Plan7

    Mit dieser Fotografie von Nicole Keller fing es an. Hamburg, Fernsehturm und Achterbahn eröffneten eine Menge Interpretationsspielräume.
    Nicole Keller

    Wie die fotografische Version von „Stille Post“ aussieht, zeigt die spannende Ausstellung „Photomino Europe“in der Galerie Freelens.

    Es beginnt mit einem Bild – ein Bild als Einladung. Nicole Kellers Ausstellungskonzept zu „Photomino Europe“, derzeit in der Freelens-Galerie zu sehen, folgt einem Prinzip, das die Künstlerin seit einigen Jahren in verschiedenen Ausstellungen präsentiert: Ein Foto, das von der Hamburgerin selbst stammt, wird an eine Fotografin oder einen Fotografen geschickt, die darauf wiederum mit einer eigenen Arbeit reagieren. Dieses neue Bild wandert weiter – durch 27 EU-Länder, von einer künstlerischen Position zur nächsten.Was entsteht bei so etwas? Keine lineare Erzählung, so viel ist klar, sondern eher Überraschendes: eine Kette von Assoziationen und überraschenden Verbindungen. Das Unvorhersehbare ist hier die Idee. Es gibt keinerlei Vorgaben – und so verfolgen die Fotografinnen und Fotografen dieser Ausstellung ganz unterschiedliche visuelle Ziele. Freelens Galerie: Eine Ausstellung ohne Vorgaben
    Auf eine Art ist diese Ausstellung mit einem Gespräch zu vergleichen: ein europäisches Bilder-Gespräch, das wie das Spiel „Stille Post“ funktioniert. Kellers Eröffnungsbild zeigt den Fernsehturm und das Gerüst einer Achterbahn auf dem Dom. Dieses Bild gibt den Ton vor, den andere Künstler und Künstlerinnen auf ganz andere Art weiterspielen. Und so kommt man irgendwann zu einer düsteren Raum-Inszenierung von Boris Gaberščik aus Slowenien oder einem zeitlosen Porträt eines jungen Mannes von Denis Butorac aus Kroatien.

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    Wer durch die Ausstellung geht, sucht Verbindungen. Und findet sie – mal offensichtlich, mal subtil und alles andere als naheliegend. So ist „Photomino Europe“ auch als großer Zusammenhang zu begreifen: Die eigentliche Protagonistin der Ausstellung ist die Beziehung zwischen den Bildern, zwischen Künstlerinnen und Künstlern. Oder auch, politisch verstanden: das Band, das Europa (noch?) eint.
    Sehenswerte Ausstellung: Bilder, die reisen können

    Boxhandschuh und Hand mit Victory-Zeichen ragen aus dichtem Rauch vor warmem Hintergrund.

    Klaus Pichlers Boxhandschuh
    Klaus Pichler

    Über ihr Bild von Fernsehturm und Achterbahn sagt Nicole Keller: „Ich habe ein Foto ausgewählt, von dem ich mir erhoffte, dass es auf möglichst vielen Ebenen als Inspiration dient, die Vernetzung dieses europaweiten Projekts symbolisiert, eine Verbindung zu Hamburg widerspiegelt und zudem meine derzeitige Stimmung zum Ausdruck bringt: Es braut sich ein Sturm zusammen, die Welt fühlt sich an wie eine Achterbahn mit rasanten Veränderungen und komplexen Herausforderungen, doch gleichzeitig steht die sonnenbeschienene Achterbahn auch für etwas Verspieltes, einen positiven Kontrollverlust, kindliche Freude und Freiheit.“
    Bilder können reisen. Fotografien können flüstern. Eine sehr sehenswerte Ausstellung! Freelens: Bis 10.9., Mo-Do 10-18 Uhr, Fr 10-16 Uhr, Eintritt frei, Alter Steinweg 15, Tel. 30 06 64-0; Führungen am 12. und 19.8., jeweils 18.30 Uhr

    Magazincover „Plan7-Woche“ mit Person in akrobatischer Pose und gelber Schlagzeile.

    Der Plan7 vom 7. August 2026
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    Dieser Tipp kommt aus Plan7, der Kultur- und Veranstaltungsbeilage in der neuen WochenMOPO (jeden Freitag neu am Kiosk, hier im günstigen Kennenlern-Abo). Plan7 – das sind 28 Seiten voller Kultur und Inspiration für Ihre Freizeit: Kultur-Tipps für jeden Tag der Woche, Tipps für Gastro-Fans und für Hamburg- und Umland-Entdecker. Dazu gibt’s Interviews und Verlosungen für Konzerte, Lesungen, Shows und mehr.

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