Vor dem EU-Kanada-Gipfel in Montreal haben die Mitgliedstaaten der Europäischen Union den Vorstoß von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für eine assoziierte Mitgliedschaft Kanadas gestoppt.
Die Bezeichnungen als assoziierte Mitgliedschaft und assoziiertes Mitglied wurden aus dem Entwurf der gemeinsamen Abschlusserklärung gestrichen. Bundeskanzler Friedrich Merz und mehrere weitere europäische Staats- und Regierungschefs setzten die Streichung der Formulierungen nach Angaben von Diplomaten in Brüssel durch.
Am 29. Oktober 2026 widersetzten sich Diplomaten zufolge Deutschland, Griechenland und Frankreich dem Sonderstatus; auch Deutschland, Frankreich und Italien hatten entsprechende Bedenken geäußert. Der überarbeitete Entwurf wurde am Mittwochabend von den Mitgliedstaaten im schriftlichen Verfahren angenommen. Die Veröffentlichung des Dokuments soll am Freitag zum Abschluss des zweitägigen Spitzentreffens in Montreal erfolgen.
Vorbehalte in den Hauptstädten und gekürzte Zusagen
Als Gründe für ihren Widerstand nannten EU-Diplomaten die unklare Bedeutung des Sonderstatus sowie eine unzureichende vorherige Abstimmung der EU-Kommission mit dem Rat der Mitgliedstaaten. Zudem wurde auf die Verwendung des Begriffs im laufenden EU-Beitrittsprozess der Ukraine verwiesen.
Über die Statusfrage hinaus strichen die EU-Länder weitere Punkte aus dem Papier: Weitreichende Zusagen zu einer stärkeren Integration der Finanzmärkte sowie zur gegenseitigen Vorzugsbehandlung bei Maßnahmen zur wirtschaftlichen Sicherheit wurden ebenfalls abgesagt.
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Statt des ursprünglich anvisierten Modells soll nun bis zum bilateralen Folgegipfel im Jahr 2027 ein Konzept erarbeitet werden, das auf eine immer engere Anbindung Kanadas an die EU abzielt.
Von der Leyen hatte dem kanadischen Premierminister Mark Carney die assoziierte Mitgliedschaft im September 2026 angeboten und diese im Beisein Carneys sowie im EU-Parlament als privilegierte Partnerschaft in Aussicht gestellt. In den EU-Verträgen ist ein solcher Status jedoch nicht vorgesehen.
Carney erklärte am 29. Oktober 2026, es komme nicht auf Begrifflichkeiten an, sondern auf den tatsächlichen Unterschied für die kanadische Bevölkerung. US-Präsident Donald Trump hatte den Vorschlag zuvor als lächerlich bezeichnet und im Fall einer Umsetzung mit hohen Zöllen oder Handelsstopps gedroht.
Kooperation bei Rohstoffen und Energie im Fokus
Trotz der Streichungen verständigen sich beide Seiten auf eine gemeinsame Erklärung mit dem Titel Allianz für die Zukunft. Diese sieht den Abbau von Handelshemmnissen sowie engere Kooperationen bei Investitionen, kritischen Rohstoffen, Medikamenten und Technologien vor. Zudem ist eine Machbarkeitsstudie für kanadische Exporte von verflüssigtem Erdgas nach Europa geplant.
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Die Partnerschaft bei dem Treffen, das auch Themen wie künstliche Intelligenz und Bildung umfasst, basiert auf den drei Säulen Wirtschaft, Sicherheit und internationale Institutionen. Das bestehende Freihandelsabkommen CETA ist seit zehn Jahren in Kraft; das Handelsvolumen zwischen der Europäischen Union und Kanada hat sich seither fast verdoppelt.
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