Zusätzliche Gelder in Höhe von über 210 Millionen Euro sollen die Postdoktorandenstipendien (Postdoctoral Fellowships) und die Doktorandennetzwerke (Doctoral Networks) in den Jahren 2026 und 2027 stärken. Das hat die EU-Kommission am 1. Oktober 2026 auf einer Veranstaltung anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen (MSCA) bekannt gegeben. Die Fördermaßnahmen sind Teil des Programms „Choose Europe“ mit dem Ziel, Forschungstalente für den Kontinent zu gewinnen und an ihn zu binden.
Die Aufstockung ist demnach eine Reaktion auf eine Rekordnachfrage: Für die MSCA-Postdoktorandenstipendien des Jahres 2026 gingen 21.627 Anträge von Forschenden aus der ganzen Welt ein. Dies ist laut EU-Kommission die höchste Zahl, die jemals für eine Fördermaßnahme innerhalb der EU-Rahmenprogramme für Forschung und Innovation eingereicht wurde. Laut dem Nachrichtenportal Science Business waren das rund 27 Prozent mehr Anträge als im Vorjahr und rund doppelt so viele wie 2024, sodass nur noch eine Erfolgschance von etwa 7,4 Prozent bestehe.
Die Aufstockungs-Ankündigung erfolgte im Anschluss an die Verabschiedung des geänderten Arbeitsprogramms 2026–2027 für das EU-Forschungsförderungsprogramm Horizon Europe (2021–2027) durch die Kommission. Zu den Änderungen vom 29. September gehört, dass zusätzliche 500 Millionen Euro für Horizon Europe bereitstellt werden. Mit diesem zusätzlichen Betrag beläuft sich das Gesamtbudget dieses Programms für die beiden Jahre auf rund 14,8 Milliarden Euro.
Fördermittel-Höchstniveau = höherer „Brain Gain“ für Deutschland?
Durch die zusätzlichen Mittel erreichen die Budgets demnach sowohl für die Postdoktorandenstipendien als auch für die Doktorandennetzwerke ein historisches Höchstniveau: Für das Jahr 2026 wird das Budget für MSCA-Postdoktorandenstipendien 434 Millionen Euro (plus 35 Millionen) erreichen, während für MSCA-Doktorandennetzwerke 628 Millionen Euro (plus 35 Millionen) vorgesehen sind.
Im Jahr 2027 werden die Mittel laut Beschluss weiter aufgestockt: auf 459 Millionen Euro (plus 71,13 Millionen) für Postdoktorandenstipendien und 645 Millionen Euro (plus 71,37 Millionen) für Doktorandennetzwerke. Durch die erhöhte Finanzierung sollen mehr als 700 zusätzliche Forschende gefördert werden. Nach aktuellen Schätzungen könnten im Rahmen der Ausschreibung für Stipendien 2027 insgesamt mehr als 1.800 Postdoktorandinnen und Postdoktoranden sowie bei der Ausschreibung für Doktorandennetzwerke mehr als 2.000 Promovierende unterstützt werden. Die Nachfrage nach beiden Maßnahmen werde jedoch voraussichtlich weiterhin deutlich über den verfügbaren Mitteln liegen, räumt die Kommission in einer Pressemitteilung ein.
Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, erklärte dazu, Forschende wüssten, dass man in Europa die Wissenschaft wertschätze und fördere, sodass „Europa ein Umfeld bietet, in dem sich Talente und Ideen entfalten können“. Mit den zusätzlichen Mitteln stärke die EU ihr Engagement für Spitzenforschung und stelle sicher, dass die europäischen Gesellschaften und Volkswirtschaften von bahnbrechendem Wissen, neuen Ideen und Innovationen profitieren können. Roxana Mînzatu, Exekutiv-Vizepräsidentin für soziale Rechte und Kompetenzen, hochwertige Arbeitsplätze und Vorsorge, ergänzte: „Bei der ‚Union der Kompetenzen‘ geht es darum, in Menschen zu investieren und sicherzustellen, dass Europa über die Talente und Fähigkeiten verfügt, die es für seinen Erfolg benötigt. Forschende stehen im Mittelpunkt dieses Ziels.“ Die MSCA würden Forschenden dabei helfen, ihre Kompetenzen grenz- und sektorübergreifend zu erweitern und sich „eine nachhaltige Karriere in Europa“ aufzubauen.
Mehrere Stimmen aus dem deutschen Wissenschaftssektor haben indes betont, dass für das Programm „Choose Europe“ zusätzliche Gelder zwar wichtig seien, allein jedoch nicht ausreichten, um einen „brain gain“ zu erzeugen. Dazu gehören beispielsweise die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Deutsche Akademische Austauschdienst: In einem gemeinsamen Roundtable-Bericht hoben sie hervor, dass neben der Finanzierung auch Rahmenbedingungen wie Einwanderungsregeln, Wissenschaftsfreiheit, administrative Verfahren, Visa- und Promotionskosten sowie insbesondere die Aussicht, nach Ende einer Fördermaßnahme eine tragfähige Karriere fortsetzen zu können, entscheidend für die Attraktivität eines Wissenschaftsstandorts seien. Hier konkurriere Deutschland mit anderen Ländern innerhalb Europas.
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