Baden-Württemberg: Warum vielen Türkeistämmigen Cem Özdemirs Erfolg nicht passt

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29 Kommentare

  1. >Das Netz ist voll mit Schmähungen: »Cem die assimilierte Bokwurst«. Dazu muss man wissen: Bok heißt auf Türkisch Scheiße. »Ein abstoßendes Beispiel für die türkische Gesellschaft«, »Mit Tschäm Ötztemir kann ich mich als Türke nicht identifizieren«, »Ich sage immer das ist ein Verräter Schwein«

    Aber dann die Nazis von der AFD wählen…genau mein Humor.

  2. OrangeInnards on

    Cem ist in Schwaben geboren und hier aufgewachsen lol. Der Mann ist halt genau so Deutsch wie meine und hunderttausend andere Familien. Soll er sich verstellen und so tun als wär er Türke um irgendwelchen Ewiggestrigen zu gefallen?

  3. Accomplished_Gap_920 on

    Also in meinem Umfeld regt sich kein Türke über seinen Wahlsieg auf, sondern freuen sich darüber bis neutral 😀

  4. Er könnte Chinese sein, es würde nichts daran ändern…es geht nur um seine Person, egal woher der kommt und zu wem er gehört.

  5. Bin aus NRW, haben viele türkischstämmige Nachbarn. Die wählen durch die Bank CDU und AFD, während SPD, Grüne und Linke mit türkischstämmiger Personalie ins rennen gehen.

    Hab mal mit nem Nachbarn drüber gesprochen und er meinte „Weil die linken Parteien den Balkan nach Deutschland holen.“
    Das die AFD ihn als Volksfeind sieht meinte er sei kein Problem, er gehe arbeiten und zahle Steuern, die wollen ja nur die schlechten Ausländer abschieben.

    Ist ein bischen hoffnungslos dagegen anzureden.

  6. Sich mit hier assimilierten nicht identifizieren können. Selbst in der türkischen Blase nur ultrakonservative konsumieren, die in der Türkei nicht mehrheitsfähig sind und dann denen dort als Wahlberechtigter aus dem Ausland an die Macht verhelfen. Selbst aber hier bleiben und bloß als Urlauber im so gelobten aufschlagen wollen.

    Muss man nicht verstehen. Aber selbst diese Intoleranz auch nicht weiter tolerieren. Solche Leute – und das sind leider wie man hier und den Wahlergebnissen der Auslandstürken sieht keine Einzelmeinungen – sind ein Grund warum ich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft für nicht EU-Länder bin.

  7. Ich denke das liegt daran, dass Clem Özdemir halt etwas vertritt, was „vielen Türkischstämmigen“ nicht passt: Nämlich den Gedanken, sich einfach zu integrieren und sich dann vorallem als Deutscher zu sehen (ohne jetzt aber seine Herkunft zu verheimlichen) und nicht als Angehöriger einer Minderheit, die eigene Traditionen pflegt und kulturelle Partikularinteressen und Bedürfnisse vertritt und die Idee dass einem die Ethnie nicht in die Wiege gewegt wird, sondern dass man diese auch (mit gewissen Einschränkungen) wählen kann. Diejenigen, die das genaus sehen wie er, werden heutzutage meist nicht mehr primär als „Türkischstämmige“ wahrgenommen (Sondern halt als Deutsche mit irgendwelchen türkischen Vorfahren). Was bleibt sind halt diejenigen, die sich bewusst mit ihrer türkischen Minderheit identifizieren und die somit natürlich seine Position nicht teilen.

  8. Ich bin das Kind von säkulären Einwanderern aus einem muslimischen Land und muss mir auch ständig von Verwandten und Menschen mit der gleichen Nationalität Sprüche anhören, weil ich für viele so deutsch und assimiliert bin. Teilweise machen sich sogar Deutsche darüber lustig.

    Am Ende macht man es nie allem recht, aber ich möchte eh nichts mit denen zu tun haben, die ein Problem damit haben.

  9. Full_Excitement_3219 on

    Da hat Özdemir halt vieles richtig gemacht, wenn er bei dieser Gruppe nicht gut ankommt.

  10. Xenophobe Ausländer raus I guess? Das ist mit den Russlanddeutschen ja das selbe. In meiner Stadt haben die die AfD in den Integrationsrat gewählt. Kann man sich nicht ausdenken.

  11. Nihilistictaro on

    Das ist alles so ermüdend und langweilig, als Wahlvolk verdienen wir es wirklich nicht anders. In keine seiner Positionen spielt seine Herkunft für mich eine Rolle. Ich wünsche mir sogar, dass er gewisse Dinge anspricht und angeht, weil ich mir dadurch mehr Akzeptanz und auch Differenzierung erwarte.

  12. WorkingIll3472 on

    Naja, es gibt eben auch haufenweise faschistische Türken und Russen! Die sind eben auch ein Teil des Problems in unserer Gesellschaft!
    Arschlöcher gibt es überall!

  13. Big-Zebra-8143 on

    Weil man in den letzten 10 Jahren Rassismus wieder gesellschaftsfähig gemacht hat?
    Weil man die „politische Mitte“ von rechts gekapert hat?

  14. Es ist wie bei der AfD, wenn man von der AfD oder türkischen Nationalisten kritisiert wird, macht man etwas richtig.

  15. Am Ende kann man es niemandem recht machen.

    Sieht man sich als Türke, gefällt es manchen Deutschen nicht.

    Sieht man sich als Deutscher, passt es manchen Türken nicht.

    Vielleicht sollte man einfach akzeptieren, dass Identität mehr sein kann als nur „entweder oder“.

  16. No-Effective388 on

    Ein guter Beitrag, der beide Seiten gut abbildet. Ich persönlich mag Cem Özdemir nicht. Hat mich nie wirklich überzeugt und ich kann ihn leider nicht ausstehen.

    Das bedeutet aber nicht, dass er für diejenigen steht die ihn gewählt haben. Diejenigen die ihn nicht mögen, werden sich auch weiterhin nicht von ihm vertreten fühlen. Und das ist auch okay so.

    Das gilt übrigens für Teile der türkischen Community, als auch diejenigen die AFD wählen.

    Und nochmals eine Bitte an die User, die Staatsbürgerschaften aberkennen und abschieben möchten:

    Es hat schon seinen historischen Grund warum die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit nicht machbar ist. Siehe Nazi Willkür und Entrechtung der jüdischen Mitbürger. Wer jetzt möchte dass türkische Mitbürger mit doppelter Staatsangehörigkeit, automatisch die deutsche verlieren, weil sie politisch anders denken, der hat die Lektion nicht gelernt.

  17. Ein Großteil der deutschtürken ist islamisch-konservativ eingestellt und sind hardcore erdogan Fans. Cem Özdemir als jemand der sich klar zur freiheitlichen Demokratie bekennt und den türkisch islamischen Nationalismus entschieden ablehnt ist für die meisten ein Hassobjekt.

  18. PapstInnozenzXIV on

    Und wie spricht man jetzt Cems Nachnamen korrekt aus?

    Ich würde mal vermuten nicht wie der Ötzi, als Ötzdemir, sondern eher mit einem sanften s wie im Wort Sand, also Ösdemir.

    Liege ich da richtig?

  19. Ich glaub das meiste führt aktuell eher daher das er als Israel Freund gilt + Grüner ist.
    Türken sind generell eher konservativ gestimmt und fühlen sich schlecht repräsentiert von cem weil er eben gut integriert und sehr deutsch eingestellt ist. Das heißt im umkehrschluss, für die die schlecht integriert sind und deutschland dafür die schuld geben, das sie cem als „feind“ sehen. Er ist sozusagen dann leicht zu hassen. Das ganze Integrationsthema ist jetzt ein Fass das ich nicht aufmachen will aber einfach um zu zeigen was wahrscheinlich der Gedanke dahinter ist.

    Bin selber links eingestellter Türke und neben das ich eh die politik der Grünen in BW gut fand, fand ich es gut auch noch einen türkischen namen wählen zu können. Hat mich irgendwie gefreut :).

    Ich denke auch der hate ist garnicht so schlimm wie es aussieht. Hate auf sozial media ist immer prominenter als die menge die nichts sagt. In meinem umfeld zB habe ich nie was negatives über cem von türken gehört

  20. DefinitionHot5084 on

    Was für Türken? Das sind alles Almancı wie Cem auch. Hauptsache jammern.

  21. Also die seit Generationen nicht integrierten Türkeischstämmigen regen sich darüber auf, dass jemand mit türkischen Vorfahren hervorragend integriert und erfolgreich ist. Aus diesem Grund wählen sie die AfD, die sie alle hasst, weil es angeblich niemanden gibt, der gut integriert ist und keiner von denen als Deutscher gilt.

    Na dann fragt man sich doch: warum seid ihr überhaupt hier und folgt nicht den Prinzipien derer, die ihr wählt? (AfD und Erdogan)

  22. Ich finde es ehrlich gesagt etwas weird, wie viele sich darüber aufregen, dass Cem Özdemir sich als Deutscher sieht und auch so auftritt. Was genau ist denn daran das Problem? Für mich ist das doch eigentlich eine klassische Erfolgsgeschichte von Integration.

    Ich selbst habe auch einen Migrationshintergrund und musste mir als Kind von Verwandten oft anhören, ich sei „kein Deutscher“. Dabei bin ich hier geboren, spreche inzwischen Deutsch besser als meine eigentliche Muttersprache und fühle mich Deutschland auch deutlich verbundener als dem Herkunftsland meiner Eltern.

    In meiner eigenen Verwandtschaft sieht man das ganz gut: Es gibt diejenigen, die sich integriert haben, sich als Deutsche sehen und im Alltag auch hauptsächlich Deutsch sprechen, so wie ich, mein Geschwisterteil oder einige Cousins. Und dann gibt es andere Verwandte, die ständig über Deutschland schimpfen, von der alten Heimat schwärmen (obwohl sie selbst höchstens für Urlaub hinfahren würden und teils selber die Muttersprache nur gebrochen reden oder im Dialet) und sich darüber beschweren, dass wir „zu deutsch“ geworden seien.

    Was ich dabei immer etwas ironisch finde: Am meisten runtergemacht wird man oft von Leuten mit genau demselben Hintergrund wie man selbst. Das sah ich bei Deutschtürken, Deutscharabern, Deutschrussen und Deutschpolen immer wieder und wieder.

  23. Als türkischstämmiger kann ich dazu mitteilen: Es liegt daran, weil er den Lebensstil der türkischen Community nicht widerspiegelt. Es ist das altbekannte Problem, dass du als Verräter an den eigenen Werten gesehen wirst, wenn du dich zu stark integriert hadt. Er wird nicht als Türke oder als einer der Ihren angehsen.

    Umgekehrt muss er sich doppelt anstrengen um das LAbel des Türken gegenüber den Deutschen abzulegen. Interessant hierbei ist, dass dies bei der größten Gruppe der Migranten passiert. Was eben eigentlich normal sein sollte, da diese Subgruppe seit 60 Jahren Teil der deutschen Gesellschaft geworden ist.

  24. Efficient_Ad598 on

    Durch diesen Kommentarbereich merkt man ziemlich deutlich, dass viele in der deutschen Gesellschaft noch immer kaum ein Verständnis für die politische Meinungsvielfalt unter Türken haben, und auch nicht für die eigentlichen Gründe, warum viele Türken Cem Özdemir ablehnen.

    Dass hier in den Top-Kommentaren die Ablehnung gegenüber Cem Özdemir pauschal mit Nationalismus und Erdoğan erklärt wird und alle, die ihn nicht mögen, gleich als schlecht integriert abgestempelt werden, ist völlig aus der Luft gegriffen. Nach dem Motto: keine Ahnung haben, aber trotzdem einfach irgendetwas schreiben.

    Ich kenne so gut wie jede politische Strömung unter Deutschtürken: Liberale, Atheisten, Nationalisten, Erdoğan-Anhänger, Linke, „eingedeutschte“ Türken, und wirklich niemand, absolut niemand, mag Cem Özdemir (oder wie er sich gerne ansprechen lässt „Tschem Ötzdemir“). Diese Ablehnung zieht sich durch nahezu alle Lager.

    Manche machen es sich einfach zu leicht und stempeln jeden, der ihn nicht mag, sofort als Hinterwäldler, Rassisten oder Nationalisten ab. Dabei sind es oft gerade diese Leute, die politisch erstaunlich ungebildete Meinungen vertreten und sich trotzdem für besonders klug halten.

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