Neos-Verkehrssprecher Oberhofer lehnt die Vorstellungen des Verkehrsministers ab. Auch manche Fachleute sind skeptisch

    In seinem tiefsten Inneren hat es Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) wohl längst gewusst. Zwar kündigte er Ende Juli an, dass sein Ressort eine Helmpflicht bei der Benützung von E-Mopeds, E-Scootern und E-Bikes ausarbeiten werde: "Mein Vorschlag liegt auf dem Tisch, ich möchte das haben, ich möchte das umsetzen"zitiert ihn der Liefermann dazu. Aber, so Hanke laut dem Bericht: "Leider Gottes werde ich dazu jetzt Diskussionen zu führen haben." Und genau so wird es kommen.

    Denn wie der Liefermann weiter berichtet, spricht sich zum Beispiel der Verkehrssprecher der Neos, der Tiroler Dominik Oberhofer, gegen diese Pläne aus: E-Bikes würden schließlich "ab 25 km/h auf Muskelkraft gedrosselt werden und daher motorgestützt nicht in kritische Geschwindigkeitsbereiche kommen, in denen eine Pflicht argumentierbar wäre"wird er im Bericht zitiert. Anders argumentiert er bei den E-Scootern. Dort, so Oberhofer, würde eine Helmpflicht "das Verleihsystem vor unfassbare Probleme" stellen.

    ÖVP möchte verhandeln

    Anders klingt da schon die Stellungnahme von ÖVP-Verkehrssprecher Joachim Schnabl: Er wolle den Verhandlungen nicht vorgreifen, sagt aber auch, dass "gerade der starke Anstieg der Kopfverletzungen bei E-Scooter-Fahrern für alle ein Grund zur Sorge sein sollte".

    Auch Fachleute waren kurz nach Bekanntwerden von Hankes Plänen geteilter Meinung. Klaus Robatsch, Bereichsleiter für Forschung und Wissensmanagement im Kuratorium für Verkehrssicherheit, sagte etwa damals zum STANDARDdass der Umstieg auf E-Bikes oft für Probleme sorge: "58 Prozent der Befragten haben beim Umstieg vom Fahrrad auf ein E-Bike Probleme mit dem höheren Gewicht, 27 Prozent mit dem anderen Bremsverhalten und 26 Prozent mit dem höheren Tempo."

    Radlobby und VCÖ skeptisch

    Ähnlich wie Oberhofer argumentierte hingegen die Radlobby, sie befürchtete einen Rückschlag für die Verkehrswende und verwies darauf, "dass ein Ausbau der Radinfrastruktur sinnvoller wäre und mehr Radunfälle verhindern würde"wie DER STANDARD bereits berichtete. Und auch der Verkehrsclub Österreich warnte in einer Aussendung "vor negativen Folgen einer Helmpflicht für Elektrofahrräder und E-Scooter"er sah etwa rechtliche Probleme: "Damit würden Unfallopfer automatisch Teilschuld bei Unfällen bekommen, sobald sie keinen Helm tragen, sogar dann, wenn sie von einem Raser oder Alkolenker niedergefahren werden."

    Außerdem argumentierte der VCÖ weiter, dass es andere Möglichkeiten gebe, Radfahrerinnen und Radfahrern das Leben auf Österreichs Straßen sicherer zu machen: "Die wichtigste Maßnahme ist eine gute Radinfrastruktur. Im Vorjahr passierte kein einziger tödlicher E-Bike-Unfall auf einem Radweg oder einer anderen Radverkehrsanlage." (Maximilian Werner, 12.9.2025)

    https://www.derstandard.at/story/3000000287431/hanke-moechte-eine-helmpflicht-fuer-e-bikes-und-e-scooter-die-ganze-koalition-aber-nicht

    Von CasualStockbroker

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    10 Kommentare

    1. Dann sollte mmn allgemein eine Helmpflicht eingeführt werden.
      Mit einem normalen Fahrrad bin ich ein paar km/h schneller unterwegs als mit meinem E-Bike, kann da nichts passieren da keine Unterstützung oder wie?

    2. syncronized_wobble on

      Mir kommt vor wir sind wieder in den 70ern und diskutieren die Gurtpflicht für Autos und Helmpflicht für Motorräder.

      Z’wos brauch ma des? Staatliche Bevormundung! Mei Freiheit! I foa seit 20 Joar ohne des und leb a no! Des is nur dass de Helmproduzenten uns aussackln können!

    3. Find die Argumente dagegen echt schlecht. Überlegt tatsächlich wer NICHT mit dem Rad zu fahren weil er vielleicht einen Helm tragen muss?
      Und die ewige Diskussion über die „radinfrastruktur“ als Totschlagargument ist lächerlich. Natürlich wären mehr und bessere radwege toll. Und trotzdem braucht man eine verdammten Helm um Verletzungen zu verhindern.

    4. Erinnert mich an die Raucher/Nichtraucherdoskussion in der Gastronomie. Zuerst teure Halbheiten,dann siegt doch die Vernunft. Aber mit „Vernunft“ braucht man heutzutage fast niemandem mehr kommen…

    5. Immer der selbe Schmarn. Die Politik ist um nichts besser als irgend ein Stammtischgelabere.

      Fakt ist, Radfahren wirkt sich extrem positiv auf unsere Gesundheit aus. Obwohl die Infrastruk scheiße ist, die Luft auf den Straßen schlecht und Autofahrer in diesem Land rücksichtslos. Selbst beim Status-Quo (der überhaupt nicht so bleiben muss) ist alles was sich negativ auf den Radverkehr auswirkt und diesen unpraktikabler macht negativ für unsere Gesundheit.

      Wir wissen dass sich eine Helmpflicht extrem negativ auf die Alltagstauglichkeit des Radfahren auswirkt. Beispiel, sämtliche Leihradsysteme kann man sofort wieder abbauen. Kein Citybike mehr etc. Wer sich mit dem Helm schützen will kann dies ohnehin jederzeit. Die faktische Risiko Reduzierung durch eine Pflicht ist relativ gering, weil die Risikogruppen (z.B. Rennradfahrer) etc. ohnehin fast durchgängig Helm tragen.

      Zusätzlich ist es eine Schein Diskussion. Die Wirkung eines Fahrradhelmes ist nur sehr eingeschränkt. Wichtig ist in erster Linie gute, sichere Infrastruktur. Etwas was wir in Österreich nicht zusammen bekommen, in erster Linie durch die Inkompetenz der Politiker und Behörden bei diesem Thema. So ist es z.B. in den Niederlanden sicherer ohne Helm Rad zu fahren als in Österreich mit (auf DALY gerechnet).

      Unterm Strich also negativ. Das ist auch der Grund warum es weltweit quasi keine Helmpflicht für Radfahrer gibt. Dort wo es sie gibt (3-4 Länder) wird sie quasi nicht exekutiert.

    6. Bin mal mit dem E-Bike meiner Mutter gefahren und mich hat’s schon erschrocken, wie schnell man damit beschleunigt. Das ist nochmal ganz was anderes als „normales“ Radfahren.

    7. Sehe so oft wie Leute auf den Rollern mit kranken Geschwindigkeiten und Teils kleinem Kind vorn mit drauf ohne Helme durch Gassen heizen als hättens alle 5 Leben oder so

      Jede ma halbe Herzinfarkt nur vom sehen

    8. No_Wasabi4818 on

      Nur mal zum Nachdenken für alle Pflichtfans:

      Wissenschaftlich ist es umstritten, ob eine Helmpflicht überhaupt irgendeinen gesundheitlichen Gesamtnutzen hat. Wir wissen aus anderen Ländern, dass Helmpflicht Fahrradfahren deutlich unattraktiver macht und daher auch der gesundheitlichen Nutzen von Fahrrad fahren reduziert. Aus einer liberalen Perspektive sollte eine Freiheitseinschränkung immer einen deutlichen Nutzensvorteil haben. Außer man mag einen Staat, der einfach mit Bauchgefühl Verbote raushaut.

      30 km/h Innerorts wäre die viel bessere Regelung, sowohl für Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, als auch fürs Klima. Wer das nicht fordert, aber Helmpflicht, der ist auch nicht wirklich an Sicherheit interessiert, sondern macht nur Klientelpolitik.

      Länder die sehr viel besser bei dem Thema Fahrradfahren/Verkehrwende sind verzichten alle auf Helmpflicht. Und das ist auch kein Zufall. Österreich ist jetzt schon rechtlich sehr gegen Fahrradfahren aufgestellt. Es wird mit mehr Verboten nicht besser.

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