Folgen für Rüstungsindustrie USA schnappen Europa wichtigen Rohstoff weg04.11.2026 – 12:21 UhrLesedauer: 2 Min.imago images 0836533546Vergrößern des BildesArtillerieproduktion bei Rheinmetall: Wolfram kommt unter anderem bei bei der Produktion von Raketen und panzerbrechender Munition zum Einsatz. (Quelle: IMAGO/Noah Wedel)VorlesenAktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:001xTeilenBei der Stärkung seiner Rüstungsindustrie ist Europa auf den Import bestimmter Rohstoffe angewiesen. Ein neuer Deal der US-Regierung zeigt nun, wie schnell Verbündete zu Konkurrenten werden können.Europa investiert kräftig in die eigene Verteidigungsfähigkeit. Seit Russlands Angriff auf die Ukraine geht es nicht mehr nur um neue Panzer, Raketen und Munition, sondern auch um die Frage, ob die Industrie im Ernstfall genug Rohstoffe bekommt. Ein nun bekannt gewordener Deal zwischen einem US-Unternehmen und einem vietnamesischen Lieferanten zeigt, wie groß diese Herausforderung werden könnte.Die in den USA ansässige Elmet Group hat knapp fünf Prozent am vietnamesischen Unternehmen Masan High-Tech Materials erworben. Der Einstieg wurde am 1. Oktober vereinbart und hat ein Volumen von rund 125 Millionen US-Dollar. Im Gegenzug hat sich Masan dazu verpflichtet, über mindestens acht Jahre hinweg jährlich rund 1.000 Tonnen reines Wolfram zu liefern. Diese Menge entspricht etwa einem Drittel der Minenproduktion in Vietnam von 2025.Streit um Ukraine-Krieg: Steht der SPD ein Kurswechsel bevor?Industrie: Triebwerkshersteller MTU sitzt auf vollen AuftragsbüchernDas dürfte auch Folgen für Europa haben. Masan gilt als wichtiger Wolfram-Lieferant für den Kontinent, nicht zuletzt für Deutschland. In Brüssel kursiert deshalb nun die Sorge, dass Konkurrenz aus den USA den europäischen Zugang zu vietnamesischem Wolfram stören könnte.Wolfram wichtig für die WaffenproduktionWolfram ist für die Rüstungsindustrie wichtig. Das Metall ist etwa zweieinhalbmal so dicht wie Eisen und wird unter anderem in Raketenteilen sowie in panzerbrechender Munition eingesetzt. Zugleich ist der Weltmarkt stark von China abhängig. Nach Schätzungen des US Geological Survey kontrolliert Peking fast vier Fünftel der weltweiten Wolfram-Förderung. Vietnam produziert demnach etwa ein Sechstel der verbleibenden Menge.Seit China im Februar 2025 Exportkontrollen für Wolfram-Produkte eingeführt hat, gewinnen alternative Lieferanten an Bedeutung. Elmet und Masan arbeiten zwar bereits seit mehr als zwölf Jahren zusammen, neu ist jedoch die direkte Beteiligung der US-Regierung. Zwei Wochen vor dem Einstieg bei Masan meldete Elmet, dass das Pentagon Vorzugsaktien im Wert von 200 Millionen US-Dollar gekauft habe. Damit kann das US-Verteidigungsministerium einen Vertreter in den Verwaltungsrat von Elmet entsenden.US-Kunden erhalten VorrangElmet-Chef Peter V. Anania bezeichnete den Masan-Deal als Schritt, der auf der Investition des Pentagons aufbaue. Das US-Unternehmen erklärte zudem, Lieferungen für den nationalen Verteidigungsvorrat der USA sollten erst beginnen, wenn neue Mengen verfügbar seien. Dies solle nicht „auf Kosten bestehender amerikanischer Hersteller“ erfolgen.Gerade diese Formulierung lässt aus europäischer Sicht Fragen offen. Auch die Vereinbarung von Elmet mit dem US-Verteidigungsministerium legt eine klare Rangfolge fest. Zunächst erhält Washington ein exklusives Erstverhandlungsrecht. Danach muss Elmet Aufträge für US-Rüstungskonzerne, Zulieferer der amerikanischen Verteidigungsindustrie und andere US-Unternehmen bedienen. Erst danach kommen Käufer aus verbündeten Staaten zum Zug.Die EU und die USA hatten sich in einem Rohstoffmemorandum im April zwar auf gegenseitige Unterstützung bei der Versorgungssicherheit verständigt. Verbindliche Rechte enthält es aber nicht. Entscheidend wird daher sein, wie viel zusätzliches Wolfram tatsächlich geliefert werden kann – und wer im Ernstfall zuerst bedient wird.

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