Wenn man sich das so durchliest (sorry für die Paywall, ich hab ihn ganz gelesen), hat der Protagonist seit Ende der 1980er quasi keine (nennenswerte) Lohnerhöhung mehr erhalten, wenn er heut noch bei 2100 steht und damals 28.000 Schilling kassiert hat.

    „In einem Reha-Betrieb mit privat geführtem Restaurant hatten zwei Arbeitskräfte frei, wodurch ich allein in der Küche und mit dem Abwasch war und daher einen 14-Stunden-Tag hatte“, schildert Helmut ein weiteres Beispiel. „Am nächsten Tag meinte der Chef, ich sei selbst schuld, wenn ich Pausen nicht einhalte und früher anfange.“ Sechs Stunden habe er somit umsonst gearbeitet: Kein Geld, keinen Zeitausgleich.

    Und dann aber noch:

    Seinen Lohn habe er übrigens bis 2018 ausschließlich bar bezahlt bekommen. Arbeitsverträge seien eher die Ausnahme denn die Regel in seiner Branche.

    Ja eh, wenn man alle Wochen Personal tauschen muss, weil ma so Arsch zu die Leut is, rentiert sichs irgendwann nimmer Verträge zum drucken.

    Ich finde nach 30 Jahren Berufserfahrung kann man sich durchaus erlauben ein Resümeé zu ziehen und dabei kommen Arbeitgeber echt nicht gut weg. Wenn man nun annimmt, dass das "nur" ein durchschnittlicher Fall ist, darf man sich wirklich fragen, wo die Inflation in der Gastro seit 1980 zugeschlagen hat….Löhne und Wertschätzung könnens nicht gewesen sein.

    Ich kann das teilweise auch vom Hörensagen in meinem Umfeld bestätigen. Ja ich bin eher in einer Tourismushochburg aufgewachsen aber so viel besser wird man dort als Koch wohl auch nicht behandelt. Es bleibt einem vielleicht ein 100er mehr. Aber das wars dann.
    Sorry Gastro: ihr seits echt selber schuld.

    https://www.tt.com/artikel/30918064/langjaehriger-tiroler-koch-prangert-an-die-gastro-branche-hat-sich-selbst-zerstoert

    Von Hol7i

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    7 Kommentare

    1. Nein, schuld sind die Regierung weil sich nicht unbegrenzt Saisoniers zum Ausbeuten erlauben!

      Anstatt die Arbeitsbedingungen zu verbessern sucht man auf der ganzen Welt Leute, die noch nicht wissen wie es bei uns läuft und/oder es durch die im Vergleich zu den Herkunftsländern hohen Gehälter eine kurze Zeit aushalten.

      Nachhaltigkeit ist anders.

    2. Ein Verwandter ist gelernter Koch und hat vor kurzem eine Stelle bei einem Magistrat erhalten.

      Er war kurz davor dort zu kündigen, weil er eine ruhige Kugel schieben konnte und quasi „nichts zu tun“ hatte.

      In seiner über rund 15-jährigen Karriere scheint er erstmals ein vernünftiges Arbeitsumfeld zu haben, weil er bisher nur schlechte Arbeitsbedingungen und Stress kannte und deshalb damit nicht klar kommt.

    3. sapere_aude_heast on

      wenn der durchschnittliche Gastrobetrieb, den Mitarbeitern das zahlt, was wir für angemessen halten, kommt am Ende ein Angebot raus, wo der durschnittliche Konsument sagt, dass es nicht mehr angemessen wäre. es ist ein Teufelskreis aus mangelnder Wertschätzung der Gastro gegenüber den Mitarbeitern aber auch der völlig falschen Wahrnehmung der Konsumenten gegenüber dem, was ein zubereitetes Essen bei den Lohnkosten und Nebenkosten eben kosten darf. Es sind nunmal die Personalkosten, die den Großteil der Kosten ausmachen. Der Konsument nimmt aber regelmäßig nur den Wareneinsatz wahr, und glaubt, wenn ich beim Metro 1kg Kalbsnuss um 30€ bekomme, dann kann das Schnitzel keine 30€ kosten.

      Die Gastro ist nicht (mehr) nachhaltig und lebt von Leuten, die das aus Leidenschaft machen oder wo Menschen aus der eigenen Familie arbeiten, oder die einfach groß genug sind, um anders kalkulieren zu können.

    4. Ich sags immer wieder, weils immer wieder wahr ist:

      Die Teuerung, die uns als „Inflation“ verkauft wird, speziell seit 2020, ist schlicht und einfach GIER.

      Unternehmen haben gemerkt, dass sie nur einen einzigen Vorwand brauchen, um die Preise ordentlich hochzudrehen, und solange sämtliche CEOs und ihre Spetzln in der Regierung die seobe Lügengeschichte konstant erzählen, kommen sie mit allem durch

    5. Ich kann’s nur aus Kundensicht beurteilen….aber bis ca. 2020 konnte ich mit meiner Frau bei einem Heurigen in der Nähe um 30-35€ Essen gehen (2x Schnitzel mit Beilage, 2x Beilagensalat, zwei große Apfel-Soda gespritzt).

      Fünf Jahre später muss ich 60-65€ für das gleiche Mahl hinblättern. Dazu kommt, dass die Portionen um ca. 30% kleiner geworden sind.

      Dafür mag es Gründe geben (Personalmangel -> siehe schlechte Bezahlung, allgemeine Teuerung, gestiegene Energiekosten). Aber das alles erklärt nicht den Anstieg von über 100% in fünf(!) Jahren. Da ist auch wohl dem Wirten die Gier etwas zu Kopf gestiegen.

      Ist halt nur ein Beispiel…die Luftburg im Prater verlangt zB € 18,80 für Cevapcici mit Pommes.

      Es gibt nur mehr wenige, die einigermaßen vernünftig geblieben sind. Wir gehen jetzt nur noch selten essen… verarschen kann ich mich auch selbst.

    6. Bitte den Text des Artikels hier Posten, wie soll man sonst darüber diskutieren.

    7. Bin seit 20 Jahren als Koch in der Gastro und aktuell beim Umschulen zum Elektrotechniker (dauerd noch 2 Jahre), bis zum Abschluss noch bei einer Leiharbeiterfirma, weil die Zeiteinteilung da leichter ist, als Koch in verschiedenen Betrieben tätig (und weil i da besser verdien als in den meisten Betrieben zuvor!!)

      Jobangebote gibts zu Hauf, aber zahlen will kaum jemand anständig… Vorallem das Verhältnis aus Arbeitszeiten, Stress und Verdienst is immer schon a kompletter Witz gwesen!

      Meiner Meinung nach is das Hauptproblem bei uns, dass Gastro und Tourismus schlecht gewerkschaftlich organisiert sind…(wurde angeblich öfters versucht, aber immer wieder gescheitert)

      Die Vida sollte uns vertreten, aber die wenigsten Gastroangestellten san überhaupt dabei (oder auch nur informiert darüber), somit schauts bei Kollektivvertragsverhandlungen meist so aus, dass das Gewicht eher auf Seiten der WKO liegt…
      Und wir wissen ja wessen Wünsche die vertreten!

      Zusätzlich is es ohnehin schwer Änderungen den Kollektivvertrag in dieser Branche auf an gemeinsamen Nenner zu bringen (ZBsp: Saisongeschäft, Stadt/Land Unterschiede, Betriebsräte in kleinen Betrieben, Trinkgeldverrechnung/versteuerrung, etc…)

      Damit hat man auf der einen Seite, kaum Einfluss der eigenen Interessensvertreter, und auf der anderen a sehr breites Verhandlungsfeld mit vielen komplexen Verstrickungen die berücksichtigt werden müssen. (+ WKO Verhandler die wissen was los is)

      Also i denk, deshalb ändert sich schon lange, auch an bekannten problemen, wenig bis gar nix…

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