
Gesten war ich Mal wieder in eimem Meeting mit Kolleginnen und Kollegen vom Europäischen Direktorat für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM) und das Thema war der aktuelle Stand bei der Chargenkontrolle von Produkten mit Clostridium Toxinen (Botox und noch ein paar andere) . Ich fange Mal mit etwas Erfreulichem an:
Im Rahmen der 3R Bemühungen (Replacement, Reduction and Refinement of Animal Testing) hat es weitere Fortschritte geben, die in den nächsten Jahren hoffentlich dazu führen werden, dass weitere Tierveruche durch tierfreie Labortests erstetzt werden können. Nachdem die Europäische Arzneibuchkommission 2024 den Kaninchen-Pyrogentest weitesgehend gestrichen hat stehen die Chancen gut, dass auch ein Qultitästest für Tetanusimpfstoffe, der an Meeerschweinchen durchgeführt wurde, EU-weit abgeschafft wird.
Was mich aber immer wieder aufregt ist, dass für die Testung einer Charge Botox immer noch 2 x 50 Mäuse sterben müssen, obwohl es Alternativen gibt. Eigentlich sind Tierversuche für die Produkttestung von Kosmetika nicht zugelassen, aber bei Botox gibt es eine Ausahme: Da das Botulinum-Neurotoxin auch für medizinsche Anwendungen gebraucht wird, darf das ganze Kosmektik Botox weiter an Mäusen getestet werden, bevor es auf den Mark geht. Der angewendete Test ist als "schwer belastend" eingestuft und auch wenn es bei der Produktentwicklung noch widerlicheren Kram gibt, so ist der hier eingesetzte LD50 Test so mit das Brutalste, was bei der Produkttestung von Arzneimiteln zu finden ist. Und das größtenteils für kosmetische Zwecke, argh. (Mehr Infos, aber wenn ihr euch kein Botox spritzen lasst, solltet ihr das besser nicht lesen)
Jetzt habt ihr vielleich irgendwo gelesen, dass das in Deutschland vertriebene Botox sich damit rühmt, ohne Tierversuche auszukommen. Aber das stimmt leider nur halb. So lange der LD50 international noch gefordert wird machen die Pharmaunternehmen in der Regel beide Test parallel und verkaufen dann das Produkt als "LD50 getestet" in die weite Welt und als "Tierversuchsfrei" in Länder mit entsprechenden Anforderungen. "Im Umgang mit Tierversuchen gibt es weltweit noch sehr große Unterschiede" um eine Kollegin zu zitieren. Den Ersatztest hat sich das entsprechende Unternehmen patentieren lassen, so dass einige 3R-Forschungsgruppen seit Jahren an weiteren, dann lizenzfreien Alternativen forschen müssen.
Ein Problem bei der Entwicklung von tierfreien Nachweismethoden ist dabei, dass die Unternehmen nicht einmal angeben können, wie viel Botulinum-Neurotoxin sich in ihren Produkten befindt. Denn die verwendete Einheit sind nicht μg sondern "Units" und eine "Unit" ist die Menge, die eine Maus tötet. Will mann also einen Test entwickeln, der ohne Mord an Tieren auskommt, dann steht man beim Nachweiß der Vergleichbarkeit vor der Herausforderung seine Ergebnisse in "tote Mäuse Einheiten" umrechnen zu müssen. Mäsue töten um Mäuse zu retten, keine leichte Aufgabe. (Das Unternehmen, dass schon einen tierfreien Test hat, hiflt den Gruppen natürlich nicht weiter, das ist ja ihr Wettbewerbsvorteil. So kann man sogar mit seinem 3R Bemühungen noch grausam zu Tieren sein.)
Wir haben den Kolleginnen und Kollegen, die noch weitere Jahrzehnte an der Abschaffung von Tierversuchen arbeiten werden, unseren Respekt gezollt. Aber ich könnte das selbst nicht. Das Verhalten der Pharma/Kosmetik Unternehmen und teilweise auch der Kontrollorgane, ist so dermaßen unethisch und die Prozesse so langwierig, da bleibt mir immer wieder die Luft weg. Ein Lichtblick ist, dass es weiter Gelder für die 3R-Forschungsgruppen gibt, in der Regel aus der öffentlichen Hand, möge das wenigsten so bleiben.
TL;DR: An jeder Ampulle Botox klebt jede Menge Mäuseblut, obwohl wir das besser können.
Von Zulkor
3 Kommentare
Kosmetisch braucht eh keiner Botox , da ist schon viel geholfen wenn man das weglassen würde.
Danke für die Infos, das ist so grausam
Uf, krass. Zuerst gestern das mit den Schwangerschaftstests und heute die Scheiße. Danke für deinen/euren Einsatz!