https://www.derstandard.at/consent/tcf/story/3000000302598/wenige-geburten-viele-kleine-haushalte-wissenschafter-kritisiert-negative-perspektive

Habe zum Frühstück diesen Artikel gelesen und frage mich mal wieder, wie sich solche Personen mit solchen Aussagen überhaupt Ernst nehmen können.

Es ist doch verrückt dass immer darauf beharrt wird dass es mehr "Junge" braucht um die Alten zu versorgen.

Vor 1000 Jahren (und in manchen Regionen der Welt) war die Strategie zur "Altersvorsorge" möglichst viele Kinder zu bekommen, und wir belächeln das als archaisch und glauben wir sind so viel zivilisierter. Aber wenn die Geburtenrate sinkt, ist die Panik groß, dabei ist es genau der selbe Denkfehler. Mehr Junge bedeutet nicht mehr Versorgungssicherheit für die Alten, vor Allem wenn der relative Wohlstand der Jungen im Vergleich zu den Eltern sinkt, obwohl Produktivität und gesellschaftlicher Wohlstand eigentlich steigt.
Die Basisversorgung durch Umverteilung (Generationenvertrag) steht einer im Mittel sehr wohlhabenden Generation an Babyboomern entgegen. Es ist eine völlig absurde Ablenkung von den echten Problemen. Weniger Junge bedeutet nicht automatisch dass alte, kranke Leute im Bett dahin siechen weil sie nicht versorgt werden. Da könnte man nämlich auch wirklich ansetzen: Bessere gesundheitliche Bildung, eigenverantwortliche Vorbeugung, und bessere Bedingungen (gesetzlich, strukturell, finanziell) für Pflege.

Aber die Sorge dreht sich doch in Wahrheit nur um den individuellen Wohlstand, und die Angst dass im "Ruhestand" die Pension nicht ausreicht dass man sich den selben Lebensstil erhalten kann. Dass man nicht mehr, jetzt wo man endlich Zeit hat, Haus, Garten und Urlaub genießen kann. Dass man als Paar das 250m2 Haus mit Grund nicht mehr erhalten kann. Dass man, so wie es jungen Menschen immer wieder un die Ohren geschlagen wird, vielleicht plötzlich "über seinen Verhältnissen" lebt und Abstriche machen müsste. Das wird als unfair wahrgenommen, weil man hat ja seine 40 Jahre gehackelt und einbezahlt hat. Wenn es wirklich um die bloße Angst um gesellschaftlich schwächer gestellte ginge – zB Personen die durch Care-Arbeit weniger Jahre gearbeitet haben, und dann geringere Pensionen beziehen – würde das Gespräch ganz anders laufen, denn da wäre eine Umverteilung, Deckelung der höchsten Pensionen (zB für Politiker…) zugunsten eines Anhebens der Mindestpension – ein Ansatz.

Auch hier müsste ein komplettes, gesellschaftliches Umdenken stattfinden. Das Leben beginnt nicht erst mit der Pension. Die nachkommenden Generationen erleben gerade, wie schwer es ist Wohlstand aufzubauen, wenn man nicht erbt, oder enorme Abstriche macht. Und viele wollen halt lieber jetzt ein schönes Leben haben, mit weniger Arbeitsstunden, mehr Zeit für Familie, Freunde. Lieber Urlaub und etwas von der Welt sehen, als einen minimalen Bruchteil eines späteren Wohneigentums anzusparen. Und werden dafür massiv kritisiert, nur weil sie nicht genug zur Wertschöpfung beitragen um ein absurdes Pensionssystem zu finanzieren?

Wir sind, im großen und ganzen, eine sehr wohlhabende Gesellschaft, in einem sehr wohlhabenden Land.
Ich glaube wirklich nicht dass uns das Ende droht wenn die Bevölkerung schrumpft. Und die Lösung für alle etwaigen Probleme einer alternden Gesellschaft könnte durch strukturelle Änderungen erzielt werden, statt weiter auf endloses Wachstum und ein Pyramidenspiel zu beharren.

Was meint ihr?
Glaubt ihr dass die, die heute U40 sind überhaupt eine nennswerte staatliche Pension beziehen werden?

Bevölkerungswachstum vs Altersvorsorge
byu/PoppSucket inAustria



Von PoppSucket

Share.

2 Kommentare

  1. Die Debatte ist hinfällig. Niemand hat eine Lösung für massiv abfallende Geburtenrate gefunden, die nicht direkt Taliban-style ist. Es gibt die Option „mehr Kinder“ nicht. Es ist auch viel zu spät, das hätte man vor 20 Jahren machen müssen.

Leave A Reply