Vor dem Finish geht es für Jonas Deichmann und Josefine Rutkowski noch einmal in die Vollen. Aufgrund von Großfeuern in Osteuropa müssen sie ihre Route anpassen. Der Straßenverkehr wird zur reellen Gefahr für die Gesundheit und Hitze sowie Höhenmeter zehren an den Kräften. Nebenbei stellt Jonas Deichmann einen neuen Rekord auf. Privat Durch den Rauch: Waldbrände führten dazu, dass Josefine Rutkowski und Jonas Deichmann ihre Route auf dem Balkan anpassen mussten. Wenn jemand wie Jonas Deichmann von „brutalen“ Bedingungen spricht, dann ist das nicht einfach so dahergesagt. Ein Abenteurer, der mehrere Rekordfahrten auf dem Rad hinter sich gebracht hat, lässt sich so schnell nicht zu derartigen Einschätzungen verleiten. Demnach war die vergangene Woche noch einmal eine echte Herausforderung für den Extremsportler und seine Partnerin Josefine Rutkowski bei ihrem Projekt „Around Europe“, bei dem sie Kontinentaleuropa mit dem Fahrrad umrunden. rund 23.000 der anvisierten 24.000 Kilometer haben die beiden mittlerweile absolviert und damit einen Rekord aufgestellt. „Es ist auch für mich die längste Fahrradtour, die ich jemals gemacht habe. Länger als die Panamericana von Alaska nach Feuerland“, betont Deichmann. Dass der letzte Abschnitt aber kein lockeres Ausrollen wird, haben sie in der zurückliegenden Woche eindrucksvoll erfahren. Durchatmen? Noch nicht! Nachdem beide in Griechenland den letzten Wendepunkt erreicht hatten, dachten sie eigentlich, sie könnten mehr oder weniger durchatmen. „Mental macht das einen Riesenunterschied. Du musst dir das nur einmal auf der Karte anschauen. Eine Europaumrundung wirkt ganz anders als eine Strecke von Nord nach Süd mit klarem Ziel. Nach dem letzten Wendepunkt fahren wir jetzt endlich nach Hause in die richtige Richtung – so fühlt es sich zumindest an“, so Deichmann, der sich mit seiner Partnerin seit der Fahrt durch Griechenland mit extremer Trockenheit und starker Hitze konfrontiert sah. Und noch mehr: Die Versorgungslage war schwierig. „In Griechenland wird mittags Siesta gemacht und wirklich alles hat geschlossen. Das ist bei den Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius eine Herausforderung, aber irgendwie ging es dann doch.“
Privat Abenteuerliche Pfade: Abseits der Küste warten ungewohnte Wege auf die Extremsportler. Die zurückliegende Woche auf dem Balkan bezeichnet der Abenteurer dann als „brutal“ aufgrund der Hitze und der Straßenverhältnisse. Zunächst hatte es aber anders ausgesehen. „Albanien war im Hinterland ein absoluter Traum“, betont Deichmann. „Das waren so geile Straßen, mit richtig hohen Bergen und wunderbaren Flusstälern. Megaschön. So sind wir den ersten Tag dort durchgefahren. Am zweiten Tag gab es leider keine Alternative zur Küsteneben. Das war das komplette Gegenteil. Es gibt dort eine Straße mit vielen Schlaglöchern und richtig viel Verkehr. Der ist rücksichtslos an uns vorbeigefahren, teilweise haben die Autos mit nur zehn Zentimetern Abstand überholt“ schildert der Abenteurer die Erlebnisse. „Albanien ist wirklich das Land der Kontraste gewesen. Mit dem schönsten Teil der Route – und dem schlechtesten. Das muss man ganz klar so sagen.“ Unbarmherzige Hitze Die Hitze ließ auch in Montenegro nicht nach. „Zwei Wochen am Stück diese Riesenhitze und eine schwierige Versorgungslage. Das zehrt ganz schön ann den Kräften.“ Hinzu kam, dass beide in Montenegro viel klettern und die Route anpassen mussten. „Dort und in Bosnien hat es an mehreren Stellen gebrannt. Wir sind dann erst durchs Hinterland gefahren. Auf der Höhe der Bucht von Kotor sind wir zurück an die Küste gekommen. Es ist krass, den Verkehr dort zu sehen. Die Adriaküste sollte man als Fahrradfahrer im Sommer komplett meiden.“ Aus bekannten Gründen. „Wir sind froh gewesen, als wir wieder abbiegen konnten.“ Dicke Luft Von Montenegro ging es über einen kleinen Pass nach Bosnien. Waldbrände begleiteten auch dort die Route, teilweise mussten Deichmann und Rutkowski die Straßen durch diese Gefahrenherde nehmen, bei denen das Feuer in der Nähe der Wege brannte und neben Rauch auch Asche in der Luft lag. „Es war zum Glück eine Abfahrt. Daher war es von der Atmung her kein so großes Problem. Beim Hochfahren wäre es sicher kritischer gewesen. Insgesamt war es keine schöne Erfahrung und krass zu sehen, wo es überall brennt und in welchem Ausmaß.“ Der Herbst hält Einzug – im Sommer Nach einem Tag durch Bosnien überquerten die Extremsportler die Grenze zu Kroatien und hielten sich auf kleineren asphaltierten Straßen im Hinterland auf. „Im Vergleich zur Küste hat man dort seine Ruhe, mit vielen Höhemmetern und Hitze. Landschaftlich war das richtig schön und es gab eine bessere Infrastruktur mit Supermärkten.“ Am Dienstag schließlich erreichten beide Slowenien. Durchatmen: „Hier wird es wieder grüner und es regnet teilweise. Aber die Spuren der langanhaltenden Hitzewelle sind sichtbar: Die Wälder sehen schon aus wie im Herbst, braune Blätter liegen auf der Straße. Das ist zwei Monate zu früh.“
Privat Gut gelaunt: Nach dem letzten Wendepunkt herrscht das Gefühl vor, dass es nach hause geht. Am heutigen Mittwoch führt die Route durch Slowenien und über den Wurzenpass in den Alpen nach Kärnten in Österreich. Das Ziel rückt näher – aber nicht, ohne noch ein paar Highlights bereitzuhalten. Unter anderem steht der Großglockner, mit 3798 Metern der höchste Berg Österreichs, auf dem Programm. „Von dort aus geht es schon fast runter nach Deutschland“, sagt Deichmann. Samstagnachmittag will er mit Josefine Rutkowski in München eintreffen. Nach 24.000 Kilometern rund um Europa.
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