Servus Leute,

    ich muss das jetzt mal loswerden. In letzter Zeit beobachte ich hier im Sub eine Entwicklung, die mir ehrlich gesagt Angst macht. Es fühlt sich an, als hätten wir einen Kipp-Punkt erreicht: Rassistisches Gedankengut und teilweise offene Nazi-Propaganda werden nicht nur gepostet, sondern erhalten auch noch netto-Upvotes. Wer die Kommentare unter aktuellen politischen Posts liest, sieht eine Enthemmung, die vor kurzem hier noch undenkbar gewesen wäre.

    Ja, Integration und Migration bringen Herausforderungen mit sich und sie funktionieren wirklich nicht so gut, wie sie sollten, das leugne ich keineswegs und darüber kann und sollte diskutiert werden. Aber das Ausmaß, in dem dieses Thema aufgebauscht wird (von Krawall-Medien und rechten Parteien), steht in keinem Verhältnis zur Realität. Es werden halt die immer gleichen Narrative so oft wiederholt, immer und immer wieder, bis sich das in den Köpfen der Menschen als "Wahrheit" eingebrannt hat. Das alles ist aber nur ein gezieltes Ablenkungsmanöver.

    Denn währenddessen leben wir in einem Wirtschaftssystem, das ein immer größeres Gefälle zwischen Arm und Reich erzeugt. Die Reichen bekommen den Hals nicht voll und wir werden mit einer verpflichtenden günstigen Mahlzeit beim Wirt und Steuersenkungen auf eine Handvoll "Grundnahrungsmittel" abgespeist. Die soziale Instabilität wächst, die Mittelschicht bröckelt. Und genau hier setzen rechte Parteien und deren extrem effektive Social-Media-Maschinerien an: Statt über Systemfehler zu reden, wird ein Sündenbock präsentiert: der Migrant.

    Es wird so getan, als sei „Kultur“ ein starrer Block, der durch Migration zerstört wird. Aber Migration gab es schon immer. "Kultur" war schon immer ständigem Wandel unterworfen. Wer von „Great Replacement“ oder ähnlichen Verschwörungstheorien schwadroniert, ist bereits auf die Propaganda reingefallen, die Menschen entmenschlichen soll, um politische Macht zu sichern. Und genau darum geht es: ganze Personengruppen werden pauschal entmenschlicht und dämonisiert, das hat schon einmal in unserer Geschichte hervorragend funktioniert und machte die darauffolgenden Gräueltaten für viele gerechtfertigter.

    Und an alle, die glauben, das sei alles nur „überspitzte Rhetorik“ oder „Protest“, denen empfehle ich von ganzem Herzen, sich mal diese Dokumentation in der ORF Mediathek anzusehen:

    https://on.orf.at/video/14098676/die-kinderretterin-und-der-massenmoerder

    Ich stehe dazu: Ich musste weinen bei den grauenhaften Bildern und Schilderungen der Überlebenden, das ist nichts für schwache Nerven. Es zeigt echt deutlich, zu welch unfassbaren Taten Menschen fähig sind, wenn sie vorher über Jahre hinweg enthemmt wurden. Wer glaubt, so etwas könne nie wieder passieren, ist naiv. Wir sind gerade dabei, die gleichen psychologischen Mechanismen der Entmenschlichung wieder zuzulassen und viele arbeiten da sogar aktiv darauf hin.

    Man hört oft: „Ich wähl die ja nur aus Protest“ oder „Ich stimme ja nur einem Teil des Programms zu“. Das lasse ich nicht gelten. Wer eine Partei wählt, die ganz offen Nazi-Vokabular verwendet und Menschengruppen herabwürdigt, macht sich mitschuldig an den Konsequenzen. Und auch wenn gern gesagt wird, dass das Wort "Nazi" zu inflationär verwendet wird, so sage ich es trotzdem nochmal ganz deutlich: Wer Nazis wählt, ist selbst ein Nazi. Punkt.

    Es sind nicht die "anderen Parteien"„die Linken“, die LGBT-Community oder Regenbogenflaggen, die unsere Gesellschaft gefährden. Es ist der Hass. Wenn es wieder zu Gewalt kommt, trägt jeder die Verantwortung, der sein Kreuz bei denen gemacht hat, die diesen Hass säen. Wer Nazis wählt, unterstützt deren Weltbild – ohne Wenn und Aber.

    Und vielleicht noch ein Denk-Anstoß an die Mods hier im Sub: es erscheint zumindest mir so, dass hier im Sub mittlerweile ein Punkt erreicht wurde, an dem es für Rechtsradikale möglich ist, ganz offen ihre rassistischen Ansichten hier zu verbreiten und ihre Kommentare auch noch netto-Upvotes bekommen und nicht mehr gelöscht werden (siehe zum Beispiel die Kommentare unter dem Post über den Tweet von Elon Musk und Martin Sellner). Eventuell solltet ihr euch mal die Frage stellen, wie ihr mit sowas umgehen wollt, ob dieser Sub einfach eine weitere Propaganda-Plattform für Rassismus und Menschenhass werden darf oder ob man dem vieleicht mal entschieden entgegen treten sollte? Denn der Zeitpunkt, etwas zu tun, wäre jetzt gekommen.

    Und nochmal an alle:

    Hört bitte auf, euch blenden zu lassen. Wir wissen aus unserer Geschichte, wohin dieser Weg führt.

    Ach ja: und wenn jetzt jemand kommt und sagt: „Solche Ansichten wie deine spalten unsere Gesellschaft nur noch mehr“, dann ist meine Antwort kurz:

    Dann nehme ich diese Spaltung erhobenen Hauptes in Kauf. Denn die einzige Alternative wäre ein geeinter Marsch in den Untergang – und den werde ich nicht schweigend mitgehen.

    Wollen wir das wirklich? Ein Appell an die Vernunft und gegen den Hass in diesem Sub
    byu/Mormegil81 inAustria



    Von Mormegil81

    27 Kommentare

    1. Kannst die Posts, auf denen du deine Aussagen beruhst, verlinken?

      Ich schau mir ned immer alles Posts an, aber das wär mir in der Form noch nicht untergekommen.

    2. Sabbelwakker on

      Gut gesagt und absolut meine Meinung aber ich befürchte der Zug ist abgefahren.

    3. blackandwhiteandblue on

      Ich mag die Meinung anderer nicht, müssen Nazis sein. Kannst in deiner Bubble weiterleben, aber wunder dich dann halt nicht über die kommenden Wahlergebnisse und Kanzler/Landeshauptleute/Bürgermeister.

    4. thunderrider2302 on

      Keine Ahnung wovon du redest, ist mir hier noch nicht aufgefallen, ohne konkrete Beispiele seh ich das Problem nicht.

    5. Funny-Routine-7242 on

      Die Reichen werden aber den Spracherwerb meines Kindes und die Lernumgebung in der Schule nicht negativ beeinflussen

    6. Illustrious_Young271 on

      Wenn wir nicht jetzt die Migration angehen wird es wieder Säuberungen geben. Da hilft auch kein Klassen-Whataboutismus. Entweder wir finden jetzt eine harte aber demokratische Lösung oder es kommt in 10 Jahren die Österreichische ICE und remigriert.

      Migration ist ein ganz massives Problem in Österreich, bissi was tun und aussitzen wie es die Politik der letzen 25 Jahre war funktioniert nicht und die Bevölkerung glaubt da auch mehrheitlich nicht mehr dran. Da interessiert auch irgendein Nazivergleich nicht.

    7. Consciousness12345 on

      Pff, wenn dir das was in diesem reguliertem Raum abgeht schon zu viel ist … 
      Schau mal in einen echten rechten internet-Bereich. 
      Hass ist ein Problem, da stimm ich zu. Von beiden Seiten allerdings. Noch gefährlicher ist wenn der eigene Hass sich völlig legitmiert wird – oh Wunder, das kann man auch auf beiden Seiten beobachten. 
      „Was die Guten dürfen, das dürfen die Bösen noch lange nicht!“

    8. Dependent_Top_8685 on

      Migration ist wichtig und gab es schon immer. Aber man darf nicht blind sein auf dem Auge in Richtung des politischen Islam. Das ist und wird noch eines der zentralen Probleme, das wir global und auch in Europa haben. Gut vernetzt, zigtausende potentielle Akteure und hoch motiviert.
      Ich bin froh über jeden, der zu uns kommt, einfach um hier ein gutes Leben zu führen und hier sein Ding macht. Egal ob aus dem Kongo oder der Ukraine.

      So zu tun als gäbe es den politischen Islam nicht und jedes Ansprechen davon als islamophob oder rassistisch zu bewerten ist schlicht und ergreifend dumm und gefährlich. Wenn einmal eine kritische Masse in Europa erreicht ist, blühen uns Dinge, die die vielen hunderten (!) Tote der letzten 15 Jahre in Europa in den Schatten stellen werden.

    9. Inside-Owl-793 on

      „Integration und Migration bringen Herausforderungen mit“ – ja, aber es gibt einige sehr linke Strömungen, die diese Herausforderungen nicht benennen wollen. Die Herausforderungen sind anscheinend ein Mysterium, eine höhere Gewalt, und nicht einfach die Tatsache, dass es Kulturen gibt, wo Sexismus und Klerikalfaschismus die dominante Weltansicht sind.

    10. Es klingt eher so als würdest du alles was nicht deiner Meinung entspricht tendenziell als Rechtsradikal bis Nationalsozialistisch einordnen.
      Auch Meinungen Rechts der Mitte oder wirtschaftsliberale Standpunkte sind legitim und dürfen diskutiert werden… Eine Demokratie lebt vom Meinungspluralismus. Der Hass entsteht erst dadurch dass man verlernt hat anderen Meinungen zu akzeptieren und darüber zu diskutieren ohne persönlich oder emotional zu werden

      Dir würde gut tun mal außerhalb deiner eigenen Bubble mit Menschen zu reden.

    11. Wie sich die Rechten hier getriggert fühlen, lol. Als ob irgendjemand sie persönlich oder eine bestimmte Partei erwähnt hätte. Danke für diesen Post, OP. Zeigt grad wie wichtig der ist.

    12. Christiansteifen17 on

      Euer Problem ist, dass ihr komplett in eurer Propaganda gefangen seid und euch jedes Verständnis für andere Moralvorstellungen bzw. Weltanschauungen fehlt. Selbst eure Erklärungsansatze funktionieren nicht, weil ihr nicht wirklich außerhalb eurer Ideologie denken könnt. Und deshalb werdet ihr euch in Zukunft noch öfter wundern.

    13. Darf ich sowohl Arm vs. Reich und die auseinanderklaffende Wohlstandsschere kritisieren als auch gleichzeitig ein Problem mit der Migrations-/Integrationsthematik haben, da hier klarer Handlungsbedarf besteht?

      Wieso sind die SPÖ und die Grünen nicht in der Lage sich mit diesem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen und sich hier zu positionieren? Ich versteh es einfach nicht. Man überlässt den Populisten dieses Thema, obwohl man seit 10 Jahren weiß, dass Wahlen deswegen entschieden werden.

    14. MitaminMogula on

      „…teilweise offene Nazi-Propaganda werden nicht nur gepostet, sondern erhalten auch netto-Upvotes“ 

      du hast genau einen post verlinken können der genau das gegenteil von dem was du behauptest zeigt, und hast dann gesagt dass es um die einzelnen kommentare geht – die aber so downvoted sind, dass man sie aktiv suchen muss um die zu sehen.

      kann es sein, dass du dein online-erlebnis mit absicht für sich selbst so gestaltest, dass du durchgehend in panik und angst lebst? ist das produktiv?

    15. Die Frage ist doch, woher diese Haltung kommt, sind plötzlich alle Rassisten geworden oder hängt es mit anderen Dingen zusammen? (zum Beispiel mit persönlichen Erfahrungen)

      Kann es sein, dass gewisse Volksgruppen/Religionen eher negativ auffallen als andere?
      Oder ist diese Frage auch schon per se rassistisch, weil wir ja alle gleich sind?

      Sprich mal mit Lehrern auf öffentlichen Schulen, sprich mal mit Kindergärtnerinnen, sprich mal mit Polizisten, sprich mal mit Krankenschwestern.

      Meinst die haben sich alle gegen die Migranten verschworen?
      Bei Migranten denkt auch nie jemand an Italiener, Schweden oder Kanadier, komisch oder?
      Wieso hört man nie negative Geschichten über Chinesen, Japaner oder Südkoreaner?
      Ganz im Gegenteil, jene ostasiatischen Volkgruppen fallen sogar positiv auf.

      Hier ein paar Zahlen: (Quelle: justiz.gv.at)

      In Österreich gibt es 9931 Gefängnisinsassen, davon sind 47,30% österreichische Staatsbürger, heißt die anderen 52,7% sind nicht-österreichische Staatsbürger. Wobei man diese 47,30% auch mit Vorsicht genießen muss, da viele der am Papier österreichischen Bevölkerung Migrationshintergrund haben, Statistiken über die kulturelle Herkunft werden meines Wissens nach nicht geführt.

      Zufall?

      Tu mir einen Gefallen, schau dir das Stadtbild von Tokio an und dann schau dir das Stadtbild von Kabul an.
      Du wirst eklatante Unterschiede erkennen, dementsprechend werden sich auch hierzulande Unterschiede der diversen Volksgruppen erkennen lassen.

    16. Man sieht in den Kommentaren hier leider genau das Probelm, dass du ansprichts. Der Großteil spricht von „linken“ die Probleme der Integration nicht ansprechen oder das „wir“, alle nur rechtsextrem nennen. Es ist wirklich traurig

    17. Mental-Jellyfish-573 on

      Geh mal bissi luft schnappen dein post hat volle dramaqueen vibes

      Abgesen davon, wennst migrationskritische kommentare oder posts als rassistisch abstempelst und meinst unsere kultur sei nur ein schwammiges etwas bei der nix verloren geht wenn sie sich ändert weil sie von den „neuen“ abgelehn wird dann bist du der grund warum die linken nix reissen.🤷‍♀️

    18. Wenn du nicht gewillt bist, konkrete Beispiele bzw. Definitionen für die von dir angeprangerten Verhalten zu nennen, grenzt dein Post leider an die Wertlosigkeit.

      Alles was man gerade daraus entnehmen kann ist, dass dich gewisse Haltungen, die du als Hass wahrnimmst, stören und ängstigen.

      Einfach auf die Kommentare eines Posts zu verweisen in denen diverse Meinungen vertreten werden reicht da nicht.

    19. Realistic-Safety-848 on

      > Ja, Integration und Migration bringen Herausforderungen mit sich und sie funktionieren wirklich nicht so gut, wie sie sollten, das leugne ich keineswegs und darüber kann und sollte diskutiert werden.

      Integration funktioniert nicht schlecht sondern garnicht.
      Ich bin als Ausländer in Wien groß geworden und viele von euch können sich gar kein Bild davon machen was die meisten Ausländer über euch und eure Kultur denken. Es ist nämlich nicht sehr positiv.

      Was viele hier nicht verstehen wollen ist dass der Rechtsdrall in ganz Europa zum Teil einen sehr guten und validen Grund hat.

      Das macht AfD, FPÖ etc zwar kein bisschen besser aber die Punkte die diese Parteien für billigen Populismus missbrauchen, werden von anderen moderateren Parteien einfach nicht behandelt.

    20. MareTranquil on

      „Die Reichen bekommen den Hals nicht voll“

      Nächster Absatz:

      „Ganze Personengruppen werden entmenschlicht und dämonisiert“

    21. ArchbishopRambo on

      Gutes Statement, welchem ich größtenteils beipflichten kann.

      [Dass die Stimmung hier bedenklich kippt, ist mir in diesem Beitrag zuerst so richtig klar geworden.](https://www.reddit.com/r/Austria/s/7zIFGLy8PV) Finde ich immer noch erschreckend, wie dort Diskriminierung von Muslimen relativiert bzw. teilweise sogar als notwendig erachtet wird, nur weil einige Mitglieder dieser Minderheit besonders negativ (und ja, teilweise auch statistisch häufiger bei manchen Delikten als Mitglieder anderer Gruppen) hervorstechen.

      Ein bisschen schwer tu ich mir allerdings immer bei diesem „Die Kultur hat sich immer verändert, Österreich war immer schon durch Migration gezeichnet,…“
      In dieser Größenordnung und mit kulturell so weit entfernten Herkunftsräumen ist das historisch eben nicht der Normalfall und ich muss das auch nicht gut finden.

      Aber bei dem Punkt müssen wir uns halt auch selbst in die Verantwortung nehmen: selbst ohne Zuwanderung aus dem nahen Osten würden wir diesen gefühlten Schwund heimischer Kultur und Traditionen erleben.

      Österreich fehlt einfach ein gesundes Nationalbewusstsein. Auf der einen Seite stehen progressiv Denkende, bei denen sofort der „Nazidetektor“ anspringen wird, weil ich diesen bedenklichen Begriff verwendet habe. Auf der anderen ein Spektrum vom leider „normalen“ xenophoben Kronen-Zeitungs-Leser bis zum ultranationalen FPÖ-Anhänger – alle vereint durch einen Nationalstolz, der ohne Ausgrenzung und Diskriminierung nicht auskommt. Dazwischen gibt’s dann natürlich noch einen ganzen Haufen an Menschen, denen das alles egal ist oder zumindest bis vor ~10 Jahren egal war.

      Ein gefestigtes, inklusives Nationalbewusstsein abseits der Rechten fehlt leider fast vollständig. Ein solches würde es Migranten aber erleichtern, sich hier mittels konkreter Anknüpfungspunkte in unsere Kultur zu integrieren, anstatt Parallelgesellschaften zu begünstigen.

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