Nach der ganzen Aufregung um den Witzigen, der bei der Angelobung des Mango-Mussolini ohne weitere Konsequenzen zumindest zweimal die Hand hochgerissen hat, habe ich mir Gedanken gemacht, wie das bei uns ausgegangen wäre. Mit Sicherheit hätte es wohl Anzeigen nach dem Verbotsgesetz gehagelt, und er hätte sich vor einem Kadi rechtfertigen müssen, ob das jetzt ein HG war oder nicht.

    Immer wieder liest man in der Zeitung, dass mal wieder einer im Suff die NSDAP und ihre Gräuel verherrlicht oder verharmlost, teilweise sogar mit bereits bekanntem "Gruß". Bei Ersttätern ist das meist eine Bagatelle mit dementsprechend niedrigen bis keinen Strafen.

    Ich bin selbst in einer äußerst ländlichen Gegend aufgewachsen und kann versichern: Die Dunkelziffer ist gigantisch und beängstigend hoch. Natürlich nicht in der Öffentlichkeit, sondern im Stammtisch-Séparée wird immer wieder gern gezeigt, "wie hoch der deutsche Schäfer springen kann". Das Gedankengut wird in manchen Familien von Generation zu Generation weitergegeben, und das wird wohl so bleiben.

    Was wäre, wenn das Verbotsgesetz abgeschafft würde, wie von Strache 2008 gefordert?

    Würden sich dann alle von ihren heimlichen Stammtischen erheben und ganz ungeniert mit erhobener Hand und "S*eg He*il" auf der Straße grüßen, ohne mit der Wimper zu zucken?

    Würde eine oder mehrere ultrarechte Naziparteien regen Zulauf bekommen und vielleicht sogar in den Nationalrat gewählt? Wäre Österreich international vollkommen isoliert?

    Der Großteil der restlichen und vorallem außereuropäischen Welt hat ja in dieser Definition nichts Gleichwertiges wie ein Verbotsgesetz. In Osteuropa und den USA gibt es politische Strömungen und sogar Parteien, die ganz bewusst mit Hakenkreuzflagge und allem drumherum werben – sie sind halt gesellschaftlich und sozioökonomisch komplett unten durch. Verhalten dieser Art wird dort nicht vom Richter sondern von der Gesellschaft abgestraft, ob das bei uns wohl auch so wäre, würden wir uns daran "gewöhnen" wenn sich solche Elemente und Ideen zusammenschließen und offen unter uns sind oder gäb’s bürgerkriegsähnliche Zustände?

    Mir schauderts vor dem Gedanken und es ist wohl äußerst unwahrscheinlich aber, wir stehen ja nun vor einer Legislaturperiode, in der eine bestimmte Partei zumindest durchaus etwas mitzureden hat. Und da will ich ( natürlich ohne Zusammenhang ) den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer zitieren:

    "Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist"

    Bearbeiten: Link korrigiert, Tippfehler

    Was wäre ohne den "Paragraphen 3" ( Verbotsgesetz ) in Österreich los?
    byu/Raketenschas5000 inAustria



    Von Raketenschas5000

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    3 Kommentare

    1. Ich teile deine Bedenken, allerdings muss man festhalten, dass das Verbotsgesetz bei uns im Verfassungsrang steht. Das bedeutet, dass es eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Nationalrat braucht, um es zu ändern.

    2. Possible_Lemon_9527 on

      Ich habe auch den Eindruck, dass bei uns viele ü50 so was verharmlosen, da sie so Schuld abwenden können. „Mein (Groß-)Vater war damals dabei, ich mag ihn, für dieses Kapitel schäme ich mich also nicht“ so in etwa unterbewusst.

      Bei dem Amis hingegen hat die Greatest Generation die Nazis bekämpft und besiegt. Ein gewisser Antifaschismus steckt damit gewissermaßen im Wesen der USA und ist Teil des US-Patriotismus. Ihre Urgroßväter standen auf der richtigen Seite der Geschichte. Daher wird sowas gesellschaftlich extrem geahndet.

      Ich denke, das dürfte der Grund sein, warum das bei uns oft verharmlost wird. Es würde am Patriotismus und auch eventuell der eigenen Familiengeschichte kratzen.

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