
Das Wort "Pfandschlupf" bezeichnet die Pfandflaschen, welche im Müll (oder der Natur) landen und nicht mehr zurückgegeben werden. Das heißt, irgendjemand bekommt dann die 25 Cent, die vom Kunden nicht mehr zurückgeholt werden (können).
Ich hab dann ein wenig recherchiert: Im Jahr macht das circa 130+ Millionen Euro an Pfandschlupf aus, die (salopp gesagt) übrig bleiben (bei 2,2 Mrd. Gebinden und einer Rückgabeqoute von 80-90%).
https://campus-a.at/2025/06/25/wer-von-nicht-egelostem-pfand-profitier/
Laut diesem Artikel wickelt das die Firma "Recycling Pfand Österreich" ab. Diese GmbH ist laut eigenen Angaben "gemeinnützig und nicht gewinnorientiert". Sie besteht aus derzeit 24 Mitarbeitern und hat ihren Sitz in Wien.
Mir ist klar, dass der Betrieb des neuen Pfandsystems einen Aufwand darstellt. Aber 130+ Mio Euro im Jahr kann das dann auch nicht kosten.
Da stellt sich mir mehrere Fragen:
1) "Welcher Bono?" (Wer profitiert davon). Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Firma (und deren Management) nur Gehälter laut Kollektiv haben (da nicht gewinnorientiert) und hier nichts in die eigene Tasche fließt.
2) Wie kommt die Firma zu diesem Auftrag/Vertrag? Wer würde nicht gerne die Hand auf der Cashcow "Einwegpfand" haben. Gab es hier eine Ausschreibung? Was waren die Kriterien?
3) Ist irgendjemanden vielleicht verwandt oder befreundet mit einen Politiker (es gilt die Unschuldsvermutung). Vielleicht bekommt der ja dann regelmäßig ein Kuvert als Dankeschön.
4) Was passiert mit dem Geld, welches übrig bleibt (also nicht mehr vom Kunden zurück geholt wird) wenn es sich keiner einstreift? Würde das gespendet oder dem Steuerzahler zugute kommen, dann würde man damit ja hausieren gehen und sich dafür feiern lassen.
5) Wer hat die ganzen Pfandautomaten bezahlt – werden diese von dem Pfandschlupf getilgt? (Wenn ja, dann sind diese ja auch nach einer gewissen Zeit abbezahlt)
Ich möchte hier jetzt keine Verschwörung herbeirufen, jedoch wundert es mich, dass dieses Thema bei all diesen unzähligen EWP Diskussionen nie zur Sprache gekommen ist. Ich habe weder im TV (ZiB, Report, Thema, usw.) noch sonst wo etwas von dieser Thematik mitbekommen. Immerhin geht es ja schon um gewaltige Summen. Da sind andere Themen ja Tintifax im Vergleich dazu.
Ich habe einfach irgendwie das Gefühl, dass hier wieder ein österreichischer Weg ("Freunderlwirtschaft") eingeschlagen wurde. Ich weiß auch nicht wie das in Deutschland gehandhabt wird.
Fakt ist, ich achte seitdem umso mehr drauf, damit keine Dose unentgeltlich entsorgt wird. Bevor irgendein Bonze sich davon seinen 3ten Ferrari kauft, fahre ich die Dose lieber 2 Wochen im Auto spazieren
Apropos, die Firma Recycling Pfand Österreich sucht noch Mitarbeiter ;).
Vielleicht weiß hierzu jemand mehr und kann ev Licht ins Dunkel bringen?
Von RTFM_4040
9 Kommentare
[Hier](https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/ressourcenschonung/einzelhandel-und-umwelt/mehrweg/21967.html) kannst du schön lesen wo das Geld aus dem Pfandschlupf hin geht und was die indirekten Folgen sind.
Situation in DE.
Wurde sicher nicht so entschieden, aber jetzt kannst als Sandler lukrativ Plastik Flaschen aufgabeln. Störst dafür weniger Leute mit dem gebettele und machst die Stadt gleichzeitig sauber. Ich möchte wetten, 4 Plastikflaschen aufzutreiben ist an den richtigen Orten leichter als einen Euro zu erbetteln. Da geht sich ja fast schon ein nehammer Menü aus.
>Wer hat die ganzen Pfandautomaten bezahlt – werden diese von dem Pfandschlupf getilgt? (Wenn ja, dann sind diese ja auch nach einer gewissen Zeit abbezahlt)
Die Automaten ermöglichen ja eine zweite Ebene des „Schlupfes“ – nämlich den Pfandbon Schlupf.
Mit dem Ausdruck des „€0,75“ Kaszettels hat der Supermarkt seine Pflicht getan und offiziell den Pfand „ausbezahlt“ – wieviele von diesen Bons mit Kleinstbeträgen dann irgendwann im Mist landen, weil man sie an der Kassa vergessen hat einzulösen und man auch beim nächsten Einkauf die Gutschrift vergisst, das wäre auch eine sehr interessante Frage.
Von DIESEM Schlupf profitieren zu 100% die jeweiligen Lebensmittelhändler.
Was ist wenn ich die Pfandflasche in die gelbe Tonne schmeiße?
Die bisherige Abgabe für die gelbe Tonne wird es ja nicht mehr geben?
Macht dann das gelbe Tonnen System Verlust dadurch?
vorstand und geschäftsführer werden schon entsprechend nehmen – wennst deren vita so ansiehst…
und den rest wird der staat gemütlich abschöpfen.
>Wer hat die ganzen Pfandautomaten bezahlt – werden diese von dem Pfandschlupf getilgt?
Der Pfand geht an die Recycling Pfand Österreich, diese zahlt einen Anteil davon wieder an die Betreiber der Pfandautomaten aus.
>(Wenn ja, dann sind diese ja auch nach einer gewissen Zeit abbezahlt)
Zu einfache Sichtweise. Aus Sicht der Buchhaltung in Unternehmen ist das anders zu bewerten: erstens fallen da ja diverse laufende Kosten an (Strom, Instandhaltung, Reinigung durch Mitarbeiter, die Logistik die Flaschen dann weiterzubefördern), zweitens hat der Automat eine gewisse Nutzungsdauer und irgendwann wird er halt auch ersetzt.
Der Pfandschlupf wird zur Abdeckung der Kosten des Systems verwendet. Davon wiederum der größte Brocken sind ca. 4 Cent *Handling Fee* pro Gebinde. Also: bei 2.200 Millionen und einer Retourquote von 80% bleiben 20% von 2.200 = 440 * 25¢ = 110 Mill. Demgegenüber stehen 1.760 * 4¢ = 70,4 Mill. an *Handling Fees*.
Je höher die Retourquote, desto schlechter wird das Verhältnis. Bei 85% sind es nur mehr 82,5 Mill. Einnahmen und 74,8 Mill. Auszahlungen; bei 90% überhaupt nur mehr 55 Mill. Einnahmen und 79,2 Ausgaben.
Lies mal die Verordnung bevor du hier eine VT aufbaust und Unterstellungen raushaust.
Es ist gut kritisch zu sein, aber man sollte auch konkrete Hinweise haben wenn man meint da ist was Faul und den Mitarbeitern hier Korruption vorwirft.
In der Verordnung werden viele deine Fragen beantwortet. Zb wie die GmbH entstanden ist, wie diese aufgebaut ist, und sie verraet dir auch dass es 2 Kontrollgremien sowie Auskunftspflichten ggü dem Bundesministerium und der Öffentlichkeit. Die GmbH hat mehr Aufgaben als du denkst (Steht in der Verordnung) und kann auch externe Firmen engagieren (Somit Kosten die du in der Milchmädchen Rechnung nicht berücksichtigst). Ausserdem findest du den Satz „Überschüsse sind zur Verbesserung des Gesamtsystems zu verwenden“. Gut das ist nicht sehr konkret, kann man kritisieren aber zumindest muss man nicht von Vornherein Korruption einfach annehmen
[https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2023_II_283/BGBLA_2023_II_283.html](https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2023_II_283/BGBLA_2023_II_283.html)
Das sind ja alles schöne Rechnungen, aber eines wird vergessen: der Anteil an Flaschen, die wie bisher zerknüllt und zusammengefaltet und somit pfandtechnisch unbrauchbar werden. Dafür brauchts keinen Verein und das wird der Großteil sein der „fehlenden“ Menge. Profiteur somit die oberste verrechnende Instanz.
Ich bin z.B. sehr lax mit den Pfandthemen – einerseits weil ich einfach fast keine entsprechenden Gebinde kaufe, andererseits weil ich einfach keine Lust hab hier ewig Sachen herumzuschleppen. Und ja, ich kann mir die 25 cent leisten.