
Religionswissenschafter Franz Winter fehlt in der öffentlichen Diskussion über ein Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen der Blick auf die islamische Tradition, wie er in seinem Gastkommentar schreibt. Er fordert eine völlig neue Betrachtung der alten Argumentationslinien.
Fazit des Artikels [wörtliches Zitat der letzten zwei Absätze]:
"Insbesondere das oftmals vorgebrachte Argument einer Freiwilligkeit muss kritisch betrachtet werden. Das Tragen des Kopftuchs kann auf der einen Seite durchaus als befreiend empfunden werden, weil man sich damit bestimmten Zwängen der Gegenwartsgesellschaft entziehen kann, was das Kopftuch möglicherweise für junge Mädchen attraktiv werden lässt. Aber völlig außer Frage ist auf der anderen Seite, dass es auch ein geschlechtsspezifisches Instrument der Einschränkung und Maßregelung sein kann, das mit mehr oder minder klarem Druck von der Umgebung eingefordert wird. Jede einfache Reduktion auf ein Erklärungsmuster führt hier nicht weiter.
Damit wäre die aktuelle Debatte eine Möglichkeit, einen sehr bedeutenden Aspekt der islamischen Tradition einer Tiefenbetrachtung zu unterziehen. Eines gibt eben diese Tradition aber sicher nicht her: eine explizite Vorschrift, schon minderjährige Mädchen nur mit dem Kopftuch aus dem Haus zu schicken."
https://www.derstandard.at/story/3000000293163/was-der-islam-zum-kopftuch-fuer-maedchen-sagt-und-worueber-man-eigentlich-reden-sollte
Von Classic_South_5374
22 Kommentare
Da bin ich ja gespannt wie lange dieser Beitrag bestehen bleiben darf in dem sub.
Wo ist die News?
Es steht zwar, dass die Tradition „*eine explizite Vorschrift, schon minderjährige Mädchen nur mit dem Kopftuch aus dem Haus zu schicken.*“ hergibt, aber ich vermisse den Grund, warum es sie nicht tut.
hab beruflich (ngo) viel mit geflüchteten mädchen aus dem iran, afghanistan, etc. zu tun.
eines haben sie alle geneinsam: sie tragen kein kopftuch mehr.
aber klar, religionfreiheit ist wichtig und so 🙂
„Und nicht vergessen werden darf in der ganzen Debatte die Unwucht, die sich ergibt, wenn man daran denkt, dass hierzulande für das Kopftuch gekämpft wird, während etwa im Iran Frauen mit ernsthaften juristischen Konsequenzen oder Schlimmerem zu rechnen haben, wenn sie ebendieses ablegen.“
Das ist es, was ich auch immer wieder schreibe, immer wieder betone. Ein Symbol, das dazu benutzt wird, um zigtausende Menschen zu unterdrücken, kann man nicht einfach mit „Religionsfreiheit“ von jedweder Kritik freistellen. Genauso, wie in der Sprache manche an sich harmlose Worte heute verpönt sind, funktioniert das mit Symbolik gleichermaßen. Da ist es dann tatsächlich völlig egal, ob sich jemand „freiwillig“ dafür entscheidet, weil man durch die Wahl der Symbolik eine Weltanschauung unterstützt, die bei uns schlicht keinen Platz hat.
Und wer das mit dem Argument „Toleranz“ wegzuwischen versucht? Der sollte besser einmal bei Karl Poppers Toleranzparadoxon nachlesen.
Was der Prophet selbst halt so aufgeführt hat erklärt das mit, hat halt ein Mädchen vor der Pupertät geheiratet. Das war in den betroffenen vorislamischen Gesellschaft nicht normal.
Der Blickwinkel des Islams auf Mädchen ist das Hauptproblem.
Vielleicht als Ergänzung diese Folge von Erklär mir die Welt anhören: https://erklärmir.at/2018/04/27/7-erklaer-mir-das-kopftuch-dudu-kuecuekgoel/
Ja eh. Ist jetzt nix neues. Die Frage ist eher, ob ein Verbot in dem momentanen gesellschaftlichen Klima die gewünschte Wirkung erzielt. Zumal viele Muslimas, die in zweiter oder dritter Generation hier leben, ohnehin keines mehr tragen
Der typ schlägt vor einfach einmal eine ganze Religion zu reformieren. Funktioniert sicher ganz easy.
Als Sozialist und agnostischer Antitheist bin ich grundsätzlich der Meinung jeder soll seine Religion ausüben wie er will, solange Dritte davon nicht beeinträchtigt werden. Minderjährige sind in dem Kontext ganz klar als Dritte zu verstehen, sie entscheiden sich nicht freiwillig für einen Glauben, sondern werden von Eltern, Schule und generellem Umfeld da hinein gedrückt.
Ich wäre für ein konfessionsübergreifendes Religionsverbot für alle bis zum 16./18. Geburtstag.
https://preview.redd.it/guvb3xgcmuwf1.jpeg?width=640&format=pjpg&auto=webp&s=9315bb8fb57d8ee87c1cda86af8d3ee180750edf
Freiwillig und „traditioneller“ islamischer Haushalt gehen eben nicht Hand in Hand. Das kann man finden wie man will, es ist nun mal so. Das ist ein ganz anderer Kulturkreis mit ganz anderen Werten.
Verbot von allen religiösen Symbolen bis 18 dann?
Edit: hehe downvotes da kommt es durch wie die menschen bevorzugt werden möchten…. war ja klar
Dem „Religionswissenschaftler“ ist es offensichtlich entgangen, dass der Islam Minderjährigkeit im Sinne von Personen unter 18 Jahren nicht als Kriterium für religiöse Pflichten kennt. Vielmeht stellt der Islam für die Erfüllung von religiösen Pflichten auf die individuelle Reife (Geschlechts- und Verstandesreife) ab. Insofern lässt es sich am ehesten mit dem Prinzip der Strafmündigkeit nach österreichischem Recht vergleichen.
Jeder soll anziehen was er / sie will. Ich als 40+ Mann kann ja auch ein Kopftuch anziehen wenn ich es will.
Was nicht o.k. ist, ist wenn Frauen und Mädchen das Gefühl haben dass sie es machen Müssen, egal ob Zwang aus dem Haushalt, oder um sich vor notgeilen Männer / Islamisten zu schützen.
Freiheit bedeutet Freiheit von Gewalt, so wie Freiheit zur Tradition, oder auch die Freiheit eine Tradition zu ignorieren.
Im ganzen artikel gehts um kopftiachl, also bitte, worüber sollte man eigentlich WIRKLICH reden?
Na, aber ohne spaß, ein kopftuchverbot wäre absoluter schwachsinn, da das problem nicht ein tuch am kopf ist, sondern das bedingungslose aufzwingen der psychischen einschränkung auf die eigenen kinder. 2025 und es gibt noch menschen die glauben was in büchern von vor hunderten jahren steht.
Da geht es nicht um den glauben an gott, sondern den glauben an institutionen die nur auf dein geld und macht aus sind.
„(…) minderjährige Mädchen nur mit dem Kopftuch aus dem Haus zu schicken.“
Sicherlich unfreiwillig enthält dieser Satz eine gewisse Komik, denn wer würde minderjährige Mädchen nur mit einem Kopftuch bekleidet aus dem Haus zu schicken. Wär doch arg wenig Bekleidung 🙂
In der „Diskussion“ kommt absichtlich niemand vernünftiges vor. Hier will nan ein Bild von bösen Muslimen zeichnen, damit sich am Stammtisch jeder darüber aufregt, statt darübet, dass die ÖVP wieder 220 Mio ohne ersichtlichen Benefit an Unternehmen verschenkt
Ich verstehe nicht wieso die Tatsache, dass das Kopftuch hauptsächlich ein politisches Statement ist, so schwer in die Köpfe reingeht.
Die Verschleierung im Islam ist dafür gedacht die Frauen für die Welt außerhalb des Hauses unsichtbar zu machen. Aus den eigenen Unsicherheiten heraus hat der Mohammed es halt so bestimmt.
Nur hat das Kopftuch im christlich geprägten Europa den genau umgekehrten Effekt:
Burkaträgerinnen fallen genauso auf wie junge Frauen, die vom Zeh bis zum Hals modern gekleidet sind aber mit Kopftuch auf dem Kopf.
Kleine Kinder mit Kopftuch fallen auf.
Es ist sogar egal ob die Motivation dahinter zum Teil auch religiös ist, der Zweck, das Abschotten von der Mehrheitsgesellschaft bleibt gleich.
Das Kopftuch befreit Narrativ ist eines das bewusst als Argument von reaktionären muslimischen Kreisen verwendet wird um das Freiheits- und Gleichheitsargument westlicher Gesellschaften zu unterminieren. Nicht drauf einsteigen. Es quakt wie eine Ende … es ist und bleibt ein Unterdrückungsvehikel.
Es gibt sicher komplexe Sachverhalte zum Thema, aber wer das Kopftuch in irgendeiner Form für ein feministisches Symbol hält, hat diverse Kontrolle verloren.
Jo stimmt sicher. Das Kopftuchverbot ist halt auch ein einschränkender, maßregelnder Einschnitt der Freiheit.
Da muss man sich entweder zur Religionsfreiheit bekennen oder eben nicht, denke ich.