Die großzügigen Leistungen der Wiener Mindestsicherung verleiteten Menschen dazu, in der Früh im Bett zu bleiben, vermuten Kritiker. DER STANDARD hat nachgerechnet – mit zwiespältigen Ergebnissen.

    https://www.derstandard.at/story/3100000292235/zahlt-sich-arbeiten-wegen-der-hohen-sozialhilfe-wirklich-nicht-aus

    Von Classic_South_5374

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    28 Kommentare

    1. iKnitYogurt on

      Ich würd ja eher sagen, wenn ich mir trotz Vollzeitjob das Leben kaum leisten kann, ist das Lohnniveau das Problem, nicht die Höhe der Sozialhilfe.

    2. SweetDatabase9522 on

      >Die großzügigen Leistungen der Wiener Mindestsicherung verleiteten Menschen dazu, in der Früh im Bett zu bleiben, vermuten Kritiker.

      Ich schör den Satz hab ich 1990, 2000 und 2010 exakt so schonmal gehört.

    3. d645b773b320997e1540 on

      Es gibt natürlich Einzelfälle, wo das ganze absurd ist, grad wenn sich der Kinderzusatz stapelt. Aber die breite Masse der Mindestsicherungsbezieher kriegt halt nur das allernotwendigste um grad so zu überleben. Manchem davon mag das sogar ausreichen, aber ich würd mit denen nicht tauschen wollen.

      Über den Kinderzusatz kann man find ich diskutieren – vorallem sollte der nie Anreiz sein, *noch mehr* Kinder zu kriegen. Aber ganz allgemein ist das Problem nicht, dass die Mindestsicherung zu hoch ist, sondern die Löhne in manchen Branchen einfach zu niedrig.

    4. Irrelevante Spalterei. Mag stimmen, dass was falsch rennt bei der Mindestsicherung, aber ich will keine Diskussion zwischen Unterschicht A und Unterschicht B hören, dass die jeweils andere zu viel bekommt.

      Unterschichten sollen mehr kriegen, Oberschichten sollen mehr abgeben, alles andere ist Ablenkung und Unruhestiftung.

    5. Auch wenn diese Debatte – wie so häufig – vermutlich in populistischem Palaver versumpern wird….das Problem ist halt nunmal real und besteht aus mehreren Komponenten:

      a) Tatsächliche Höhe der Mindestsicherung (zzgl sonstiger Förderungen)

      b) Die absurde Belastung von Arbeit

      c) Das Preisniveau

      Insbes. das Zusammenspiel von b) und c) ist es nämlich, das a) attraktiver macht, als nötig. Wenn einem der Staat grotesk viel wegnimmt (berechnet auf Basis Lohnkosten) und man sich vom verbliebenen, kümmerlichen Netto dann eh nix leisten kann, dann sch* halt immer mehr Leute drauf.

      Das ist tatsächlich „rationales“ Verhalten. Preis-Leistung auf dem Arbeitsmarkt.

    6. Die Frage lässt sich relativ schnell, ziemlich eindeutig für jeden einzelnen beantworten.

      Würdest tauschen wollen? Und falls ja, nach an Monat nochmal fragen :).

    7. StrikingPianist92 on

      So ein Blödsinn. Ich war mal auf AMS Schulung für 2 Tage und habe deswegen ein paar Euro mehr bekommen als sonst. Ich denke es waren so 2-3 Euro pro Tag. Ein paar Monate später hat mir die Stadt Wien geschrieben, dass ich zu viel Mindestsicherung (Aufstockung) bekommen habe und ich die 4-6 Euro zurückzahlen muss.

    8. Für mich zahlt sich das arbeiten und einzahlen ins sozialsystem immer weniger aus. Ich zahle die höchsten abgaben, bekomme aber keine geförderte Wohnung etc. Am ende bleibt mir weniger übrig als leuten die weniger einzahlen aber meist über mehr vermögen verfügen weil sie immobilien geerbt haben oder eben wenig miete zahlen.

    9. > Eigentum lässt sich so also nicht aufbauen – im Gegensatz zum Erwerbsleben.

      Ich denke dass ist für viele auch im Erwerbsleben nicht möglich

    10. Find ich auch spannend, dass bei „Sozialhilfe vs. Arbeit“ immer von einer „Gerechtigkeitsdebatte“ die Rede ist, während bei „Arbeit vs Vermögen“ immer alles als „Neiddebatte“ abgetan wird.

    11. mesmartpants on

      Richtig, die fehlende Erbschaftsteuer verleitet dazu nichts produktives zu arbeiten.
      Auch der besitz mehrerer Immobilien die man vermietet, verleitet zum nichtstun.

      Aber wir treten lieber nach unten weil vielleicht sind supperreiche mal so lieb und geben mir was 🥹

    12. Long_Seaworthiness_8 on

      Kurzer reminder das ihr wenn sogar die Mindestsicherung komplett gestrichen wird ihr trotzdem keinen Cent mehr am Konto habt.

    13. Immer wichtig: Die Diskussion von den super Reichen die den Staat ausnutzen bis zum geht nicht mehr weg lenken auf die Ärmsten der Gesellschaft. Funktioniert wie geölt.

    14. JustDot3258 on

      Kurze Antwort: ja, für den Großteil der Menschen “lohnt” sich arbeiten nicht.

      Long Version: der Großteil der Menschen arbeitet im niedriglohn Sektor und bekommt nach Abzug der Steuern UND Abzug von Lebenshaltungskosten (Miete, Gis, Auto usw.) kaum mehr Geld als eine Familie im Sozialbezug mit Mindestsicherung und bezahltem Wohnraum. Am Ende des Monats bleiben den genannten Arbeitern vielleicht 200 Euro mehr übrig, müssen dafür aber auch den Großteil ihres Lebens bei der Arbeit verbringen, während die anderen ausschlafen und günstigen hobbies nachgehen können. “Lohnend” im Bezug auf arbeiten gehen wird es ab einer Gehaltssteigerung, sprich die meisten Akademiker und besser verdienenden.

      Dieses System ist seit Jahren nicht mehr gerecht für Arbeiter im niedriglohn Sektor, das zeigt sich an allen Ecken wie auch an der Pension mittlerweile. Gestern Abend gab es doch den Bericht von der Dame im Pensionsalter die aktuell auf ihren Krankenkassen Kosten sitzt weil die Versicherung ausgestiegen ist nachdem sie bereits eine Mini auslandsrente erhält – diese Frau war seit ihrem 27. Lebensjahr in Österreich und hat bis zur Pension keinen Cent in die Staatskassen durch Arbeit/Steuern eingezahlt, aber bisher wohl alle Leistungen erhalten (inklusive Krankenversicherung bis es zu dem Auffall nun kam). Ich verstehe bis heute nicht wie naiv das eigene Weltbild sein muss um ein undatiertes “bedingungsloses Grundeinkommen” zu unterstützen. Nichts im Leben ist unendlich bedingungslos, und man muss auch nicht von jedem erwarten jede Tätigkeit oder Job ausführen zu können, aber es sollte eine Bedingung sein sich an einem Kollektiv zu beteiligen auf irgendeine Art und Weise, und sei es nur ehrenamtliches unterstützen. Ich kenne Rollstuhlfahrer die würden liebend gerne mehr beitragen aber können es physisch nicht, helfen aber ehrenamtlich bei Nachhilfen für Schüler. Auf der anderen Seite hast du leider faule Menschen die nur deswegen faul sind, weil sie keine Konsequenzen zu befürchten haben. Das zerrt am System, die sozialabgaben werden noch höher und bezahlen müssen es eben die Arbeiter.

    15. Natürlich zahlt sich Arbeit NICHT aus, vorallem im Niedriglohnbereich (Zahlen aus dem Artikel):

      -) 16 800€ Netto pro Jahr (Mindestsicherung + Mietbeihilfe)
      -) 24 356€ Netto pro Jahr (Vollzeit, Supermarktverkäuferin)

      Heißt wir haben eine Jahresdifferenz von 7556€ pro Jahr, was sehr konservativ geschätzt ist, da man von vielen Dingen befreit wird (GIS, Rezeptgebühren, usw. )

      Für diese 7556€ Differenz muss ich hingegen 38,5h pro Woche arbeiten + zusätzlich jene Zeit um zur Arbeit zu gelangen. (sagen wir 1/2 Stunde hin- und zurück, sind nochmal +5h extra pro Woche)
      Heißt wir müssen 43,5h/Woche für die Arbeit aufwenden, um läppische 7556€ mehr zu bekommen.

      43,5 Stunden x 4 Wochen => 174h Arbeitsaufwand pro Monat
      Das rechnet man jetzt noch aufs Jahr auf, abzüglich Urlaubs, also 174h x 11 Monate => 1914h pro Jahr

      Heißt, wir haben für 7556€ Netto, einen Arbeitsaufwand pro Jahr von 1914h.

      Macht eine „Stundenlohndifferenz“ von fürstlichen 3,95€ pro Stunde.

    16. Max-Steiermark on

      Letztens hat einer geschrieben, dass man nicht mal mehr beim Mäci einen Job findet. Früher hast dort leichter eine Anstellung gefunden. Könnte mit der wirtschaftlichen Lage zusammen hängen.

      Beim Standard ist es immer so: Brummt die Wirtschaft, passt alles. Geht’s der Wirtschaft schlecht, schreibt, er die Leute wollen nichts arbeiten, etc… Es beschweren sich dzt. auch keine Wirtschaftsvertreter über irgendwas.

    17. Ich sag mal wenn man genügsam lebt und irgendwo in nem bilkigen gemeindebau lebt und beruflich nicht mehr als 2k netto drinnen sind, eher weniger.

    18. Low_Guarantee3921 on

      Das traurige ist, dass die meisten die Lösung darin sehen, dass man ja nur die Mindestsicherung um 50% kürzen soll und es wäre alles fein. Das man damit die Sozial schwächsten (welche auch nicht arbeiten können) in unserer Gesellschaft treffen würde ist denen egal.

    19. viermalvier on

      In der Diskussion fehlt ja meistens, dass du deine Ersparnisse aufbrauchen musst bevor du Mindestsicherung bekommst. Und ab dann steckst halt drinnen in der Mühle. Weil langsfristig gibts halt mehr für den notwendigen Konsum aus als die in der Mittelschicht.

      Klar ist das heute im LagestageCapitalism nicht mehr ganz so, aber häufig gilt noch das teurere Produkte doch länger halten –
      da gibts eh immer das typisch Schuh-Beispiel (hier in der Österreich Variante):
      * 200€ Waldviertler halten dir fix >5 Jahre, während du bei 50€ Deichmannschuhen ned sicher sein kannst das die ein Jahr halten, dh. nach spätestens 4 Jahren bist halt mit dem größeren Anfangsinvestment besser dran

      Wenn du dir nix auf die Seite legen kannst sondern immer nur laufend das billigere „klump“ leisten kannst – gibts über Jahre gesehen einfach mehr aus.

    20. MyPhoneHasNoAccount on

      In Österreich hängen wir den größten Teil der Steuerlast den Arbeitnehmern um. Leute mit Geld und Besitz bekommen oft auch wieder viel Geld über Forderungen zurück.

      Ich denke schon oft drüber nach, dass Land zu verlassen in der Hoffnung eines zu finden, in dem ich mir von meinem erarbeiteten Geld mehr behalten darf. Ich mag den Sozialstaat, aber ich will nicht alles vom Gesundheitssystem, Bildung, Pension und Sozialhilfe quasi nur aus Lohn und Lohnbezogenen Steuern finanzieren, ich hätte auch gerne die Möglichkeit Vermögen aufzubauen.

      Ich hab halt Familie und Freunde hier, die mir sehr wichtig sind, aber ich glaube eigentlich wäre es für mich vernünftiger auszuwandern.

    21. BlerghTheBlergh on

      Die Sozialhilfe anzuprangern anstatt die niedrigen, nicht an Inflation angepassten Löhne anzuprangern ist dermaßen unehrlich und verlogen.

      Es ist simpel, der Österreicher wird unterbezahlt; die Politik hat ihren Job als Vermittler zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vernachlässigt und ganz klar die Seite der Wirtschaft ergriffen (ob aufgrund Gier oder Faulheit sei dahingestellt). Die Zeit wurde aber genutzt um die zuvor Arbeitnehmer freundlichen Parteien komplett zu defragmentieren.

      Tldr: keine Partei setzt sich für den Arbeitnehmer ein. Die Wirtschaft hat defacto vollständige Kontrolle durch Bestechlichkeit und Argumentationsspielraum der dem Arbeitnehmer nicht gegeben wird

    22. Different-Detail-137 on

      beides ist wahr:
      -mindestsicherung ist zu viel
      -die löhne sind niedrig

    23. MaleficentLynx on

      Wenn manche mit ner Vollzeit hackn sich Eigentum (Liegenschaften, Auto) und Familiengründung (Verlust eines Arbeitnehmers durch Erziehungspflichten) nicht leisten kann, aber es gleichzeitig Menschen gibt, die all das haben und gar nicht selbst arbeiten müssen (Geld arbeitet für sich, passives Einkommen), stirbt unser Sozialstaat langfristig ab. Die Leute bekommen keine Kids mehr, wer zahlt den Boomern und in naher Zukunft den Millenials die Pension? Zum Glück leben wir in Österreich, einem Land mit Huren der Reichen und Huren der Rechten, die so gaaar nicht ausbeuterische Politik machen.

    24. Und wieder diese Diskussion, nein, Sozialhilfe ist nicht zu hoch, Löhne sind zu niedrig oder Lebenskosten zu hoch.

    25. Ok-Scientist6899 on

      Ich find prinzipiell ist es schon eine gute Idee dass es immer eine Alternative zu arbeiten gibt.
      Wenn sich Arbeiten lohnen soll, dann soll mans auch mit was vergleichen können außer Arbeit.

    26. darealmoneyboy on

      wie immer stellt man die falsche Frage um es ja möglichst polemisch behandeln zu können. Nicht die Sozialhilfe ist zu hoch, sondern das Lohnniveau zu niedrig. Und nein die Lohn-Preis-Spirale ist kein Problem. Glaubt das nicht

    27. Ich habe schon 2 Jobangebote abgelehnt weil sie mir weniger zahlen als meine momentane Arbeitslosenversicherung mit der ich noch gerade so über die Runden komme. Bei einem war der Nettolohn 1000€ was literally unter der Mindestsicherungseinkommensgrenze wäre (die war das letzte Mal als ich geprüft habe 1054€) ergo ich müsste trotz eines vollwertigen Berufs weiterhin Sozialhilfe empfangen, verrückt sowas.

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