Denkt ihr, Deutsche haben ärztliche Behandlung so gern, dass sie dafür auf plumpe „Ausländer raus“-Parolen verzichten würden??
Frage für einen (syrischen) Freund.
curia277 on
Was impliziert, dass ausnahmslos jeder Syrer unabhängig vom rechtlichen Status das Land verlassen müsste oder das so überhaupt gefordert werden würde.
Tatsächlich dürften viele syrischen Ärzte längst eine Niederlassungserlaubnis oder sogar deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben. Denn mit ihrem Beruf lassen sich die ökonomischen Voraussetzungen dafür leicht schaffen. Die sind von etwaigen Rückkehrforderungen dann schon gar nicht mehr umfasst.
Auch Pflegekräfte verdienen gar nicht so schlecht (bzw haben denklogisch natürlich alle einen Job und leben nicht von Sozialleistungen), auch hier dürfte daher ein im Vergleich zur restlichen syrischen Bevölkerung in Deutschland höherer Anteil bereits einen dauerhafte Aufenthaltstitel besitzen, also bereits unumkehrbar einen Bleibeanspruch haben.
Dazu muss man noch gegenrechnen, dass sich derzeit natürlich auch rund 1 Million Syrer in Deutschland befinden (Plus die bereits Eingebürgerten)
Das heißt den zusätzlichen Arbeitskräften im Gesundheitssektor stehen auch >1 Millionen Menschen gegenüber, die zusätzlich medizinisch versorgt werden und perspektiv auch mal gepflegt werden müssen etc.
Syrer, die mangels Jobs derzeit und häufig mangels vermittelbarer Ausbildung auch perspektivisch keine nennenswerten Sozialabgaben entrichten – aber dennoch derzeit natürlich vom Sozialstaat gkv Leistungen erhalten (spätestens nach 36 Monaten im Land selbst bei abgelehntem Asylantrag übrigens, sog. analog Leistungen) stellen dagegen eine Belastung, nicht Entlastung des Gesundheitssystems dar.
Deutschland stände es im Übrigen frei, bei Syrern in kritischen Berufen den Aufenthaltstatus zu verlängern (quasi Spurwechsel zur regulärer Einwanderung wegen ökonomischen Nutzen fürs Land), und umgekehrt bei fehlendem Job/kaum Sozialabgaben (also netto Verlust der Sozialsysteme) Aufenthaltstitel nicht zu verlängern.
EitherGiraffe on
Statistisch nehmen sich die Ärztequote unter der syrischen und gesamtdeutschen Bevölkerung nicht viel.
Zumal syrische Ärzte so ziemlich die letzte Gruppe sein werden, die tatsächlich abgeschoben wird, dafür werden wir schon Lösungen finden.
Ich halte diese konstante mediale Gleichstellung von qualifizierter Arbeitsmigration und Asyl für gefährlich, weil es für mehr Antagonismus gegen Migration insgesamt sorgt.
„Fachkräfte“ ist nicht grundlos ein rassistischer Dog Whistle geworden, das ist selbstverschuldet.
Sad_Zucchini3205 on
Das hört man so fucking oft. Auf das sind die Medien schon stolz.
Moe112 on
Ich glaube eher nicht …
Super-Macaron5754 on
Und in Syrien braucht es diese Ärzte nicht? Da sind schon alle gesund oder wie? Wir bilden also nicht genig Ärzte aus, weil das teuer ist, und begrenzen unsere Uni stellen so sehr, dass wir einen Mangel haben, um dann aufgrund unserer ökonomischen Stärke die zwingend erforderlichen Ärzte aus armen Ländern zu klauen.
-SineNomine- on
Blödsinn. Wir brauchen in der Klinik nicht mehr Syrer, sondern Arbeitsbedingungen, die nicht jeden in die Praxis, Wirtschaft oder Teilzeit treiben.
Es gibt genug Ärzte, nominell. Das war nie das Problem. Aber statt die Arbeitsbedingungen zu verbessern, sucht man lieber in Ländern, wo sie Bedingungen noch schlechter sind.
So muss man als Arbeitgeber weder die Strukturen noch die Löhne verbessern – nein, man verkauft die Ausbeutung dann noch als Internationalisierung und wird dafür gefeiert.
Aus Arbeitgebersicht aber ein Klasse move, erkenne ich an.
MrKusakabe on
Das hält sich doch einigermaßen die Waage: Wenn die Syrer – als die potentiellen Patienten – gehen wird es mindestens ein Nullsummenspiel geben. Zumal die Krankenkassen dann entlastet werden, da die Syrer wirklich extrem viel kosten und diese Kosten dann wegfallen (momentan die GKV zu 66%, nur 33% aus Steuermitteln wie wir ja wissen) könnte man auch die Arbeitsbedingungen/Bezahlung verbessern.
Aber als ich vor einem halben Jahr in der Notaufnahme war (Bereitschaftspraxis war gekoppelt), waren dort fast nur Ausländer. Mein Arzt aber war eine alte, deutsche Dame, die Schwester blond und die Rezeptionistin auch… Klar, nur eine Anekdote, aber es waren keine Araber oder Inder auf der Personalseite in diesem Moment…
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9 Kommentare
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Denkt ihr, Deutsche haben ärztliche Behandlung so gern, dass sie dafür auf plumpe „Ausländer raus“-Parolen verzichten würden??
Frage für einen (syrischen) Freund.
Was impliziert, dass ausnahmslos jeder Syrer unabhängig vom rechtlichen Status das Land verlassen müsste oder das so überhaupt gefordert werden würde.
Tatsächlich dürften viele syrischen Ärzte längst eine Niederlassungserlaubnis oder sogar deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben. Denn mit ihrem Beruf lassen sich die ökonomischen Voraussetzungen dafür leicht schaffen. Die sind von etwaigen Rückkehrforderungen dann schon gar nicht mehr umfasst.
Auch Pflegekräfte verdienen gar nicht so schlecht (bzw haben denklogisch natürlich alle einen Job und leben nicht von Sozialleistungen), auch hier dürfte daher ein im Vergleich zur restlichen syrischen Bevölkerung in Deutschland höherer Anteil bereits einen dauerhafte Aufenthaltstitel besitzen, also bereits unumkehrbar einen Bleibeanspruch haben.
Dazu muss man noch gegenrechnen, dass sich derzeit natürlich auch rund 1 Million Syrer in Deutschland befinden (Plus die bereits Eingebürgerten)
Das heißt den zusätzlichen Arbeitskräften im Gesundheitssektor stehen auch >1 Millionen Menschen gegenüber, die zusätzlich medizinisch versorgt werden und perspektiv auch mal gepflegt werden müssen etc.
Syrer, die mangels Jobs derzeit und häufig mangels vermittelbarer Ausbildung auch perspektivisch keine nennenswerten Sozialabgaben entrichten – aber dennoch derzeit natürlich vom Sozialstaat gkv Leistungen erhalten (spätestens nach 36 Monaten im Land selbst bei abgelehntem Asylantrag übrigens, sog. analog Leistungen) stellen dagegen eine Belastung, nicht Entlastung des Gesundheitssystems dar.
Deutschland stände es im Übrigen frei, bei Syrern in kritischen Berufen den Aufenthaltstatus zu verlängern (quasi Spurwechsel zur regulärer Einwanderung wegen ökonomischen Nutzen fürs Land), und umgekehrt bei fehlendem Job/kaum Sozialabgaben (also netto Verlust der Sozialsysteme) Aufenthaltstitel nicht zu verlängern.
Statistisch nehmen sich die Ärztequote unter der syrischen und gesamtdeutschen Bevölkerung nicht viel.
Zumal syrische Ärzte so ziemlich die letzte Gruppe sein werden, die tatsächlich abgeschoben wird, dafür werden wir schon Lösungen finden.
Ich halte diese konstante mediale Gleichstellung von qualifizierter Arbeitsmigration und Asyl für gefährlich, weil es für mehr Antagonismus gegen Migration insgesamt sorgt.
„Fachkräfte“ ist nicht grundlos ein rassistischer Dog Whistle geworden, das ist selbstverschuldet.
Das hört man so fucking oft. Auf das sind die Medien schon stolz.
Ich glaube eher nicht …
Und in Syrien braucht es diese Ärzte nicht? Da sind schon alle gesund oder wie? Wir bilden also nicht genig Ärzte aus, weil das teuer ist, und begrenzen unsere Uni stellen so sehr, dass wir einen Mangel haben, um dann aufgrund unserer ökonomischen Stärke die zwingend erforderlichen Ärzte aus armen Ländern zu klauen.
Blödsinn. Wir brauchen in der Klinik nicht mehr Syrer, sondern Arbeitsbedingungen, die nicht jeden in die Praxis, Wirtschaft oder Teilzeit treiben.
Es gibt genug Ärzte, nominell. Das war nie das Problem. Aber statt die Arbeitsbedingungen zu verbessern, sucht man lieber in Ländern, wo sie Bedingungen noch schlechter sind.
So muss man als Arbeitgeber weder die Strukturen noch die Löhne verbessern – nein, man verkauft die Ausbeutung dann noch als Internationalisierung und wird dafür gefeiert.
Aus Arbeitgebersicht aber ein Klasse move, erkenne ich an.
Das hält sich doch einigermaßen die Waage: Wenn die Syrer – als die potentiellen Patienten – gehen wird es mindestens ein Nullsummenspiel geben. Zumal die Krankenkassen dann entlastet werden, da die Syrer wirklich extrem viel kosten und diese Kosten dann wegfallen (momentan die GKV zu 66%, nur 33% aus Steuermitteln wie wir ja wissen) könnte man auch die Arbeitsbedingungen/Bezahlung verbessern.
Aber als ich vor einem halben Jahr in der Notaufnahme war (Bereitschaftspraxis war gekoppelt), waren dort fast nur Ausländer. Mein Arzt aber war eine alte, deutsche Dame, die Schwester blond und die Rezeptionistin auch… Klar, nur eine Anekdote, aber es waren keine Araber oder Inder auf der Personalseite in diesem Moment…