
Pfandautomatenrant am Pfandautomat. Heute stehen drei Personen in der Schlange zusätzlich zu einer gerade einwerfenden Person, und als ich meinen restlichen Einkauf erledigt hab, sind immer noch zwei in der Schlange, plus ein Neuer, also stell ich mich auch gleich an. Der Automat streikt, und sofort reklamiert der nächste in der Schlange lautstark. Er schreit in den Automaten, klopft an die Tür zum Personal direkt daneben, umgehend erscheint auch der Filialleiter in derselben, und er sieht aus, als hätte er ein Problem vor sich, das er nicht zum ersten Mal löst. Ich sehe ihn nur im Hintergrund, wie er mit gekonnten Bewegungen die richtigen Stellen am Touchscreen berührt.
Im Vordergrund ventiliert der aufgeregte Mensch in Warteschlangenposition 1 noch immer, mittlerweile in Richtung Rest der Warteschlange. Die Gewessler sei Schuld an dem Schas, sagt er. Die Gewessler hat damit gar nix zu tun, es is ein Problem der technischen Umsetzung, versuch ich zu entschärfen, aber ich bin zumindest froh, dass wegen seinem Geschreie der Automat sofort wieder in Gang gesetzt wird. Danach gibt’s noch ein paar Flaschen die nicht angenommen werden, aber im zweiten Anlauf passt alles, und irgendwann komm auch ich dran.
Bei der Kassa dann nochmal ein Zwischenruf, weil die Kassierin dem Kunden erklärt, dass es eine App für Kostenvorteile gibt. Die nächste Kundin in der Warteschlange lacht so verlegen, sie scheint zu sagen "i o d’oboa, eh, mit Ihnen mit der Gelehrten -App, wafe ziagts nicht"und sie entschuldigt sich auch tatsächlich, sie hätte zwar die App, aber ihr Handy zuhause, und die Kassierin scannt einen eigenen Barcode ein. Weil: eh. Warum brauch ich dafür eigentlich eine App.
Ich will da jetzt gar nicht die Supermärkte frotzeln, die ordnen sich auch nur nach den ungeschriebenen Gesetzen der Marktkräfte zu einem amorphen Konstrukt, das man entsprechend auch nicht konkreter zu fassen kriegt als mit nebulöser Inflation und lächerlicher Pfandrücknahmetechnik. Zwar ist die These allgemein anerkannt, dass Inflation primär von der Gier des Kapitals getrieben wird, aber wie soll man so etwas dem Lebensmittelhandel handfest nachweisen? Wie kann man individuelle Personen und einzelne Regeln für die komplexen Auswirkungen verantwortlich machen, die von einer Vielzahl von Entscheidungen von einer Vielzahl von Menschen hervorgerufen wird?
Wie soll man diese "organisierte Unverantwortlichkeit" (Ulrich Beck) denn dann anders bekämpfen als mit der Linderung des Symptoms? Wenn die Lebensmittelpreise zu hoch sind, muss eine Lebensmittelpreisbremse her. Und zwar permanent, weil, wie der Präsident des Fiskalrats und Lebensmittelpreisbremsengegner Christoph Badelt angemerkt hat[1]wenn die Bremse losgelassen wird, federt der Preis gleich wieder hoch. Vielleicht also eher was dauerhaftes, wie eine Lebensmittelpreisklemme, oder eine Lebensmittelpreishandbremse. Die hält zumindest auch von selbst.
Von Ernst_Huber