Na, des is ka Tippfehler.

Ich behaupte nicht, dass weniger Klimapolitik physikalisch das Klima schützt.

Mei Überlegung ist eine politische: Unter den aktuellen österreichischen Bedingungen könnte die Abschaffung der CO2-Steuer der schnellste Weg sein, um wieder eine Mehrheitslage herzustellen, in der ernsthafte Klimapolitik überhaupt noch durchsetzbar ist.

Das Problem ist nicht die Grundidee.

Ökonomisch ist CO2-Bepreisung durchaus sinnvoll: Wer Schäden verursacht, soll dafür zahlen.

Das Problem is, dass Politik nicht im Lehrbuch stattfindet, sondern auf Vertrauen basiert. Und genau des Vertrauen wurde in Österreich beschädigt.

Seit 2025 gibt es keinen Klimabonus mehr, während die CO2 Steuer geblieben is, die nachweislich die unteren Einkommensschichten relativ mehr belasten als die oberen Einkommensschichten. Quelle dazu

Die Botschaft, die bei vielen Menschen ankommt, ist simpel: Die Belastung bleibt, der Ausgleich fällt weg.

Genau das ist politisch brandgefährlich. Forschung zu CO2-Preisen zeigt seit Jahren, dass Zustimmung stark von Fairness, sozialer Abfederung und politischem Vertrauen abhängt. Wenn Menschen dem Staat nicht zutrauen, Belastung und Ausgleich fair zusammenzuhalten, kippt die Akzeptanz. Dann wird aus einem theoretisch sinnvollen Instrument in der Praxis ein Symbol staatlicher Unzuverlässigkeit. Quelle dazu

Und jetzt kommt der eigentlich entscheidende Punkt:

Politik ist sequenziell. Eine Maßnahme ist nicht automatisch gut, nur weil sie im Modell sinnvoll ist.

Wenn ihre konkrete Ausführung dazu führt, dass große Wählergruppen aus Frust zu Parteien abwandern, die Klimapolitik grundsätzlich skeptischer sehen, dann kann eine formal „richtige“ Maßnahme realpolitisch das Gegenteil ihres Zwecks bewirken.

Dann stärkt sie mittelbar genau jene Kräfte, die spätere wirksame Klimapolitik blockieren: die FPÖ.

Und genau in so einer Lage ist Österreich gerade. Aktuelle Umfragen Ende März 2026 sehen die FPÖ bei rund 35 bis 36 Prozent und damit klar vor jeder einzelnen Regierungspartei.

Das heißt nicht, dass die CO2-Steuer allein dafür verantwortlich ist. Natürlich spielen auch Migration, Teuerung, Krieg, Regierungsmüdigkeit und viele andere Sachen mit hinein.

Aber wenn man weiß, dass Vertrauen in die Politik bereits massiv beschädigt ist, dann ist es fahrlässig, ausgerechnet an einer Maßnahme festzuhalten, die für viele Menschen inzwischen als unfair erlebt wird.

Meine Überlegung ist daher bewusst unorthodox:

Unter den aktuellen Bedingungen könnte die Abschaffung der CO2-Steuer klimapolitisch sinnvoller sein als ihr Festhalten.

Nicht, weil CO2 dann plötzlich kein Problem mehr wäre. Sondern weil man damit möglicherweise jene Vertrauensspirale stoppt, die derzeit immer mehr Menschen in Richtung einer Partei treibt, die Klimapolitik eher abbaut als verbessert. Wenn dadurch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass bei einer kommenden Wahl wieder stärkere Mehrheiten für konstruktive Klimapolitik entstehen, dann kann eine Abschaffung heute der schnellere Weg zu wirksamerer Klimapolitik morgen sein.

Anders gesagt:

Vielleicht ist die CO2-Steuer unter Idealbedingungen a gutes Instrument. Aber Politik findet nicht unter Idealbedingungen statt. Wenn ein Instrument in der Realität Vertrauen zerstört, Fairness untergräbt und die politischen Mehrheiten gegen das eigentliche Ziel verschiebt, dann muss ma auch die Möglichkeit zulassen, dass seine Abschaffung vorübergehend mehr fürs Klima bringt als seine Beibehaltung. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus realpolitischen.

Was is eure Meinung dazu?

Warum die Abschaffung der CO2-Steuer unser Klima retten wird
byu/bluekingmuch inAustria



Von bluekingmuch

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