Russlands hybride Angriffe versetzen Europa in Unruhe, doch der finnische Präsident Alexander Stubb hält nichts von Panikmache. Im Interview bezeichnet er das Handeln einiger Geheimdienste als „Überreaktion“ – und lobt Deutschland.Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Angesichts zunehmender Warnungen vor einer weiteren russischen Eskalation hat der finnische Präsident Alexander Stubb eine Botschaft an die europäischen Partner: Keep calm and carry on.In den vergangenen Tagen schlugen hochrangige europäische Politiker zunehmend Alarm wegen Russlands verschärfter hybrider Kriegsführung. So warnte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, Moskau könne in den „nächsten Monaten“ Drohnen oder Raketen in den Luftraum von Nato-Staaten schicken, welche die Ukraine unterstützen. Der Chef des tschechischen Inlands-Nachrichtendienstes warnte ebenfalls vor einer Eskalation innerhalb von „Monaten, nicht Jahren“: Dies könne ein „begrenzter Einfall, Provokationen unter falscher Flagge oder eine massive Einflusskampagne“ sein.Nun versucht Stubb, zu beruhigen: Obwohl er einräumt, dass sich Europa auf „anhaltende hybride Angriffe und Sabotageakte“ seitens Russlands vorbereiten müsse, warnt der finnische Präsident Europa davor, „überzureagieren“. Schließlich setze Moskau auf die Verbreitung von Angst, um damit den öffentlichen Rückhalt für Europas Ukraine-Unterstützung zu schwächen.„Wir müssen sehr vorsichtig sein und verstehen, dass Russland versucht, Europa zu destabilisieren und einzuschüchtern. Und jedes Mal, wenn wir auf einen hybriden Angriff überreagieren, haben sie in dieser Hinsicht tatsächlich die Schlacht gewonnen“, sagte Stubb im Interview mit der WELT-Partnerpublikation „Politico“ am Rande der UN-Generalversammlung in New York.Lob für Deutschland – und Kritik an Geheimdiensten„Wir müssen auch verstehen, dass es weder im Interesse Russlands liegt noch in seiner Macht steht, eine militärische Eskalation in vollem Umfang zu betreiben“, fügte der finnische Präsident hinzu. „Sie werden also weiterhin versuchen, uns einzuschüchtern, und wir müssen in dieser Situation, wie ich es sagen, gelassen, ruhig und besonnen bleiben.“Stubb lobte die Entscheidung Deutschlands, Russland die Verantwortung für den versuchten Drohnenangriff in Leipzig zuzuschreiben: „Genau das muss man tun. Man muss mit dem Finger auf den Verantwortlichen zeigen und sagen: Wir wissen, was ihr tut, und das sind die Konsequenzen.“ Im Gegensatz dazu wies Stubb jedoch auf die „Überreaktion“ einiger Geheimdienste hin, die „im Grunde genommen sagen: ‚Nun, ihr seid die Nächsten‘“, was eine russische Invasion angehe.„Wir sehen dafür keine Anzeichen“, sagte er und fügte hinzu: „Wir sind der Meinung, dass wir wachsam und aufmerksam bleiben müssen. Aber wissen Sie, wir haben die längste Grenze innerhalb der Nato zu Russland, sie macht die Hälfte der Gesamtgrenze aus. Unseren Geheimdienstinformationen zufolge gibt es zwar Aktivitäten, aber derzeit keine unmittelbare militärische Bedrohung.“Stubb äußerte zudem vorsichtige Hoffnung im Hinblick auf ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj am Dienstag in New York.„Es ist klar, dass wir hier in dieser Woche kein Friedensabkommen erzielen werden“, sagte er. „Aber wenn wir beispielsweise eine Idee oder einen Rahmen für einen Waffenstillstand im Schwarzen Meer im Zusammenhang mit Getreide oder Energie finden würden, wäre das meiner Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung.“Stubb fügte hinzu, er hoffe auf weitere Friedensgespräche in den kommenden Wochen, darunter möglicherweise ein Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Selenskyj beim G-20-Gipfel im Dezember in Miami.„Mal sehen, was Präsident Trump für das G-20-Treffen bewirken kann. Ist er in der Lage, Selenskyj und Putin an einen Tisch zu bringen?“, sagte er. Dies sei „eine Möglichkeit“ und wäre „ein Jackpot“, auch wenn die Verhandlungen derzeit noch „weit davon entfernt“ seien.Der finnische Präsident wies zudem Spekulationen zurück, er könnte bei den bevorstehenden Friedensgesprächen mit Russland als Europas oberster Verhandlungsführer fungieren.„Nein, ich glaube nicht, dass das geplant ist“, sagte Stubb. „Ich glaube nicht, dass Europa einen einzigen Vertreter in dieser Rolle haben wird.“ Seine Rolle sei eher, „hinter den Kulissen zu helfen“.

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