
Francesco Grillo, Universität Bocconi
„Dieses „Internet der Lebewesen“ könnte die dritte und ultimative Phase der Entwicklung des Internets sein. Nach der Verknüpfung von Computern in der ersten Phase und Alltagsgegenständen in der zweiten Phase würden globale Informationssysteme nun direkt mit unseren Organen verbunden sein“, so Naturwissenschaftler, die sich kürzlich in Dubai zu einer Konferenz mit dem Titel „ Prototypen für die MenschheitDieses Szenario wird technisch machbar. Die Auswirkungen auf Einzelpersonen, Branchen und Gesellschaften werden enorm sein.
Die Idee, den menschlichen Körper zu digitalisieren, löst sowohl Träume als auch Albträume aus. Einige Milliardäre aus dem Silicon Valley träumen davon, ewig zu leben, während Sicherheitsexperten befürchten, dass die Risiken des Hackens von Körpern die aktuellen Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit in den Schatten stellen. Wie ich in meinem kommenden Buch „Internet of Beings“ darlege, wird diese Technologie mindestens drei radikale Konsequenzen haben.
Erstens wird es eine permanente Überwachung des Gesundheitszustands wesentlich einfacher machen, Krankheiten zu erkennen, bevor sie entstehen. Die Behandlung kostet viel mehr als die Vorbeugung, aber eine ausgeklügelte Nachverfolgung könnte viele Medikamente durch weniger invasive Maßnahmen ersetzen – Ernährungsumstellungen oder personalisiertere Trainingsroutinen.
Millionen von Todesfällen könnten allein durch die rechtzeitige Versendung von Warnmeldungen verhindert werden. Allein in den USA verlaufen 170.000 der 805.000 Herzinfarkte jedes Jahr „still“, weil die Menschen die Symptome nicht erkennen.
Zweitens werden die Sensoren – besser Bioroboter genannt, da sie wahrscheinlich aus Gel bestehen werden – in der Lage sein, den Körper nicht nur zu überwachen, sondern ihn auch aktiv zu heilen. Sie könnten Aspirindosen freisetzen, wenn ein Blutgerinnsel entdeckt wird, oder Impfstoffe aktivieren, wenn Viren angreifen.
Die gegen COVID entwickelten mRNA-Impfstoffe könnten diese Grenze geöffnet haben. Fortschritte in der Genbearbeitungstechnologie könnten sogar zu Biorobotern führen, die Mikrochirurgie mit winzigen, aus Proteinen hergestellten „Scheren“ durchführen können, um beschädigte DNA zu reparieren.
Drittens und am wichtigsten: Die medizinische Forschung und die Arzneimittelentwicklung werden auf den Kopf gestellt. Heutzutage stellen Wissenschaftler Hypothesen über Substanzen auf, die gegen bestimmte Erkrankungen wirken könnten, und testen sie dann in teuren, zeitaufwändigen Versuchen. Im Zeitalter des Internets der Wesen kehrt sich der Prozess um: Riesige Datenbanken generieren Muster, die zeigen, was für ein Problem funktioniert, und Wissenschaftler arbeiten rückwärts, um zu verstehen, warum. Lösungen werden viel schneller, günstiger und präziser entwickelt.“
https://theconversation.com/internet-of-beings-the-dream-of-digitising-human-bodies-for-healthcare-and-the-nightmare-270473