
Das Royal Theatre bewältigt Managementkrisen seit langem dadurch, dass es die Verantwortung in der Organisation systematisch nach unten rutschen lässt, während die oberste Führungsebene unangetastet bleibt.
Zuerst war es Nikolaj Hübbe. Dann Anne Peyk. Vor anderen, besser vor der Öffentlichkeit verborgen. Nun gibt es Gerüchte, dass der talentierte Henrik Steen Petersen der nächste sein könnte, der die Konsequenzen aus Holtens Schachspiel ziehen wird. Für mich zeichnet sich ein klares Muster ab: Wenn die Probleme zu sichtbar werden, werden Personen weiter unten in der Hierarchie ersetzt, während die Struktur und das Management an der Spitze erhalten bleiben.
In diesem Zusammenhang ist es bezeichnend, dass auch der Sprecher des Royal Ballet, Christian Hamelken, öffentlich zum Rücktritt von Kasper Holten geäußert hat. Kritik am Top-Management kommt daher nicht nur von außen, sondern auch von innen; von einer zentralen Stimme mit direktem Einblick in die tägliche Realität der Institution.
Kasper Holten wirkt in seinem Führungsstil konfliktscheu. In Situationen mit schwerwiegenden und kritischen Themen wird die Öffentlichkeitsarbeit häufig anderen überlassen oder das Management selbst ist in den Zeiten, in denen der Druck am größten ist, abwesend. Es vermittelt den Eindruck einer Führungskraft mit einem starken Bedürfnis nach persönlicher Anerkennung, aber begrenzter Bereitschaft, für sich selbst einzustehen, wenn die Institution herausgefordert wird. Der Fall Neumeier ist für mich ein klares Beispiel für genau dieses Muster.
Gleichzeitig glaube ich, dass Vorstandsvorsitzender Lars Barfoed in der Öffentlichkeit zunehmend geschwächt erscheint. Nicht wegen einer einzigen Entscheidung, sondern weil der Vorstand es immer wieder versäumt hat, die Konsequenzen bis ganz nach oben zu ziehen. Wenn ein Theaterregisseur immer wieder schwere Managementkrisen übersteht, ist das ein klares Signal für mangelndes Handeln auf Vorstandsebene.
Die Debatte um die Zustände an der Ballettschule verstärkt das Bild. Hier haben Eltern, Schüler und Berufsvertreter auf tiefgreifende Strukturprobleme hingewiesen und das Vertrauen in die Leitung offen in Frage gestellt. Dennoch scheint die Antwort wieder einmal in organisatorischen Opfern weiter unten im System zu liegen – und nicht in einem Showdown mit dem Managementmodell, das die Krisen hervorbringt.
Der Vergleich mit dem Weltballett ist meiner Meinung nach unumgänglich. Hier gelingt es Jahr für Jahr, künstlerische Qualität auf höchstem Niveau, Arbeitszufriedenheit der Tänzer und ein großes, vielfältiges Publikum im ganzen Land zu schaffen – und das bei einer Wirtschaftlichkeit, die nur einen Bruchteil der massiven öffentlichen Förderung ausmacht, die das Royal Theatre erhält. In der Praxis löst das Weltballett genau die Probleme, die das Königlich Dänische Theater nicht bewältigen kann: Publikumsbindung, Wohlbefinden und künstlerische Energie ohne eine Kultur der Angst.
Daher gibt es bereits eine offensichtliche Alternative zum aktuellen Managementmodell. Die Kombination aus dem visionären Kulturunternehmer und Opernsänger Jens Christian Wandt und dem international anerkannten Intendanten Stephen McRae repräsentiert genau die Art von Führung, die dem Royal Theatre fehlt: künstlerische Autorität, klare Verantwortung und die Fähigkeit, allerhöchstes Spitzenniveau mit Offenheit und Publikumsrelevanz zu verbinden. Ohne dass die Kinder weinend nach Hause gehen müssen.
Für mich stellt sich daher nicht die Frage, ob sich das Royal Theatre erneuern kann. Die Frage ist, ob man es wagt, die Konsequenz bis ganz nach oben zu tragen.
Ja, dank eines starken, relevanten und einigenden Royal Theatre. Nein dank veralteter und dysfunktionaler Führungsmodelle, die auf Angst, Verantwortungsverweigerung und mangelndem Mut basieren.
Meiner Meinung nach erfordert eine echte Erneuerung, dass man den Mut hat, den Kurs dort zu ändern, wo die Macht und die Verantwortung wirklich liegen.
Übernehmen Sie endlich die Verantwortung, Holten: Treten Sie zurück.
Grüße, ein Ballettfan
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Von Buxtehude_daddy
4 Kommentare
Luk dog den skole. Ingen danske børn har brug for det pres for at få en ‘ballet karriere’ til gave for overklassen
Jeg mistede alt for Holten i forbindelse med hans kone Kamilla død og han forlod hende nærmest på dødslejet.
Måske han skulle begynde at bruge mere tid på at lede og mindre tid på selv at instruere.
Jeg troede det lå som en stribe på bordet.