + den Wert des Dings. Den Gehaltssprung, wo 1-2k netto raushüpfen musst erst mal machen.
Ich hoff dass für unsere Gfraster mal mehr übrig bleibt.
Die Vermögensteuer wird in diesem Land niemals passieren weil Linke erstens kein Interesse haben Vollzeit AN zu entlasten, somit wer will es haben?
Und zweitens weil Linke zu inkompetent sind wirklich die reichen zu treffen, treffen wirds die zw 1-25mio bei denen sich Firmen/Stiftungskonstrukte net lohnen
Lol, ihr wählt Gerontokratie, ihr kriegt Gerontokratie
Nein, es geht nicht um intergenerationelles , es geht um die Ungleichheit zwischen den obersten 1-5 % und dem Rest.
Mindestens einmal die Woche wird die gleiche Sau durchs Dorf getrieben, mit dem Zweck dass sich die Untertanen gegenseitig zerfleischen … Ich kann’s nicht mehr „hören“.
Was das Problem verschärft, ist, dass das eine weltweite Entwicklung zu sein scheint. Ich vermute, selbst wenn ein Land es besser hinbekommen würde, Lösungen fände,, es noch immer vom „weltweiten Trend“ beeinflusst werden wird.