
Eine Analyse des Urteils des Obersten Gerichtshofs der USA vom 30. Juni im Fall Trump gegen Barbara aus strategischer und nicht aus rechtlicher Sicht. Dabei wird argumentiert, dass das Staatsbürgerschaftsrecht eines der ältesten Instrumente der Staatskunst ist und dass der Rechtsstreit selbst ein Datum über die amerikanische Macht ist.
Das historische Muster ist konsistent: Wachsende Gemeinwesen suchen Bürger und absorbieren sie, weil sie Soldaten, Steuerzahler und Siedler brauchen. Rom entrechtete Italien nach dem Sozialen Krieg; Caracalla dehnte im Jahr 212 n. Chr. die Staatsbürgerschaft auf das ganze Imperium aus, und Cassius Dio erklärte es unverblümt als ein Steuerspiel. Vertragsparteien machen das Gegenteil. Großbritannien schaffte 1981 das reine Jus soli ab, nachdem das Imperium, für das die Herrschaft errichtet worden war, aufgelöst worden war; Irland, gefolgt von einem Referendum im Jahr 2004. Die Staaten verschärfen die Mitgliedschaft nach dem Ende der Erweiterung, nicht während dieser.
Die diskussionswürdige These: Starke Zivilisationen absorbieren Menschen, weil sie ihrer eigenen Anziehungskraft vertrauen. Ein Gemeinwesen beginnt, sich gegen Menschen zu verteidigen, wenn es nicht mehr daran glaubt, dass es sie assimilieren wird. In dieser Lesart ist die Tatsache, dass die USA überhaupt einen Rechtsstreit um ihre eigene Offenheit geführt haben, unabhängig vom Ausgang ein Signal. Mittlerweile betreibt Moskau das Gegenteil und produziert über die Passportierung in Abchasien, Südossetien und im Donbass Bürger im Ausland.
Das Gegenargument ist real und ich nehme es in dem Artikel ernst: Die Annäherung an eine bedingte Staatsbürgerschaft könnte eine Reifung für ein Zeitalter der Massenmobilität und kein Niedergang sein. Vollständige Analyse, einschließlich des Steuerparadoxons (die USA beschränken die Aufnahme und besteuern gleichzeitig die Staatsbürgerschaft, was nach Caracallas eigener Logik strategisch inkohärent ist).
4 Kommentare
That image would be an insult to my ancestors; but the text below — esp. the 3rd paragraph — it is spot-on!
(My ancestors are all dead, anyway.)
I think the historical analysis is interesting but it assumes the environment hasn’t changed. Birthright citizenship evolved in a world of limited mobility. Commercial aviation and mass migration fundamentally change what “born on the territory” means. Before concluding that tighter citizenship reflects declining confidence I’d want to account for that first.
read this in an airport with people from half a dozen countries boarding the same gate and the mass mobility objection lands harder in person than in a thread
This is not the whole story. Throughout history, we have also witnessed how, when a country declines but refuses to face it, it becomes more welcoming of foreign cultures and people, using this to deny the reality that it is no longer competitive.