Ein Fahrzeug fährt durch den dunklen Schacht einer Goldmine.

    Die finnische Goldmine „Kittilä “ ist eines der größten bekannten Goldvorkommen in Europa (Archivbild, 2015) (picture alliance / dpa / Heikki Saukkomaa)

    Sie stecken in Chips, Windrädern und modernen Waffensystemen: „kritische Rohstoffe“ sind unverzichtbar für Europas Energiewende und Aufrüstung. Doch bei Kobalt, Nickel und Seltenen Erden ist die EU abhängig von Staaten wie China, der Türkei und dem Kongo. Daher sollen die wichtigen Rohstoffe künftig verstärkt auch in der EU abgebaut werden. Das sieht der Critical Raw Materials Act vor.
    Das Problem: Die Gewinnung von Kobalt und Co. rechnet sich in der EU oft wirtschaftlich nicht. Zumindest, wenn sie in eigenen Minen erschlossen werden. Eine Lösung könnte der Abbau von Gold in der EU sein. Doch dafür gibt es beträchtliche Hürden.
    Kritische Rohstoffe als Nebenprodukt des Goldbergbaus 
    Dort, wo das Edelmetall im Boden liegt, finden Explorationsunternehmen oft auch kritische Rohstoffe. Beim Goldbergbau können sie als Nebenprodukte aus der Erde geholt werden. Die Förderung des Edelmetalls könnte den Abbau wichtiger Rohstoffe gegenfinanzieren.

    Im Fokus von Forschern und Unternehmen steht vor allem Finnland. Dort befinden sich die zwei größten Goldlagerstätten Europas, erklärt Jochen Kolb, Professor für Geochemie in Karlsruhe. Das Land habe im Gegensatz zu anderen EU-Staaten die Besonderheit, über Lagerstätten mit Kupfer, Seltenen Erden und Kobalt zu verfügen. Da Finnland zur EU gehört, sind die Umweltauflagen hoch. Kinderarbeit gibt es – im Gegensatz zu anderen Abbauregionen der Welt – nicht.
    Goldabbau in Finnland: Hoher Aufwand für winzige Goldkörner
    Das finnische Gold liegt, wie drei Viertel des weltweit geförderten Edelmetalls, in „orogenen Lagerstätten“. Das heißt, es ist in Form winziger Körnchen im Gestein eingeschlossen. Um den begehrten Rohstoff zu fördern, müssen Bergbaukonzerne riesige Mengen an Erzgestein zermahlen. Für einen Ertrag von 3.600 Tonnen Gold wird jährlich weltweit Gestein im Volumen eines mittleren Alpenbergs pulverisiert. 

    Aber schon das Aufspüren der Goldquellen ist enorm aufwendig – und wirtschaftlich riskant. „Man braucht wahrscheinlich 100 bis 1.000 Projekte, um eine Lagerstätte zu finden“, schätzt Rohstoff-Experte Kolb.
    Proteste in Lappland: Umweltrisiko Cyanid beim Goldabbau
    Hinzu kommt: In der Bevölkerung kommen die Bergbauprojekte nicht ausschließlich gut an. Finnische Bürgerinitiativen protestieren gegen den Abbau. Doch bei legitimen Protesten scheint es nicht zu bleiben. Noora Ahola ist Chefin der Mawson Finland Ltd., einem Bergbauunternehmen, das in Lappland nach den Bodenschätzen sucht. Sie berichtet von Drohanrufen und Morddrohungen gegen ihre Kinder. Der Vorwurf: Das Unternehmen wolle Finnlands Natur zerstören.

    Ahola zufolge sind die Vorwürfe der Kritiker unbegründet. Doch sind sie das? Um Gold aus dem Erz zu lösen, verwenden Bergbaufirmen giftige Cyanidlauge, die nicht in den Boden gelangen darf. Außerdem enthalten viele Erze Schadstoffe wie Arsen. Der finnischen Mine Laiva Gold wurde im April 2025 die Betriebsgenehmigung entzogen, weil sie Boden und Wasser verschmutzt hatte.
    Kritik am Critical Raw Materials Act: Zu langwierige Genehmigungen
    Kann die EU mit dem Critical Raw Materials Act die Abhängigkeit von Drittstaaten verringern? Der Europäische Rechnungshof ist nicht überzeugt: Die Ziele seien unverbindlich, die Daten zu den kritischen Rohstoffen veraltet und die Genehmigung von Bergbauvorhaben zu langwierig.

    Das Zehn-Prozent-Ziel für die heimische Förderung ist dem Rechnungshof zufolge auch zu pauschal. Bei manchen kritischen Rohstoffen kommt schon heute weit mehr aus europäischen Bergwerken, bei anderen wie den seltenen Erden praktisch gar nichts.
    Deutscher Rohstofffonds: Zu wenig Geld für heimischen Bergbau? 
    Und auch wenn viele Staaten den Bergbau stärker subventionieren wollen, das Geld reiche nicht, meint Siyamend Al Barazi von der Deutschen Rohstoffagentur. Die Behörde beobachtet im Auftrag der Bundesregierung den Rohstoffweltmarkt.
    Die USA hätten allein im Rahmen der beiden jüngsten größeren Förderprogramme knapp 30 Milliarden US-Dollar für Rohstoffprojekte und Rohstofflieferketten „quasi angekündigt und zum Teil auch schon investiert.“ In Deutschland etwa gebe es den Deutschen Rohstofffonds. „Aber da reden wir von Millionen- bis kleinen Milliardenbeträgen. Im Rohstoffsektor ist das wenig.“ 

    Radiobeitrag: Max Rauner, Onlinetext: Tobias Kurfer, Quellen: Deutschlandfunk, UNICEF, Lyell Collection 

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