Viele Europäer feiern Trumps Wahlschlappe. Geopolitik-Experte Klemens Fischer bremst diese Euphorie scharf ab. Seine Warnung: Wer glaubt, ein geschwächter Trump sei ein besserer Trump, könnte sich gewaltig täuschen.Für viele Europäer ist eine Wahlschlappe Trumps gleichbedeutend mit einem Sieg der Demokratie. Fischer teilt diese Lesart nur bedingt. „Da könnte uns die Freude und das Lachen im Hals stecken bleiben“, warnt er. Denn die politische Realität sehe anders aus, als die Erleichterung vermuten lasse.Über Klemens FischerKlemens Fischer ist Honorarprofessor für Internationale Beziehungen und Geopolitik an der Universität zu Köln. Von 1993 bis 2022 war er Angehöriger der österreichischen EU-Botschaft in Brüssel. Fischer studierte Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre an der Johannes-Kepler-Universität Linz, wo er 1989 mit einer Dissertation zum Völkerrecht promovierte.Seine Kernthese: Ein Trump, der beide Kongresskammern gegen sich hat, ist kein gezähmter Trump, sondern möglicherweise ein noch unkontrollierterer. Laut Fischer habe der Präsident nun keine Notwendigkeit mehr, auf irgendjemanden Rücksicht zu nehmen. Die Wahlschlappe schwäche ihn nicht – sie befreie ihn.ANZEIGELosgelöst von allen BandenFischer skizziert einen Präsidenten, der politisch weitgehend ungebunden agiere. Trump habe den Kongress schon zuvor nicht ernst genommen, sagt Fischer, und werde das auch jetzt nicht tun.„Ein Trump, der niemandem mehr Rechenschaft schuldig ist, […] ist eigentlich losgelöst von allen möglichen Banden.“Das einzige verfassungsmäßige Korrektiv, das ihn noch in Schach halte, sei der Supreme Court, so Fischer. ANZEIGEFischer zufolge ist das eine schwierigere Ausgangslage als bisher. „Für Europa bedeutet das, dass wir es noch schwerer haben werden, Trump irgendwie positiv für die Ukraine zu stimmen, denn er hat jetzt keine Notwendigkeit mehr dafür.“ Auch in der Handelspolitik sei nicht mit Entspannung zu rechnen.Ein erratischerer Präsident als KonsequenzFischer rechnet damit, dass Trump seine bisherige Linie nicht nur fortsetzt, sondern womöglich verstärkt. Europa müsse sich darauf einstellen, „einen noch erratischeren und vielleicht sogar noch übermäßiger agierenden Präsidenten“ zu erleben. Der Wegfall politischer Rücksichten wirke in diese Richtung.Die europäische Erleichterung über das Wahlergebnis sei daher nachvollziehbar, aber trügerisch, so Fischer.
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