Durch den Drag gezogen – Die Berliner Dragqueen Jurassica Parka ist wegen der Verbreitung von Kinderpornografie vorbestraft, dennoch trat sie weiter auf. Was bedeutet der Fall für die Szene?

    https://www.zeit.de/2025/52/jurassica-parka-dragqueen-kinderpornografie-berlin-vorstrafe

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    10 Kommentare

    1. ContactDenied on

      „In der mittlerweile abgesetzten Koch-Show Böhmi brutzelt trat sie mit Jan Böhmermann auf. „Natürlich lesen Dragqueens keine Kinderbücher vor, weil sie Kinder geil finden“, erklärte sie an zentraler Stelle, „sondern sie möchten einfach nur Geschichten vorlesen.“ In ein paar Wochen werde auch sie in einer Kinderbibliothek lesen; sie sei sehr gespannt, wie das so werde. Und dann fügte sie noch den äußerst schlecht gealterten Satz hinzu: „Weil ich habe mit Kindern jetzt nicht so viele Berührungspunkte.“

      Berührung hatte Jurassica Parka zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Gesetz. Im März 2023 eröffnete die Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen sie, im August fand der Auftritt bei der Böhmermann-Sendung statt, im Oktober dann wurde Mario O. – wie die Dragqueen mit bürgerlichem Namen heißt – wegen der Verbreitung kinderpornografischer Schriften zu einer Geldstrafe verurteilt.

      Unter „Schriften“ mag man sich im ersten Moment lediglich Texte vorstellen; juristisch fallen jedoch auch Bilder unter den Begriff. Auf Nachfrage bestätigt ein Pressesprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber der ZEIT, dass Mario O. tatsächlich kinderpornografische Fotos ins Netz gestellt hat.“

    2. ContactDenied on

      „Jurassica Parka. Egal, wen der Reporter fragt – niemand will sie kennen. Und obwohl ausgesprochen laute Musik spielt, ist jedes Mal eine verdruckste Stille vernehmbar, wenn ihr Name ausgesprochen wird.
      Dieses Schweigen ist zurzeit in der gesamten Szene zu hören. Mehrere professionelle Dragqueens, die die ZEIT angefragt hat, wollen sich nicht äußern oder lassen die Anfrage unbeantwortet. Jurassica Parka selbst will während des laufenden Verfahrens nichts sagen. Selbst die Siegessäule verrät auf Nachfrage der ZEIT nicht, welcher Journalist für die Recherche gegen Parka verantwortlich zeichnet. Oder wie man überhaupt auf die Idee gekommen ist, bei der Staatsanwaltschaft nachzufragen, ob sie vorbestraft ist.
      […]

      Auch Nina Queer, die eine Show für den Berliner TV-Sender ALEX moderiert und dieses Jahr den Spielfilm Der Saft des Bösen produziert hat, beobachtet eine Nervosität bei vielen Drag-Personen. Auf gar keinen Fall solle der eigene Name in einem Artikel mit dem Wort „Kinderporno“ vorkommen. Gleichzeitig, sagt sie, habe das aktuelle Schweigen mit einer zähneknirschenden Hemmung in der Community zu tun, selbstkritisch zu sein.

      „Zwischenzeitlich waren wir so irre woke“, erzählt sie bei einem Mittagessen in Berlin, „dass jede Form von Fetisch auf dem Christopher Street Day öffentlich repräsentiert werden wollte. Wenn sich erwachsene Männer am helllichten Tage vor aller Öffentlichkeit auspeitschen lassen oder wie Hunde gegenseitig an den Arschlöchern beschnüffeln: Wer kann es konservativen Eltern verdenken, wenn sie ihre Kinder davor schützen wollen?

      Nina Queer ist sichtlich frustriert von der Drag-Szene, mehrmals wird ihr Ton im Laufe des Gesprächs polemisch. Was man vielleicht erwähnen sollte: Seitdem sie einmal vor mehreren Jahren darauf hingewiesen hat, dass überproportional viele Übergriffe auf schwule und queere Menschen von Ausländern verübt werden, verunglimpfen manche ihrer Kollegen sie als „Nazi-Nina“. Jedenfalls klingt Queer enttäuscht, als sie resümiert: „Viele von uns haben sich so sehr ins Absurde verkämpft, dass jede Form von Selbstkritik wie eine Kapitulation auf uns wirkt.“

    3. OkPosition4563 on

      Ich verstehe beim besten Willen nicht, warum das auf beiden Seiten so ein riesiges Thema ist. Warum werden diese Drag Queen Themen von links so völlig disproportional gepusht und warum denkt rechts, dass alle Kinder dazu gezwungen werden dort teilzunehmen? Ist doch genau gleich wie bei der katholischen Kirche…

    4. Zum strukturellen Problem wird so etwas ja erst, wenn der Rest der Gemeinschaft bewusst wegschaut, um den Ruf zu schützen. Völlig egal, ob wir jetzt über Drag oder die Kirche sprechen.

      Sprich, dieses „niemand will sie kennen“ ist das größte Problem.

    5. Kann mir mal bitte jemand sagen, was eine „professionelle Dragqueen“ ist, was diese ausmacht und wie man davon leben kann?

    6. Curious-Bad-8529 on

      Wenn ein Klempner wegen so etwas verurteilt wird, führt das doch auch nicht zur Verunglimpfung des gesamten Klempnergewerbes.

    7. SimonPelikan on

      Der stärkste Satz:
      >> Wenn ein einziger Pädophiler ausreicht, um eine ganze Berufsgruppe zu verunglimpfen, dürfte es eigentlich keine christliche Kirche und keine pädagogischen Einrichtungen mehr geben. Kindesmissbrauch ist ein Verbrechen, egal, wer es verübt – wir müssen als Gesellschaft zusammenhalten, um es zu verhindern.

    8. Unusual-Address-9776 on

      Was ging eigentlich in Jurassicas Kopf vor, als sie bereits ein Ermittlungsverfahren wegen sowas am Hals hatte, aber es dann noch für nötig hielt, solche (sagen wir „sehr schlecht dazu passenden“) Aussagen in dieser Kochshow zu machen?

    9. Was mich irritiert: Normalerweise braucht man für die Arbeit mit Kindern ein erweitertes Führungszeugnis. Da wäre dann die Geldstrafe aufgetaucht. Man hat bei der Kinderlesung wahrscheinlich wegen der Einmaligkeit verzichtet. Das ist natürlich ein Problem.

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