Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat dem russischen Außenminister Sergej Lawrow beim G20-Außenministertreffen in den USA vorgeworfen, dort Lügen über den Ukraine-Krieg verbreitet zu haben. „Natürlich hat er viele Lügen, viele falsche Darstellungen vorgebracht, die wir anschließend widerlegen konnten“, sagte Kallas am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Lawrow habe keine Bereitschaft Moskaus zu Friedensverhandlungen erkennen lassen. Lawrow sei bei den Beratungen „ziemlich provokant“ aufgetreten, sagte ein weiterer europäischer Diplomat vor Journalisten.Auf die Frage, ob Lawrow Anzeichen für ein Einlenken gezeigt habe, antwortete Kallas mit „Nein“. „Selbst wenn sie dies mit Worten behaupten würden, sprechen ihre Taten eine andere Sprache“, sagte sie über die russische Führung. Die Monate Juli, August und September seien für Zivilisten in der Ukraine die tödlichsten gewesen. Russland müsse „mit Taten zeigen, dass es zu Verhandlungen bereit ist“, fügte sie hinzu. „Aber das ist es ganz eindeutig nicht.“ Mehrere Länder verweigern Gruppenfoto Das Treffen der G20-Außenminister ist am Freitag von tiefen Gräben wegen der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten überschattet worden. US-Außenminister Marco Rubio rief die Teilnehmer in Atlanta zwar zu mehr Zusammenarbeit auf. Die Teilnahme von Lawrow sorgte für erhebliche Spannungen. Aus Protest gegen die Anwesenheit Lawrows verzichteten die Minister auf das traditionelle Gruppenfoto.Im Saal nahm Lawrow zwischen dem mexikanischen und dem saudischen Außenminister Platz. Viele andere Minister mieden Lawrow. Der polnische Außenminister Sikorski erklärte vor Journalisten, wenn man als Russland Teil einer Gruppe wie den G20 sein wolle, habe man sich auch auf eine gewisse Weise zu benehmen. Angriffskriege gegen Nachbarstaaten würden nicht dazu gehören.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Bundesaußenminister Johann Wadephul hatte bereits vor der ersten Sitzung klargemacht: „Auf keinen Fall wird es ein Familienfoto mit europäischen Partnern und Herrn Lawrow zusammen geben, denn (…) es gibt keine Normalität mit Russland“. Er forderte Russland auf, „endlich das Angebot der Ukraine zu einem Waffenstillstand anzunehmen“.Einem westlichen Diplomaten zufolge hatte sich ein Drittel der Teilnehmer, darunter Australien und Kanada, gegen ein Foto mit Lawrow ausgesprochen. Ein US-Vertreter sagte, das Außenministerium habe das Foto von der Tagesordnung genommen, um ein Spektakel oder eine Ablenkung zu vermeiden.Mehr zum ThemaKaviar für Trumps Leute Putins „Clown“ wickelt die Ukraine-Verhandler um den Finger – aber Frieden bringt es nicht Ischinger zu Russlands aggressivem Kurs „Wir sollten nicht nachlassen, uns auf die neue Bedrohungslage einzustellen“ „Über wesentliche Punkte nicht einig geworden“ Warum sich Außenminister Wadephul das Treffen mit Lawrow angetan hat Die USA als Gastgeber hatten versucht, den Fokus auf Handelsungleichgewichte und den Aufbau einer Koalition gegen Chinas Kontrolle über kritische Mineralien zu lenken. Für viele G20-Mitglieder blieben jedoch die Kriege und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen das Hauptanliegen.Die europäischen G20-Mitglieder unterstützen die Ukraine und lehnen die jüngsten Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump zu Russland ab. Dazu gehören ein Abkommen zum Kauf von Diesel und die Aussetzung einiger Sanktionen. Die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Kaja Kallas, kündigte an, sie werde auf eine stärkere Unterstützung für die Ukraine drängen. (Reuters/jmi)
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