
Hallo, was sagt ihr zu folgendem Artikel? https://www.vertandard.at/story/3000000273124/pension-st-70-Wer-nur-ueber-das-alter-pricht-hat-die–probleme-nicht-verstanden?ref=ARTICLE
Meiner Meinung nach übersieht die geführte Debatte wichtige Punkte:
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Die Rehaleistungen (Rehageld sowie Kuraufenthalte), die in der PV verortet sind und zum Erhalt/der Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit dienen, gehören bei den Rechnungen ausgeklammert. Das sind keine Leistungen, die die PV erbringen müsste. Ebenso verhält es sich mit der Ausgleichszulage (die hat sozialen Charakter). Bei den Beamten gehört berücksichtigt, dass sich der Staat die Beiträge zur PV während der aktiven Zeit gespart hat.
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Es gehört erwähnt, wie sich die Zuzahlungen gliedern. Das ASVG-System erhält sich wohl so gut wie selbst. Hohe Zuzahlungen sind lediglich wegen Beamter, GSVG und Bauern notwendig.
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Das österreichische System basiert auf Schadensbehebung, nicht auf Prävention. Das einzig Sinnvolle ist die jährliche Vorsorgeuntersuchung. Sonst gibt‘s gar nichts, das der Prävention und dem Gesundheitserhalt dient. Es wird nur repariert, nicht präventiv gearbeitet (mMn wäre ein Goodie-System vorteilhaft — bspw je gesünder und fitter, desto niedrigere persönliche Abgaben; Rauchern und adipösen Personen müsste mit Aufklärung geholfen werden. Generell gehört das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung mittels Aufklärung und Bildung gestärkt).
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Daraus resultierend für das PV-System: niedriges faktisches Pensionsantrittsalter, warten auf Invaliditätspension/Rehageld. Man muss sich nur die Statistiken ansehen, wonach jede vierte Person aus dem Krankenstand/ALG-Bezug in Pension geht. Ziel muss sein, dass ältere AN einen Job finden können (das ist großteils faktisch nicht möglich) und nicht ab 50 beim AMS geparkt werden, da sie zu teuer seien (das ist schlichtweg unwahr; die wenigsten KV sehen eine Erhöhung des Bezuges nach dem Alter vor). Man kann das Antrittsalter nicht auf 70 erhöhen, wenn man nicht mal bis 65 durcharbeiten kann, selbst wenn man es wollen würde. Das ist definitiv die Stellschraube.
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Dringenden Reformbedarf gibt es auch bei der zweiten und dritten Säule des Pensionssystems. Die Abfertigung neu gehört dringend überarbeitet, damit man mit dieser -ähnlich einem 401k in den USA – am Kapitalmarkt Rendite erzielt und dass die Kosten der Versicherungen die Rendite nicht auffressen. Es gehört dringend die private Altersvorsorge attraktiviert, zB indem man einen Freibetrag einführt mit progressiver KESt (meinetwegen bei absurd hohen Gewinnen entsprechend der ESt), der inflationsangepasst ist bzw eine Behaltefrist schafft. Es gibt hier zig Möglichkeiten, die eine Entlastung der ersten Säule und keine direkte Belastung für den Staat, bewirken würden.
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Das ASVG-System, wie es jetzt ist, ist noch stabil. Die Berichte der AK, wonach es ach so stabil sei, basieren alle auf einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung (ergo: starker Arbeitsmarkt und keine Rezession). Sobald dies nicht vorherrscht, gerät das System ins Wanken. Daher: Es könnte aber noch eine zusätzliche verpflichtende kapitalgedeckte Säule – neben dem Umlageverfahren – vertragen (änhlich der Debatte in Deutschland), damit es nachhaltiger wird. Dies hätte schon viel früher passieren müssen, da die geburtenstarke Jahrgänge ja jetzt in die Pension gehen. Jedenfalls war es schon immer vorgesehen, dass sich dieses System nicht nur durch die eingespeisten Beträge erhält. Das ist gar nicht das Ziel. 1/3 wird durch den AN, 1/3 durch den AG und 1/3 durch den Staat finanziert. Das wird bei der Debatte immer übersehen.
Resümee: Damit dieses System weiterhin bestehen kann und die Zuzahlungen durch den Staat nicht ausufern, muss dringend am faktischen Pensionsantrittsalter gearbeitet werden. Andernfalls wird das ganze System in den nächsten Jahren entweder (i.) kollabieren, oder (ii.) sehr hohe Zuzahlungen durch den Steuerzahler benötigen, um weiterbestehen zu können.
Von BobbyFischerr
4 Kommentare
[deleted]
Es würde schon reichen, wenn einmal aufgehört werden würde, jedes Jahr Zuckerl an Pensionisten zu verteilen.
https://www.reddit.com/r/Austria/s/lqSkPFOTZQ
Das Pensionssystem gehört auf ein Altersozialssystem reduziert. Es gibt keinen Grund warum ein staatliches Pensionssystem mehr für alte Leute leisten sollte als für anderweitig sozial Schwache.
Für alle „sachlichen Begründungen“ wie höhere Gesundheitskosten gilt dasselbe Argument. (I.e. warum sollte jemand der alt ist pauschal vom Staat besser gestellt sein um körperliche Schwächen zu bekämpfen, als ein junger Krebskranker oder Fetter).
Das sollte natürlich nicht sofort stattfinden, da die heutigen Pensionsten ja mit der Aussicht auf dieses Sozialsstatussicherungssystem gelebt haben und entsprechend an einer individuellen Vorsorge gehindert wurden. Was aber sofort in Kraft treten sollte ist eine Skalierung aller Pensionen auf die tatsächliche Einzahlungshöhe (inklusive überführung von Beamten und Co. in ein einheitliches System).
Was soll man da debattieren? Findet ja jetzt schon fast niemand Ü50 einen neuen Job. Das einzige das passieren wird ist, dass die Leute eben länger beim AMS betteln gehen müssen. Ich würde ja gerne Mal zB vom Knill wissen wie viele Arbeiter/Angestellte Ü50 er in den letzten Jahren angestellt hat…